„Bürgerversicherung wird für Befürworter zum Bumerang“

Bereits seit einiger Zeit wird über vermeintlich unzureichende Wechselmöglichkeiten innerhalb der PKV diskutiert. Was kann zu einer Beruhigung der Situation beitragen?

Dies betrifft ja zwei Wechseloptionen: Beim Unternehmenswechsel innerhalb der PKV ist die Übertragbarkeit eines Teils der Alterungsrückstellungen für das seit dem Jahr 2009 hinzugekommene Geschäft hergestellt worden. Beim Wechsel innerhalb der Gesellschaft geht es immerhin um einen Rechtsanspruch des Kunden.

Bezogen auf unser Haus hat sich die Anzahl der Tarifwechsel in den letzten Jahren auf einem spürbar höheren Niveau eingependelt. Dies belegt, dass der Tarifwechselanspruch des Kunden alles andere als ein Paragraf ohne praktische Bedeutung ist. In der PKV sank die Zahl der Vollversicherten in 2012 um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Welche Entwicklung nahm die Vollversicherung bei der Gothaer und in welchen Bereichen sehen Sie noch Wachstumspotenzial?

Auch wir konnten uns der Marktentwicklung nicht entziehen und haben im Jahr 2012 einen Rückgang an Vollversicherten zu verzeichnen, der in etwa der Marktentwicklung entspricht. Sehr zufrieden sind wir mit der Entwicklung im Zuatzversicherungsgeschäft und hier speziell im Bereich der betrieblichen Krankenversicherung. Hier zählt die Gothaer zu den marktführenden Unternehmen in der PKV und wir sehen auch in diesem Kollektivgeschäft noch hohes Wachstumspotenzial.

Wenige Monate vor der Bundestagswahl hat die SPD ihre Pläne zur Bürgerversicherung überarbeitet: Die Beitragspflicht soll nicht mehr auf Kapitalerträge und Mieteinnahmen sowie auf Beamte ausgeweitet werden. Fühlen Sie sich dadurch in Ihrer Ablehnung eines einheitlichen Systems bestätigt?

Viel bemerkenswerter finde ich die Tatsache, dass einige Studien beziehungsweise Gutachten, die von Befürwortern einer Bürgerversicherung in Auftrag gegeben wurden, zahlreiche Argumente liefern, warum die Einführung einer Bürgerversicherung nicht sinnvoll ist.

Im Gegenteil: Diese Studien zeigen auf, dass es im Rahmen einer Bürgerversicherung zu sehr nachteiligen Auswirkungen kommen würde, sei es bei der medizinischen Infrastruktur, bei der Entwicklung der Lohnnebenkosten oder aber bei der Beschäftigung. Manche Studie hat sich also quasi als Bumerang ihrer Auftraggeber erwiesen.

Wird es die PKV, wie wir Sie heute kennen, auch noch in fünf Jahren geben?

Ich bin überzeugt, dass es auch in fünf Jahren noch eine eigenständige und auch Vollversicherungen anbietende PKV geben wird. Allerdings müssen auch wir uns auf Veränderungen einstellen, im Sinne einer reformierten Dualität.

Interview: Lorenz Klein

Foto: Gothaer

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