Anzeige
Anzeige
17. September 2015, 15:17
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Kapitalanlage: “Mut ohne Weisheit führt ins Verderben”

Der Kapitalmarktexperte Lutz Morjan, Head of Insurance Solutions bei NN Investment Partners, sagt im Interview mit Cash., welche Optionen, die Versicherer in der Niedrigzinsphase haben und erklärt, warum die Kapitalanlage stärker in den Mittelpunkt von Unternehmensentscheidungen treten wird.

Kapitalanlage: Mut ohne Weisheit wird ins Verderben führen

“Durch Marktwertorientierung haben Versicherungsvorstände mit einem hohen Maß an Unsicherheit zu kämpfen. Die Herausforderung ist nun, die Kapitalanlage besser an die neuen Bewertungsmethoden der Verpflichtungen auszurichten.”

Eine Studie der Bundesbank sorgte kürzlich für Wirbel, weil sie zu dem Schluss kommt, dass nicht nur die Niedrigzinsphase eine Gefahr für die Lebensversicherer darstellt, sondern auch ein plötzlicher Zinsanstieg. Für wie realistisch schätzen Sie dieses Risiko ein?

Morjan: Das ist kein unrealistisches Szenario. Nach meinem Eindruck sind sich die deutschen Versicherer aber über ein solches Risiko durchaus im Klaren. Die finanzielle Situation eines Versicherers ist von einer Vielzahl von Aspekten abhängig, die häufig nicht vom Unternehmen beeinflussbar sind.

An welche Aspekte denken Sie dabei?

Wie entwickelt sich die Demographie und Sterblichkeit meines Versicherungsbestandes? Wieviel Rendite werde ich in Zukunft auf meine Kapitalanlage erzielen können? Wie werden meine Kunden auf diese Renditeentwicklungen reagieren? Das entscheidet darüber, ob die Kunden dem Unternehmen treu bleiben oder Verträge kündigen. In der Summe spiegeln sich all diese Aspekte in der zukünftigen Cash Flow-Entwicklung der Versicherer wider, die sich nicht immer genau abschätzen lässt. Versicherer sind spezialisiert darauf, diese Unsicherheiten abzuwägen und das Unternehmen strategisch so auszurichten, dass es auf stabilen Füßen steht.

In einem Interview merkten Sie jüngst kritisch an, dass viele Lebensversicherer sehr hohe Geldsummen mit sehr wenigen Leuten verwalten. Welche Verbesserungen sollte die Assekuranz im Kapitalanlagemanagement anstreben?

Die Kapitalanlage wird stärker in den Mittelpunkt von Unternehmensentscheidungen treten, weil sie ganz wesentlich die finanzielle Sicherheit des Unternehmens beeinflusst. Im Fachjargon sprechen wir von Solvabilität. Historisch – also vor Solvency II – haben wir eine hohe Konzentration der Kapitalanlage auf wenige Assetklassen wie Staatsanleihen und Schuldscheindarlehen gesehen, die kostenoptimiert bis zur Endfälligkeit gehalten wurden. Die Bilanz einer Versicherung war sehr stabil und gut planbar. Mit der Einführung von Solvency II ändern sich die Bewertungsparameter fundamental.

Wie wirkt sich dies auf die Unternehmen aus?

Durch Marktwertorientierung haben Versicherungsvorstände mit einem hohen Maß an Unsicherheit zu kämpfen. Die Herausforderung ist nun, die Kapitalanlage besser an die neuen Bewertungsmethoden der Verpflichtungen auszurichten. Ein Thema dabei ist die Duration der Anlagen, also welche Lücke ich akzeptiere zwischen Vermögen und Verbindlichkeiten.

Andere Aspekte sind Wiederanlagerisiken und Performancerisiken. Diese Aspekte werden zwangsläufig zu einer stärkeren zeitlichen Diversifikation von Kapitalanlage-Cash Flows führen, also zu weniger zeitlicher Konzentration der Endfälligkeiten in der Kapitalanlage.

Seite zwei: “Mut ohne unternehmerische Weisheit wird ins Verderben führen”

Weiter lesen: 1 2

Anzeige
Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 12/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Reform der Betriebsrente – VV-Fonds – Crowdinvesting – Maklerpools

Ab dem 23. November im Handel.

Cash.Special 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Herausforderungen 2018 – bAV-Reform – Elementarschadenversicherung – Digitale Geschäftsmodelle

Ab dem 24. Oktober im Handel.

Versicherungen

CDU-Vize Laschet lehnt Bürgerversicherung ab

CDU-Bundesvize Armin Laschet hat einer Bürgerversicherung eine Absage erteilt. Auch das Wissenschaftliche Institut der PKV (WIP) meldete sich zur Wort und bezeichnete die Diskussion um unterschiedliche Wartezeiten für privat und gesetzlich Versicherte als “Phantomdebatte”. 

mehr ...

Immobilien

Bundesverfassungsgericht soll Mietpreisbremse prüfen

Das Berliner Landgericht will die Mietpreisbremse vom Bundesverfassungsgericht überprüfen lassen. Die 67. Zivilkammer des Gerichts hatte bereits im September erklärt, das Gesetz für nicht verfassungsgemäß zu halten. Nun legt die Kammer diese Frage in einem anderen Mietstreit den Karlsruher Richtern vor.

mehr ...

Investmentfonds

Axel Springer gründet Medien-Start-ups-Fonds mit Martin Varsavsky

Der Axel Springer Verlag gründet einen Fonds, der sich an Start-ups aus der Medienbranche beteiligen will. Unterstützung bekommt Springer dabei von Martin Varsavsky, der seit 2014 im Aufsichtsrat des Verlages sitzt.

mehr ...

Berater

VÖB: Kompromiss bei Kapitalregeln zum Nachteil deutscher Banken

Der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) glaubt, dass die Einigung auf schärfere Kapitalregeln (“Basel III”) sich nachteilig für deutsche Institute auswirken wird. Viele Banken hätten schon jetzt Schwierigkeiten, ertragreich zu wirtschaften.

mehr ...

Sachwertanlagen

BaFin warnt vor weiterem Pseudo-Finanzdienstleister

Die Finanzaufsicht BaFin weist erneut auf ein Unternehmen hin, das über keine Erlaubnis nach dem Kreditwesengesetz (KWG) verfügt. In diesem Fall hatte der Finanzdienstleister dreist das Gegenteil behauptet.

mehr ...

Recht

Wie Patchwork-Familien am besten für den Notfall vorsorgen

Patchwork-Familien sind heute gang und gäbe. Da deutsche Gesetze jedoch häufig noch auf dem traditionellen Familienbild basieren, ist es für diesen Familien-Typus umso wichtiger, eigenständig Vorkehrungen für Ernstfälle zu treffen.

Gastbeitrag von Margit Winkler, Institut Generationenberatung

mehr ...