Anzeige
13. April 2012, 14:48
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

„Zusatzbeitragsjahre sind verlorene Jahre“

Gesundheitsökonom Professor Dr. Volker Ulrich, Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre III – Finanzwissenschaft an der Universität Bayreuth, kritisiert im Cash.-Interview das Gesundheitssystem in seiner bestehenden Form und nennt Alternativen zur Praxisgebühr.

Prof. Dr. Volker UlrichCash.: In der Politik hat erstmals auch die Union die private Krankenversicherung (PKV) in ihrer heutigen Form infrage gestellt. Werden wir eines Tages eine einheitliche gesetzliche Grundversorgung haben, die um private Zusatzversicherungen ergänzt werden kann?

Ulrich: Viele Ökonomen können sich einen einheitlichen Krankenversicherungsmarkt durchaus vorstellen – allerdings in einer mittel- bis langfristigen Perspektive, in der bestimmte Übergangsfristen eingehalten werden. Dies bedeutet ja zunächst, dass alle Bürger eines Landes einer Versicherungspflicht unterliegen für einen definierten Leistungskatalog. Davon zu trennen ist die Art der Finanzieurng: Hier plädieren viele Ökonomen für eine stärker lohneinkommensunabhängige Finanzierung, das heißt für eine Form von Prämienmodell. Durch Gesundheitsprämien mit zwingend erforderlichem Sozialausgleich könnte auch der Wettbewerb im Gesundheitswesen angeregt werden. Allerdings sollte man darauf achten, dass nicht wieder die gleichen Fehler wie beim Zusatzbeitrag begangen werden.

Cash.: Welche Fehler hat die Politik beim Zusatzbeitrag begangen?

Ulrich: Der Zusatzbeitrag war politisch verbrämt. Die Krankenkassen wollen ihn unter allen Umständen vermeiden, da er als Hinweis für eine unwirtschaftliche Krankenkasse angesehen wird. Unter Versorgungsaspekten sind die Zusatzbeitragsjahre daher verlorene Jahre – die Krankenkassen nehmen kein Geld für ein gutes Versorgungsmanagement in die Hände, da sie keine Planungssicherheit über ihre Einnahmensituation haben.

Cash.: Wie sehen Sie die Bürgerversicherung?

Ulrich: Die Variante der Bürgerversicherung, die auch alle Einkommensarten einbezieht, gibt zwar auf die Beteiligungsfrage die richtige Antwort – es sind dann ja alle „drin“. Auf die Beitragsfrage liefert die Bürgerversicherung jedoch eher die falsche Antwort, da von den anderen Einkommensarten keine nennenswerten Beiträge zu generieren sind. Somit werden lediglich Einmaleffekte bei der Ausdehnung des Umlageverfahrens auftreten. Zudem sollte berücksichtigt werden, dass das umlagefinanzierte GKV-Modell nicht nachhaltig ist, da gerade das Umlageverfahren Nachteile gegenüber dem Kapitaldeckungsverfahren der PKV hat. Ein einheitlicher Krankenversicherungsmarkt ist sicherlich eine Option für die Zukunft, wenn, dann aber eher in einer Form, dass gesetzliche Krankenkassen beispielsweise auch Kapitaldeckung und private Versicherer Verträge im Umlageverfahren anbieten können.

Seite 2: „PKV-Kapitalstock ist ein Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit“

Weiter lesen: 1 2 3

Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 02/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Trendprodukt Fondspolicen – Aktien Europa – Zweitmarkt 2018 – Andrang auf Zinshäuser 

Ab dem 25. Januar im Handel.

Cash.Special 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Herausforderungen 2018 – bAV-Reform – Elementarschadenversicherung – Digitale Geschäftsmodelle

Ab dem 24. Oktober im Handel.

Versicherungen

Ergo entlässt Vertriebsvorstand

Der ehemalige Vertriebsvorstand des Versicherers Ergo, Stephan Schinnenburg, muss seinen Vorstandsposten räumen, da er wiederholt verbal ausfällig geworden ist. Das meldet das “Manager Magazin” am Freitag. Damit geht der stetige Wechsel der Vorstände bei der Ergo weiter.

mehr ...

Immobilien

Gewerbeinvestment: Risikoakzeptanz wächst deutlich

Die Immobilieninvestment-Plattform Brickvest stellt in ihrem Investoren-Barometer für das Jahresendquartal 2017 eine deutlich höhere Risikoakzeptanz gerade bei deutschen Investoren fest. Gleichzeitig gibt Deutschland die Spitzenposition als Zielmarkt ab.

mehr ...

Investmentfonds

Die durchschnittlichen Renditen der Dax-Titel

Deutsche sollten verstärkt mit Aktien für ihr Alter vorsorgen. Das ist eine der Botschaften des Deutschen Aktieninstituts. Auf der Website des Instituts kann seit Freitag das Dax-Rendite-Dreieck runtergeladen werden, das die durchschnittliche Rendite der Dax-Titel über verschiedene Zeiträume hinweg zeigt.

mehr ...

Berater

Vertriebsrecht: Was sich 2018 für Verkäufer ändert

Für Vertriebsmitarbeiter bedeutet der Jahresneuanfang durch angehäufte Arbeit und neue Aufgaben oft Stress. Sich dann noch über die aktuelle Rechtslage zu informieren kann da schnell schwierig werden. Hier die wichtigsten Gesetzesänderungen im Überblick.

Gastbeitrag von Oliver Kerner, OK-Training

mehr ...

Sachwertanlagen

“Das erfolgreichste Jahr der Unternehmensgeschichte”

Das Hamburger Emissionshaus HEH hat 2017 drei Flugzeugfonds mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von zusammen rund 82 Millionen Euro aufgelegt und platziert. Die Platzierungsgeschwindigkeit nahm dabei zu.

mehr ...

Recht

BFH-Urteil: Kosten für Dauertestamentsvollstreckung

Ob bei minderjährigen oder unerfahrenen Erben oder für die Fortführung eines Unternehmens: eine Dauertestamentsvollstreckung kann helfen, den Nachlass ordnungsgemäß zu verwalten. Was aber, wenn Erben die Kosten für die Vollstreckung steuerrechtlich geltend machen wollen?

mehr ...