Lebensversicherung: Kein Auslaufmodell in der Altersvorsorge

Die Lebensversicherung hat momentan keinen guten Stand in der deutschen Presse. Die Absenkung der Überschussbeteiligung und die vermeintlich niedrige Verzinsung verunsichern die Anleger – zurecht?

Kolumne von Franz-Josef Rosemeyer, A.S.I. Wirtschaftsberatung

Franz-Josef Rosemeyer, A.S.I. Wirtschaftsberatung
„Natürlich war die Verzinsung von Lebensversicherungen in den vergangenen Jahren deutlich besser, dies gilt aber auch für alle anderen Kapitalanlagen mit vergleichbarer Sicherheit.“

„Lebensversicherung in der Klemme“, „Lebensversicherung steckt im Renditetal“, „Lebensversicherer bieten magere Zinsen“, „Lebensversicherung lohnt sich kaum noch“.

So oder so ähnlich titeln führende deutsche Zeitungen nach der jüngsten Absenkung der Überschussbeteiligung, die von den meisten Lebensversicherern für das Jahr 2013 erklärt wurde. Man hat den Eindruck, dass für das beliebteste Altersvorsorgeprodukt der Deutschen inzwischen das „Totenglöckchen“ geläutet wird. Hinzu kommt noch eine unsägliche Diskussion über die Beteiligung der Versicherungsnehmer an den Bewertungsreserven.

Über Sinn und Unsinn der Diskussion

In beiden Themenbereichen fragt man sich, als nicht ganz unbeteiligter Beobachter, worum es bei der Diskussion eigentlich geht. Handelt es sich um eine analytische Aufbereitung aktueller Kapitalanlagemöglichkeiten zur Altersversorgung unter besonderer, aber objektiver Betrachtung des in diesem Zusammenhang wichtigsten Produktes in Deutschland? Oder geht es darum, eine seit Jahren nicht sonderlich beliebte Institution weiter in Misskredit zu bringen und Millionen von Vorsorgesparern im Hinblick auf ihre getroffenen oder beabsichtigten Entscheidungen zu verunsichern?

Letzteres möchte ich natürlich nicht unterstellen, aber um eine analytische Aufbereitung der aktuellen Kapitalanlagemöglichkeiten handelt es sich definitiv nicht. Dass es sich bei der gesamten Diskussion ausschließlich um konventionelle Lebens- und Rentenversicherungsprodukte handelt, findet übrigens erstaunlich selten Erwähnung in der Berichterstattung. Es wird zumindest nicht darauf verwiesen, dass die Branche bei offensiverem Rendite-/Risikoprofil auch andere Lösungsmöglichkeiten bereithält.

Konservative Anlagepolitik konventioneller Produkte

Bleiben wir aber bei den konventionellen Produkten. Diese Produkte sind ausnahmslos mit Garantien ausgestattet. Ihre Kapitalanlagepolitik ist eher konservativ. Bei einer branchendurchschnittlichen Überschussdeklaration von aktuell ca. 3,6 Prozent und einer Gesamtverzinsung von jenseits der 4 Prozent fällt es schwer, sichere Kapitalanlagen zu finden, die derzeit mit einer solchen Rendite aufwarten können. Wenn eine renommierte deutsche Tageszeitung sich dann empört, dass sich diese Verzinsung ja nur auf den Sparbeitrag bezieht, mag man das kaum noch kommentieren.

Natürlich war die Verzinsung von Lebensversicherungen in den vergangenen Jahren deutlich besser, dies gilt aber auch für alle anderen Kapitalanlagen mit vergleichbarer Sicherheit. Wieso nimmt man bei Staats-, Unternehmens- und sonstigen Anleihen die kontinuierliche Renditeabsenkung als kapitalmarktbedingt hin, verlangt aber von der Lebensversicherung offensichtlich, dass sie sich, aus welchen Gründen auch immer, vom Kapitalmarkt entkoppeln kann?

Auslaufmodell in der Altersvorsorge?

Etwas mehr Sachlichkeit würde der Diskussion gut tun. Bei allen Verbesserungsmöglichkeiten im Hinblick auf Transparenz oder auf Flexibilität bietet die konventionelle Lebens- oder Rentenversicherung im aktuellen Niedrigzinsumfeld nach wie vor eine attraktive Rendite und hat es nicht verdient, als Auslaufmodell in der Altersvorsorge abgestempelt zu werden. Wer darüber hinaus Altersvorsorge als lebenslange Rentengarantie versteht, kommt an dieser Produktgattung außerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung oder der Versorgungswerke ohnehin nicht vorbei.

Autor ist Franz Josef Rosemeyer, Vorstand der A.S.I. Wirtschaftsberatung AG

Foto: A.S.I. Wirtschaftsberatung AG

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