Anzeige
19. August 2015, 08:56
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Ein Rettungspaket bleibt aus

Ein Unfall oder eine schwere Krankheit können zu Invalidität oder Pflegebedürftigkeit führen. Im Ernstfall würde dies viele Bürger finanziell überfordern – allein zur Absicherung der Arbeitsunfähigkeit fehlen europaweit 750 Milliarden Euro. Der Staat wird die Vorsorgelücke nicht schließen können.

Absicherung der Invalidität: Ein Rettungspaket bleibt aus

Juliane Löffler (links) und Hannah Sütterle, Senior-Analystinnen der Assekurata Solutions GmbH, einem Tochterunternehmen der Rating-Agentur Assekurata, haben ein aktuelles Stimmungsbild vom deutschen Versicherungsvertrieb gezeichnet.

Eine Deckungslücke von 750 Milliarden Euro ist gewaltig – sie entspricht etwa dem zweieinhalbfachen Schuldenstand von Griechenland. Trotzdem käme es wohl keinem Politiker in Europa in den Sinn, diese Lücke, oder sagen wir besser Schlucht, mit dem Geld der europäischen Steuerzahler zuschütten zu wollen. Nein, die Bürger Europas sind ganz allein auf sich gestellt, um diesen Fehlbetrag auszugleichen.

Einkommensersatz von 60 Prozent oftmals unerreicht

Die Rede ist von der privaten Invaliditätsabsicherung: 750 Milliarden Euro wären nach aktuellen Berechnungen des Rückversicherers Swiss Re erforderlich, damit die Menschen in Europa bei Arbeitsunfähigkeit infolge von Krankheit oder Unfall zufriedenstellend versorgt wären.

Die Studienmacher von Swiss Re gehen davon aus, dass die Menschen im Falle einer Invalidität einen Einkommensersatz von 60 Prozent benötigen würden. Allerdings decke der Einkommensersatz bei den meisten Menschen derzeit kaum 40 Prozent ab, geben die Autoren des “European Insurance Report 2015” zu bedenken. Die Studie basiert auf einer Umfrage unter 13.000 Personen in zwölf europäischen Ländern und Israel. Sie sollte ergründen, welche Lebens- und Krankenversicherungsprodukte die Menschen abgeschlossen haben und wo Lücken in ihrem Versicherungsschutz bestehen.

“Obwohl sich die Befragten der möglichen finanziellen Folgen einer plötzlichen Invalidität oder Krankheit bewusst waren, gibt es noch viele Menschen ohne ausreichenden Versicherungsschutz, die auf staatliche Leistungen angewiesen sind”, sagt Bruce Hodkinson, European Head of Life and Health Reinsurance von Swiss Re. Hodkinson und sein Team befürchten, dass selbst der mit Mühe und Not erreichte Versorgungsgrad von 40 Prozent in Zukunft nicht mehr aufrecht zu erhalten ist. “Aufgrund des stetigen Abbaus der staatlichen Sozialleistungen dürfte dieser Wert in Zukunft weiter sinken”, prognostizieren die Analysten des Schweizer Rückversicherers.

Versicherungswirtschaft soll Rückzug des Sozialstaates abfedern

So kürzten viele Staaten ihre Sozial-Etats, da die alternde Bevölkerung und die steigenden Gesundheitskosten eine enorme Belastung für die Staatshaushalte darstellten. Die Autoren erhoffen sich nun von der Versicherungswirtschaft, den Rückzug des Sozialstaates abzufedern. Es liege an ihr, “die Verlagerung von der staatlichen Fürsorge hin zur individuellen Verantwortung zu unterstützen”, so die Forderung.

Insbesondere an die Versicherer in Deutschland dürften die Schweizer Marktbeobachter dabei gedacht haben. Denn laut Insurance Report gehört die Bundesrepublik zusammen mit Italien, Großbritannien, Irland und Polen zu den Ländern mit einem vergleichsweise großen Absicherungsbedarf (siehe Grafik).

Absicherung der Invalidität: Ein Rettungspaket bleibt aus

Deutschland gehört zusammen mit Italien, Großbritannien, Irland und Polen zu den Ländern, in denen ein vergleichsweiser großer Absicherungsbedarf besteht.

Um die Einkommenslücke von hierzulande gut 20 Prozent zu schließen, ist harte Beratungsarbeit seitens der Versicherungswirtschaft zu leisten, denn welcher Bürger wird sich nach Feierabend sagen: “Ich muss noch Brot und Milch kaufen – und natürlich eine Police, die mein Einkommen absichert, falls ich arbeitsunfähig werden sollte”.

Seite zwei: Vorekrankungen stehen einem BU-Abschluss häufig entgegen

Weiter lesen: 1 2 3

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 5/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Europäische Aktien – Schwellenländer – digitaler Wandel – Neue Vertriebsregeln

Ab dem 27. April im Handel.

Rendite+ 1/2017 "Sachwertanlagen"

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Hitliste der Produktanbieter – Top Five der Segmente – Immobilienmarkt

Versicherungen

Zahl der gesunden Lebensjahre steigt

Die Deutschen verbringen einen immer größeren Teil ihres Lebens bei guter Gesundheit. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Berechnung des Demografen Roland Rau für die GDV-Initiative “7 Jahre länger”. Zwischen 2005 und 2013 haben demnach 65-jährige Frauen weitere 2,8 gesunde Lebensjahre hinzugewonnen. Ihre Lebenserwartung stieg in der Zeit um 0,6 Jahre.

mehr ...

Immobilien

ZIA: Senkung der Grunderwerbsteuer wäre beste Eigenheimförderung

Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) fordert, die Grunderwerbssteuer zu senken. Bei der Förderung von Wohneigentum sollte die Regierung nicht auf Zuschüsse sondern auf Steuersenkungen setzen.

mehr ...

Investmentfonds

Veränderung bei der Aktionärsstruktur von Mainfirst

Beim Frankfurter Vermögensverwalter Mainfirst hat es deutliche Veränderungen im Kreis der Eigentümer gegeben. Bei der Gesellschaft, wo derzeit rund 180 Mitarbeiter angestellt sind, gibt es zukünftig einen sehr starken Aktionär aus der Schweiz.

mehr ...

Berater

Internetmarketing: “Makler müssen Online-Servicepunkte bieten”

Jan Helmut Hönle, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Hönle.training, ist Experte für Internetmarketing und Online-Beratung. Im Gespräch mit Cash. erläutert er, wie Makler im Internet Kunden gewinnen können.

mehr ...

Sachwertanlagen

Schiffsfonds: Vom Boomsegment zur Marktnische

Vor nur zehn Jahren waren Schiffsfonds das zweitstärkste Segment der Sachwertbranche. Dies erscheint aus heutiger Sicht fast schon utopisch. Etliche Fonds sind gescheitert. Umso erstaunlicher ist, dass sich erstmals wieder ein Anbieter auf den Markt wagt.

mehr ...

Recht

Maklervertrag: Diese zwölf AGB-Klauseln sind tabu

Ein Versicherungsnehmer hatte gegen seinen Versicherungsmakler geklagt, nachdem dieser ihm eine Rechnung wegen Provisionsverlust stellen wollte und auf seine AGB verwies. Bei einer genaueren Prüfung der AGB fanden die Richter insgesamt zwölf ungültige Klauseln.

mehr ...