13. Juni 2013, 09:35
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

PKV: Genug ist zu wenig

Ein halbes Jahr nach Einführung der Unisex-Tarife zeigt sich, dass Neukunden in der privaten Krankenversicherung (PKV) mehr Qualitätsprodukte zur Auswahl stehen als in der alten Tarifwelt. Dennoch regt sich Kritik an den Mindeststandards der neuen Produkte.

PKV GKV

Gerd Güssler, KVpro.de, befürwortet das Motto “Verbraucher gibt wenig, Verbraucher erhält wenig.”

Seit Einführung der Unisex-Tarife am 21. Dezember 2012 zahlen Männer und Frauen beim Abschluss  eines Neuvertrags denselben Beitrag.

Die PKV-Anbieter haben diese gesetzlich verordnete Angleichung dazu genutzt, ihre bisherigen Tarifstrukturen eingehend unter die Lupe zu nehmen. “Mit der Umstellung auf Unisex haben die Unternehmen ihre Tarifwelten teils gründlich gelichtet und geliftet”, sagt Gerd Güssler vom Informationsdienstleister KVpro.de im Rahmen eines Pressegesprächs gestern in Berlin.

Unisex halbiert Tarifangebot

Laut einer Marktanalyse der Freiburger Krankenversicherungsexperten hat sich das Tarifangebot mit der Unisex-Einführung um die Hälfte reduziert. Standen einem PKV-Interessent in der alten Bisex-Welt noch 1.518 Tarifangebote zur Auswahl, sind es nunmehr “nur” noch 787 Tarifkombinationen.

Trotz deutlich weniger, aber generell besserer Tarifalternativen, sollten für den Käufer nach wie vor die gleichen Entscheidungskriterien gelten, betont Güssler: “Kaufe nach Leistung, kaufe das, was individuell, existenziell notwendig ist”.

Gleichwohl sei der gelichtete “Tarif-Dschungel” für den Vertrieb hilfreich, meint der Analyst. Auch die Haftungsfragen und Risiken würden aufgrund der einhergehenden AVB-Klarstellungen, etwa im Hilfsmittelbereich, geringer, ergänzt Güssler, der im folgenden Beitrag aus der Juni-Ausgabe von Cash. ausführlich Stellung zur aktuellen Situation der PKV bezieht:

Es ist nur ein ganz kleines Minus, das der Vorsitzende des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV), Reinhold Schulte, den zahlreich erschienenen Pressevertretern bei der Vorstellung der Branchenzahlen Ende April in Berlin erklären musste.

Hinter diesem kleinen Minus verbirgt sich die Zahl 0,2 – 0,2 Prozent weniger Menschen als noch 2011 waren zum Jahresende 2012 in der PKV vollversichert. In einer Branche, die seit zehn Jahren ununterbrochen gewachsen ist, muss solch ein Stillstand eigentlich als Rückschritt empfunden werden – zumal die wichtige Zielmarke von neun Millionen Privatversicherten erneut nicht geknackt werden konnte.

Insgesamt 8,96 Millionen Menschen befinden sich derzeit in der PKV, aber es ist fraglich, ob die Neun jemals eine Kommastelle weiter nach vorn rücken wird – schließlich steht im Herbst die Bundestagswahl an und in Berlin hat die PKV viele Gegner – allen voran in den Oppositionsparteien SPD und Bündnis 90/Die Grünen.

Ende der privaten Vollversicherung?

Einige Experten mutmaßen, dass bei entsprechendem Wahlausgang bereits im Jahr 2015 das Ende der privaten Vollversicherung besiegelt sein könnte. An ihre Stelle würde dann eine gesetzliche Krankenversicherung (GKV) für alle rücken – eine sogenannte Bürgerversicherung, die von PKV-Manager Schulte aufgrund ihres verpflichtenden Charakters in “Bürgerzwangsversicherung” umgetauft wurde.

Die Wortwahl macht deutlich, dass die privaten Krankenversicherer im Wahljahr die Konfrontation suchen – den vergleichsweise freundlichen Slogan aus dem letzten Jahr “Bürgerversicherung – nur der Name ist gut” hört man nicht mehr so oft.

Stattdessen versucht die Branche, mit den wohl richtigen, aber schon oft gehörten Zahlen zu überzeugen: “Umfragen zeigen, dass rund 96 Prozent der PKV-Versicherten mit den Leistungen sehr zufrieden sind”, sagt Peter Thomas, Vorstandsvorsitzender Inter Versicherungsgruppe aus Mannheim.

