„Schutz ohne Risikoprüfung nicht darstellbar“

Michael Schillinger, Vertriebsvorstand der Inter Versicherungsgruppe, spricht im Cash.-Interview über den Markt für Zusatztarife in Deutschland und erklärt, warum er dem Verzicht auf Gesundheitsfragen, anders als viele Makler, kritisch gegenübersteht.

Michael Schillinger: „Wir teilen die Auffassung der Makler und ihre Präferenz für Einzelversicherungen seit Jahren.“

Cash.: Im Geschäftsjahr 2013 ging die Anzahl der bei der Inter krankenzusatzversicherten Personen leicht um 0,6 Prozent auf 221.304 zurück. Wie beurteilen Sie die Geschäftsentwicklung in 2014 und die weitere Entwicklung im laufenden Jahr?

Schillinger: Lassen Sie mich zunächst einmal sagen, dass wir uns bei der Inter über ein erfolgreiches Jahr 2014 freuen. Unser Inter QualiMed Z überzeugt die Kunden. Im letzten Jahr konnten wir die Monatsbeiträge sogar um 80 Prozent steigern. Das ist unglaublich, und es bestätigt einen Trend in der Versicherungsbranche: Immer mehr Menschen entscheiden sich heute für eine Zusatzversicherung.

Vor allem die Zahntarife sind begehrt. Jeder weiß, dass Zahnersatz teuer ist und die gesetzliche Krankenversicherung nur einen Bruchteil der Kosten übernimmt. Deshalb sichern sich mittlerweile fast 14 Millionen Deutsche über eine Zahnzusatzversicherung ab; hier sehen wir weiter großes Potenzial.

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Dem „Makler-Absatzbarometer“ des Marktforschungsunternehmens YouGov zufolge ist vielen Maklern bei der Produktempfehlung wichtig, dass die Zusatztarife eine volle Kostenübernahme gewähren und bei Vertragsabschluss auf Gesundheitsfragen verzichten. Wie gehen Sie mit diesen Forderungen um?

Nun, wir müssen hier differenzieren. Mit dem Inter QualiMed Z Basis bieten wir unseren Kunden eine Grundabsicherung in den Bereichen ambulant, stationär und Zahn an – und zwar ohne Risikoprüfung. Einen darüber hinausgehenden Schutz ohne Risikoprüfung anzubieten, halte ich allerdings für nicht darstellbar.

Warum ist das so?

Nehmen wir einmal an: Ein Versicherer verzichtet auf jegliche Gesundheitsfragen und verspricht dennoch eine umfängliche Kostenübernahme. Wie soll das bei einem Qualitäts-Versicherungsschutz auf höchstem Niveau, der Leistungen für beispielsweise teure Zahnimplantate beinhaltet, realistisch kalkulierbar sein?

Diese Leistungen müssten nach dem Äquivalenzprinzip in den Beitrag einfließen und würden diesen in unbezahlbare Höhen treiben. Verlassen wir dieses rein theoretische Gedankenspiel und stellen schlicht und ergreifend fest: Mit „Versicherung“ hätte dies nichts mehr zu tun.

Bei der Frage Pakettarif versus Einzelversicherung ergab die Studie zudem, dass die Präferenz der Makler klar in Richtung Einzelversicherung geht. Inwieweit haben Sie dies bei Ihren Produkten berücksichtigt?

Das Ergebnis der Studie hat uns nicht überrascht. Im Gegenteil: Wir teilen die Auffassung der Makler und ihre Präferenz für Einzelversicherungen seit Jahren. Unsere Inter QualiMed-Produkte überzeugen deshalb durch das
flexible Dreistufenmodell, in dem der Kunde seinen persönlichen Bedarf absichern und bei bestimmten Konstellationen seine Vollversicherung sogar ohne Gesundheitsprüfung aufwerten kann.

Interview: Lorenz Klein

Foto: Inter

Im zweiten Teil des Interviews sagt Michael Schillinger, welche Differenzierungspotenziale der Markt für Zusatzversicherungen noch bietet und ob die zunehmende Digitaliserung Fluch oder Segen für die Branche ist.

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