Provinzial Nordwest: Verkauf liegt auf Eis

Der von der Allianz umworbene öffentlich-rechtliche Versicherer Provinzial Nordwest aus Münster plant, Fusionsgespräche mit der Provinzial Rheinland aufzunehmen. Unterdessen erklärte die Staatsanwaltschaft Münster, dass die Schraubenzieher-Attacke auf Provinzial-Nordwest-Chef Ulrich Rüther nur erfunden war.

Provinzial-Direktion in Münster

Rüther und der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Provinzial Rheinland in Düsseldorf, Ludger Gooßens, kündigten in einer gemeinsamen Presseerklärung an, schnellstmöglich gemeinsame Gespräche über ein Fusion aufnehmen zu wollen. Bis Ende März solle eine „konkrete Entscheidungsvorlage“ für die Eigentümer erarbeitet werden.

Laut der Mitteilung bietet das Zusammengehen der beiden öffentlichen Versicherer in Nordrhein-Westfalen die Chance, beiden Partnern unter der Ausschöpfung wirtschaftlicher Vorteile „ihre Verankerung in den Regionen zu sichern“. Die Konzernbildung zweier Unternehmen aus den Reihen der Öffentlichen Versicherer würde zudem langfristig das in Deutschland „einzigartige Geschäftsmodell“ der öffentlichen Versicherer stärken, heißt es weiter.

Mit der Einigung der beiden Unternehmen, Gespräche über eine Fusion zu führen, wird ein Kauf der Provinzial Nordwest durch den Münchner Versicherer Allianz unwahrscheinlicher. Die Kaufabsichten der Allianz hatten zu Protesten bei Betriebsräten und Gewerkschaften geführt. In diesem Zusammenhang stand auch ein vermeintlicher Schraubenzieher-Angriff auf Provinzial-Chef Rüther, der zunächst als „Racheakt“ gedeutet wurde.

Staatsanwaltschaft will Ermittlungen einstellen

Nun hat sich herausgestellt, dass der Angriff offenbar nur erfunden war. Dies teilten die Staatsanwaltschaft Münster und das Polizeipräsidium Münster am Dienstag mit. Den Behörden gegenüber habe Rüther eingestanden, die Verletzungen selbst herbeigeführt zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittle nun gegen den Provinzial-Chef wegen des Vortäuschens einer Straftat. Man beabsichtige allerdings, diese Ermittlungen gegen eine „angemessene Geldbuße“ einzustellen, heißt es.

„Gegenüber der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft Münster hat Herr Rüther sein Verhalten mit den enormen Auswirkungen der Turbulenzen bei der Provinzial auf seine Familie begründet“, erklären die staatlichen Stellen. (lk)

Foto: Provinzial Nordwest

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