Deutsche finden Gesundheitssystem teuer aber wirkungsvoll

Lob und Tadel für das deutsche Gesundheitssystem: 86 Prozent der Bundesbürger sind der Ansicht, dass dieses zu den leistungsfähigsten der Welt zählt. Allerdings klagen Kassenpatienten über hohe Zuzahlungen – diese betragen im Schnitt 380 Euro pro Jahr, so eine Umfrage des Versicherers Continentale.

Helmut Posch, Continentale

Wie das Dortmunder Unternehmen mitteilt, beurteilen 90 Prozent der repräsentativ Befragten die medizinische Versorgung positiv, zudem empfinden 82 Prozent die Behandlungen als wirkungsvoll. All dies hat allerdings seinen Preis: So halten 80 Prozent der Deutschen das Gesundheitssystem für zu teuer. Grund hierfür sind die weit verbreiteten Zuzahlungen: 96 Prozent der befragten Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im Alter ab 25 Jahren mussten nach eigenen Angaben in den vergangenen zwölf Monaten Leistungen komplett oder teilweise selbst bezahlen.

Drei Viertel (76 Prozent) der gesetzlich Versicherten sagen, bei ihnen hätte die Höhe der Zuzahlungen in den vergangenen fünf Jahren zugenommen, ein Drittel berichtet von einer starken Zunahme. Nur rund ein Fünftel sagt, es hätte keine Veränderung gegeben. Rückläufige Tendenzen habe es laut Studie nahezu keine gegeben.

Vor allem die weiblichen Kassenpatienten mussten mit durchschnittlich vergleichsweise 440 Euro tief in die Tasche greifen. Männliche zahlten im Mittel nur 300 Euro über den GKV-Beitrag hinaus. Westdeutsche leisten 395 Euro Zuzahlung, Ostdeutsche 325 Euro. Befragte mit einem Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 2.500 Euro im Monat zahlen laut Studie im Schnitt 465 Euro dazu, wer weniger als 2.500 Euro zur Verfügung hat, trägt 350 Euro selbst. Bei den Geringverdienern mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 1.000 bis 1.500 Euro summieren sich die Zuzahlungen auf 325 Euro im Jahr.

Immerhin: In diesem Jahr erreichte die Unzufriedenheit mit dem Gesundheitswesen den geringsten Wert seit Beginn der Erhebung – nachdem im vergangenen Jahr ein signifikanter Anstieg zu verzeichnen war. „Diese Entwicklung stützt die These, dass immer dann, wenn die GKV-Versicherten ganz konkret mehr Geld bezahlen mussten, sie deutlich unzufriedener sind“, sagt Helmut Posch, Vorstandsvorsitzender des Continentale Versicherungsverbundes. Dieser Effekt habe sich auch nach der Einführung der Zusatzbeiträge und der Praxisgebühr gezeigt, so Posch. (lk)

Foto: Continentale

 

 

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