Lebensversicherung: Intelligente Stellschrauben

Da die Sparanteile im Deckungsstock sehr sicher angelegt werden müssen, hat der Versicherer kaum Spielraum in risikoreichere und damit auch renditereiche Anlagen am Kapitalmarkt zu investieren. Daher ist es bei der klassischen Lebensversicherung aktuell eine wahre Herausforderung, die Garantieversprechen im kompletten Bestand zu bedienen.

Sie liegen eben nicht wie im Neugeschäft bei 1,75 Prozent, sondern bei 3,2 Prozent im Branchenschnitt über den Gesamtbestand. Das heißt hier spielen die hohen Garantiezinsen aus der Vergangenheit eine große Rolle. Überschüsse aus den vorsichtig angesetzten Risiken und Kosten sowie Zinsüberschüsse des Sparanteils fließen zum Großteil wieder auf das „Kundenkonto“.

Stellschrauben für die KLV

An den Bewertungsreserven partizipieren Kunden ebenfalls, auch wenn das langfristig in der aktuellen Niedrigzinsphase kritisch zu sehen ist. Versicherer sind im Zweifelsfall teilweise gezwungen, hoch verzinste festverzinsliche Kapitalanlagen zu veräußern, um Verpflichtungen aus den entsprechenden Bewertungsreserven zu erfüllen.

Eine entsprechend hoch verzinste Kapitalanlage ist dann aber am aktuellen Kapitalmarkt nicht wieder zu erlangen. Kunden, deren Verträge in der Niedrigzinsphase enden, profitieren somit in großem Maße an den Bewertungsreserven.

Für die Kunden im Bestand, deren Verträge später enden, bedeutet die Neuanlage zu niedrigen Zins, zukünftig weniger Kapitalerträge und somit weniger Überschüsse. Wo sind also die Stellschrauben bei der klassischen Lebensversicherung?

Bei einer klassischen Lebensversicherung bekommt der Versicherte aktuell 1,75 auf seinen Sparanteil garantiert. Die Kapitalanlage des Versicherers besteht hauptsächlich aus festverzinslichen Wertpapieren. Daraus lässt sich ableiten, dass aktuell keine so hohen Renditen wie in der Vergangenheit mehr erwirtschaftet werden können.

Anlagenpolitik weiter diversifizieren

Die große Herausforderung für die Versicherer besteht darin, im Rahmen des Aufsichtsrechts ihre sichere Anlagenpolitik weiter zu diversifizieren. Aus vielen Gesprächen mit Versicherungsunternehmen geht hervor, dass sie aktuell nicht alleine auf deutsche Bundesanleihen setzen.

Eine weitere Stellschraube ist der Kostenanteil, an dem in dieser Funktionsweise der Versicherungsform gedreht werden kann. Andere Lebensversicherungsmodelle bieten insgesamt mehr Spielraum. Das ist auch der Grund, warum es inzwischen eine immer stärker werdende Ausdifferenzierung der Produkte gibt.

Um besser am Kapitalmarkt partizipieren zu können, haben sich die Versicherungsunternehmen mehr Flexibilität bei der Anlage des Sparanteils geschaffen und somit ihre Stellschrauben bereits im Modell erweitert.

Zu den klassischen Deckungsrückstellungen wurden weitere „Töpfe“ gebildet, aus denen sie in weitere Kapitalmarktanlagen investieren können. Für den Versicherer besteht somit die Möglichkeit auch aus risikoreicheren Kapitalanlagen zu schöpfen.

Durch eine Zwei- oder Drei- Topf- Strategie schafft sich der Versicherer die Freiheit am Kapitalmarkt renditeträchtig wirtschaften zu können und die Vorzüge einer klassischen Lebensversicherung mit einem konventionellen Deckungsstock beizubehalten.

Seite drei: Konzepte zur Renditeerzielung

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