Doch auch Thomas weiß, dass dies nicht reichen wird, um die Öffentlichkeit für den Erhalt des dualen Systems zu gewinnen. Unabhängig davon müsse sich die PKV auf ihre Stärken konzentrieren, Leistung und Service bieten, so Thomas, dann werde sich das Image in der Bevölkerung weiter verbessern.

Leistungsstärke verteidigen

Leistungen unabhängig von ihren Kosten zu gewähren, war immer eine Stärke der Branche, doch diese Stärke muss immer wieder neu herausgestellt und verteidigt werden. Das liegt auch daran, dass viele Versicherer auf günstige PKV-Einsteigertarife gesetzt haben, die den Versicherten weniger kosteten, im Gegenzug aber auch weniger Leistungen boten.

Als die Prämien dieser Tarife im vergangenen Jahr zum Teil im zweistelligen Prozentbereich anstiegen, weil sie mit der Erwartung auf steigende Einkommen ihrer Kundschaft kalkuliert wurden, die sich oftmals jedoch nicht erfüllte, brach ein Sturm der Entrüstung los.

Davon hat sich die Branche bis heute nicht ganz erholt. “Wie Sie wissen, waren es vor allem Billigtarife, die in die Schlagzeilen gerieten”, stellt Schulte dazu fest und ergänzt: “Mehrere große PKV-Unternehmen haben inzwischen diese umstrittenen Billigtarife eingestellt.” Das bedeute einen bewussten Verzicht auf Neuzugang aus diesem Kundensegment, so Schulte. Auch dieser Umstand habe natürlich den Neuzugang 2012 beeinflusst.

Seite zwei: Unisex räumt mit Billigtarifen auf

Weiter lesen: 1 2 3 4

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Telefonica und Allianz starten Glasfaserprojekt in Deutschland

Der spanische Telekomkonzern Telefonica hat sich beim Glasfasernetz-Ausbau die Allianz als Partner an Bord geholt. Beide Konzerne sollen jeweils zur Hälfte am Gemeinschaftsprojekt beteiligt sein, teilten sie am Donnerstag in Madrid und München mit.

mehr ...

Immobilien

Seehofer will erschwerte Umwandlung von Mietwohnungen

Bundesbauminister Horst Seehofer (CSU) plant nun doch höhere Hürden für die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen. Das sieht ein neuer Entwurf für das Baulandmobilisierungsgesetz vor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Er soll voraussichtlich am kommenden Mittwoch vom Kabinett verabschiedet werden.

mehr ...

Investmentfonds

US-Wahlen: Welche Aktien sollten ins Portfolio?

In knapp einer Woche ist die US-Präsidentenwahl schon vorbei. Aber ob wir dann auch das Ergebnis kennen, steht in den Sternen. Ein Kommentar von Manuel Heyden, CEO von nextmarkets.

mehr ...

Berater

DKM 2020: digital.persönlich.erfolgreich

Der Umzug der DKM 2020 von der Messe Dortmund in die digitale Welt war ein voller Erfolg. Mit über 19.700* Messeteilnehmern verteilt auf 4 Messetage, 157 Ausstellern und mehr als 200 Programmpunkten bei Kongressen, Workshops, Roundtables und Speaker’s Corner hat die 24. Auflage der Leitmesse auch in der digitalen Version die Finanz- und Versicherungsbranche überzeugt.

mehr ...

Sachwertanlagen

Deutsche Finance mit 650-Millionen-Dollar-Closing in San Francisco

Der Asset Manager Deutsche Finance und SHVO Capital haben gemeinsam für ein institutionelles Joint Venture um die Bayerische Versorgungskammer den Gebäudekomplex „Transamerica Pyramid“ in San Francisco erworben.

mehr ...

Recht

Kauf bricht nicht Miete: Tipps für den Verkauf einer vermieteten Wohnung

Erst Vermieten, dann Verkaufen: Eine vermietete Wohnung zu verkaufen stellt Eigentümer vor besondere Herausforderungen. Denn das bestehende Mietverhältnis wirkt sich nicht nur auf den Verkaufspreis aus, auch die Käuferzielgruppe ist eine andere als bei einem unvermieteten Objekt. Welche Besonderheiten Eigentümer beim Verkauf einer vermieteten Wohnung beachten müssen, fassen die Experten des Full-Service Immobiliendienstleisters McMakler zusammen.

mehr ...