12. Mai 2014, 10:50
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Die Politik sollte klare Verhältnisse schaffen”

Ulf Kesting, Vorstand der DGbAV – Deutsche Gesellschaft für betriebliche Altersversorgung, spricht im Interview mit Cash.-Online über gesetzliche und betriebliche Hemmnisse in der bAV und seine Ideen, wie die Betriebsrente im Mittelstand eine größere Verbreitung finden kann.

Ulf Kesting, DGbAV

“Die Entgeltumwandlung wird bei niedrigen Einkommen zu selten genutzt, da die Arbeitnehmer sich eine bAV schlicht und einfach nicht leisten können oder wollen.”

Cash.: Es gibt viele Überlegungen, wie die Verbreitung der bAV gefördert werden kann – allerdings kein Patentrezept. Welchen Ansatz halten Sie für besonders sinnvoll?

Kesting: Wenn die Politik ihr Bekenntnis zur betrieblichen Altersversorgung als wichtige Säule der finanziellen Altersabsicherung ernst meint, sollte sie generelle rechtliche Rahmenbedingungen für die Entgeltumwandlung von Mindestlohn, auch über Tarifverträge, schaffen.

Bei tarifvertraglichen Regelungen sollte das Angebot nicht nur auf einen Versorgungsträger begrenzt sein, um durch Nutzung der Marktwirtschaft bestmögliche Angebote für die Arbeitnehmer herausarbeiten zu können.

Im Bereich des Opting-Out sind nach führenden Arbeitsrechtlern noch einige wichtige Details zu regeln, insbesondere bei Tarifverträgen. Auch hier ist der Gesetzgeber gefragt.

Vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen kommt die bAV nicht recht voran. Mit welchen vorrangigen Problemen und Fragen wenden sich die Arbeitgeber an Ihr Haus und wie begegnen Sie diesen?

Die Entgeltumwandlung wird bei niedrigen Einkommen zu selten genutzt, da die Arbeitnehmer sich eine bAV schlicht und einfach nicht leisten können oder wollen. Wir gestalten mit den Arbeitgebern gemeinsam attraktive Matching- oder Zuschusssysteme. Falls gewünscht, optimieren wir auch die Vergütungsstruktur über die Entgeltoptimierung zusammen mit unserer Schwestergesellschaft DGEO.

Viele Geringverdiener fragen sich, ob sich eine bAV überhaupt lohnt, wenn diese auf die Grundsicherung angerechnet wird. Wie bewerten Sie das?

Dass eine Betriebsrente oder auch eine Riester-Rente auf die Grundsicherung angerechnet werden, ist insbesondere bei Entgeltumwandlung unrecht, da das Ansparen für die bAV Konsumverzicht bedeutet und entsprechend losgelöst von den übrigen Bezügen betrachtet werden muss. Die Politik sollte klare Verhältnisse schaffen, dass diese Aufrechnungen wegfallen.

Viele Unternehmen entscheiden sich für eine externe Finanzierung, etwa über eine Direktversicherung. Wie nachhaltig ist dieser Trend?

Dieser Trend ist sehr nachhaltig. Innenfinanzierte Systeme machen bei den derzeit niedrigen Zinsen für Anlagen und Finanzierungen für viele Unternehmen immer weniger Sinn und werden von Wirtschaftsprüfern immer kritischer beurteilt. Externe Systeme der bAV sind bewertungsneutral und wirken außerdem haftungsminimierend für den Arbeitgeber, weshalb sich der Trend durchaus noch verstärken könnte.

Interview: Lorenz Klein

Foto: Inga Sommer

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Carsten Maschmeyer: „Wir wollen, dass der Siegeszug dieser digitalen Erfolgsgeschichte weitergeht“

Der Unternehmer und Ex-AWD-Vorstandsvorsitzender Carsten Maschmeyer ist mit der von ihm gegründeten Venture-Capital-Firma Alstin Capital bei Neodigital eingestiegen. Mit ihm als Partner will sich der digitale Sachversicherer und Dienstleister deutlich breiter aufstellen. Cash.-Redakteur Jörg Droste traf Carsten Maschmeyer und Neodigitalvorstand Stephen Voss und sprach mit ihnen über den Einstieg, ihre Pläne und die Folgen der Coronapandemie für die digitale Transformation und deutschen Versicherungsmarkt.  

mehr ...

Immobilien

Erneuerbare-Energien-Investments statt Immobilien

Die Rendite-Risiko-Schere zwischen Investments in Erneuerbare Energien und Immobilien öffnet sich. „Beide Anlageklassen sind vor allem für institutionelle Investoren eine Alternative zueinander“, sagt Markus W. Voigt, CEO der aream Group. „Während beide ungefähr die gleiche Rendite erwarten lassen, steigt das Risiko bei Immobilien derzeit steil an.“

mehr ...

Investmentfonds

Die Halver-Kolumne: US-Wahl – So viel mehr als nur eine normale Wahl

Der politische Höhepunkt 2020 steht kurz bevor und die Börsen sind nervös. Aufgrund der unterschiedlichen Ausrichtung der US-Präsidentschaftskandidaten kann man getrost von einer Richtungswahl sprechen. Besonders spannend sind die Fragen, ob bzw. wann es einen Sieger gibt, ein knappes Ergebnis überhaupt akzeptiert oder sogar als Wahlbetrug bezeichnet wird. Die Halver-Kolumne

mehr ...

Berater

Alexander Schlichting wird Vorstands-Chef der Project Beteiligungen AG

Der Aufsichtsrat der Project Beteiligungen AG hat Alexander Schlichting (45) mit Wirkung zum 26. Oktober 2020 zum Vorstandsvorsitzenden ernannt. Ottmar Heinen ist “infolge divergierender Ansichten” ausgeschieden. Gleichzeitig verstärkt sich die für den Publikumsvertrieb verantwortliche Project Vermittlungs GmbH mit Christian Grall (34) als weiterem Geschäftsführer.

mehr ...

Sachwertanlagen

Isaria verkauft zwei Wohnanlagen in München an DWS-Spezialfonds

Die Münchner Isaria hat insgesamt 219 Wohnungen für 119,2 Millionen Euro an den Vermögensverwalter DWS für einen institutionellen Spezialfonds veräußert. Das Projekt wird die mittlerweile zur Deutschen Wohnen gehörende Isaria München Projektentwicklungs GmbH im Auftrag der Isaria Wohnbau AG schlüsselfertig erstellen.

mehr ...

Recht

Neue Corona-Maßnahmen: Lockdown 2.0 

Die Bundesländer haben sich einheitlich auf schärfere Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie verständigt. Die beschlossene Light-Variante des Lockdowns – bekannt aus dem Frühjahr – soll bereits ab kommendem Montag in Kraft treten und zunächst bis Ende des Monats gelten. In zwei Wochen werden die Maßnahmen in einer nächsten Bund-Länder-Runde überprüft und bei Bedarf angepasst. Schulen und Kitas bleiben geöffnet. Die Arag hat die neuen Regeln im zusammengefasst.

mehr ...