Anzeige
8. Juni 2016, 18:04
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Auf verschlungenen Wegen

Unter fünf unterschiedlichen Durchführungswegen können Unternehmen in der betrieblichen Altersversorgung wählen – doch nicht jeder dieser Wege führt am Ende auch zu einer passgenauen Betriebsrente. Die Vor- und Nachteile jeweils im Überblick. Gastbeitrag von Dr. Paulgerd Kolvenbach, Geschäftsführer von Longial, Düsseldorf.

 in Auf verschlungenen Wegen

Kolvenbach: “Zunächst ist zu klären, welches Ziel das Unternehmen mit der Einführung der betrieblichen Altersvorsorge verfolgt.”

Die betriebliche Altersversorgung (bAV) gehört für die Deutschen laut Gfk-Studie zu den sichersten Anlageformen. Unternehmer fürchten dagegen deren vermeintliche Komplexität. Die beginnt schon bei der Wahl des Durchführungsweges.

Es gibt fünf Formen, in denen eine bAV durchgeführt werden kann: Direktversicherung, Pensionskasse, Direktzusage (auch Pensionszusage genannt) sowie Unterstützungskasse und Pensionsfonds. Die Entscheidung trifft der Arbeitgeber. Bei kleineren Unternehmen häufig nach dem einfachen Schema: Für Arbeitnehmer die Direktversicherung, für Geschäftsführer die Direktzusage.

Ziel vor Durchführungsweg festlegen

Sich bei der Einführung einer bAV als Erstes auf den Durchführungsweg festzulegen, ist aber der falsche Ansatz. Eine schnell übergestülpte Standardlösung kann sich alsbald in unerwünschter
Bilanzbelastung, erhöhtem Aufwand oder unzufriedenen beziehungsweise nicht zusätzlich motivierten Mitarbeitern auswirken.

Stattdessen sollte das Unternehmen erst klären, welches Ziel es mit Einführung der Betriebsrente verfolgt: Möchte es nur den Rechtsanspruch der Arbeitnehmer auf eine Entgeltumwandlung erfüllen oder mit der Betriebsrente die Mitarbeiterbindung fördern?

Wie sieht die Gehaltsstruktur aus, über welche finanziellen Mittel verfügt die Firma? Daher gehört zu einer Beschreibung der Durchführungswege auch ein Blick auf die Auswirkungen des jeweiligen bAV Modells auf die Unternehmen.

1. Direktversicherung – Rechtsanspruch des Arbeitnehmers erfüllt

Den Rechtsanspruch der Belegschaft auf eine Entgeltumwandlung erfüllt der Arbeitgeber mit einer Direktversicherung. Daher gehört dieser Durchführungsweg mit über 80 Prozent zu dem am häufigsten genutzten Format in deutschen Unternehmen.

Bei dieser Betriebsrentenform werden Beiträge in eine Lebensversicherung eingezahlt, die daraus sowie aus den Gewinnen die Leistung erwirtschaftet. Der Arbeitnehmer erhält damit den Anspruch auf eine spätere Rentenleistung aus der Versicherung.

Die Beiträge trägt entweder der Arbeitgeber allein oder er teilt sich die Aufwände mit dem Arbeitnehmer. Auch die alleinige Übernahme der Kosten durch eine Entgeltumwandlung des Arbeitnehmers ist möglich. Die Beiträge sind steuer- und sozialabgabenfrei bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung (Beitragsbemessungsgrenze Stand 1. Januar 2016: West: 74.400 Euro per annum., Ost: 64.800 Euro per annum), zuzüglich einem steuerfreien Jahresbeitrag von 1.800 Euro.

Scheidet der Mitarbeiter vor Rentenbeginn aus dem Unternehmen aus, kann er die Direktversicherung zum neuen Arbeitgeber mitnehmen oder privat fortführen. Da der Verwaltungsaufwand für den Arbeitgeber relativ gering ist, eignet sich diese bAV Variante auch für kleinere und mittlere Firmen. Zudem wirken sich die Kosten allein in der Gewinn- und Verlustrechnung, nicht aber in der Unternehmensbilanz aus.

Seite zwei: Kritikpunkt Doppelverbeitragung

Weiter lesen: 1 2 3

Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

3 Kommentare

  1. http://mediathek.daserste.de/Plusminus/Die-Sendung-vom-18-Mai-2016/Das-Erste/Video?documentId=35434242&topRessort&bcastId=432744

    Kommentar von Ingrid Wulff — 9. Juni 2016 @ 21:58

  2. Auch Sie kennen anscheinen nicht die alte Form der Direktversicherung (3. Säule private Vorsorge). Allein Arbeitnehmer finanziert, voll Sozialversicherungspflichtig, ohne Versorungszusage, ohne Rentenwahlrecht. Auch diese Alten Verträge wurden ohne Bestandsschutz von Ulla Schmidt und Horst Seehofer mit den neuen Verträgen gleichgestellt und sind jetzt zum 3. bzw. 4 Mal mit Krankenkassen- und Pflegegeldbeiträgen belegt. Das Vertrauen in die Politik ist zerstört. Wir zahlen uns jetzt selbst eine Rente!

    Kommentar von Ingrid Wulff — 9. Juni 2016 @ 21:57

  3. Mal Hand auf´s Herz, FÜNF ! verschiedene Durchführungswege in der BAV, etliche Riestervarianten und Privatvorsorgemöglichkeiten, gepaart mit Politikern, die ständig Unsinn erzählen und unzähligen Maklern, Beratern, Verkäufern, die kaum einen blassen Dunst von der Materie haben: Was soll der “normale” Arbeitnehmer denn nun fundiert entscheiden können ?

    Kommentar von Nils Fischer — 9. Juni 2016 @ 10:11

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 05/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Arbeitskraftabsicherung – Private Equity – Büroflächenmangel – Datenschutz

Rendite+ 1/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Marktreport Sachwertanlagen – Windkraft – Vermögensanlagen – Bitcoin & Co.

Ab dem 22. März im Handel.

Versicherungen

Roland bringt neues Rechtsschutz-Produkt

Roland Rechtsschutz hat ein neues Produkt für die telefonische Rechtsberatung, Mediation und Konfliktlösungsunterstützung entwickelt.

mehr ...

Immobilien

Deutsche wollen smarter wohnen

Das Smart Home gilt seit einigen Jahren als der Standard von morgen. Eine Deloitte-Studie zeigt: Das Interesse an diesen Anwendungen ist groß, der Datenschutz bleibt jedoch ein wichtiges Thema. Immerhin 13 Prozent der Haushalte verfügen bereits über einen intelligenten Lautsprecher. Bei der Art der bevorzugten Smart-Home-Lösungen gibt es zudem Unterschiede zwischen den Altersgruppen.

mehr ...

Investmentfonds

Überraschend guter Start für UBS

Die Großbank UBS hat zu Jahresbeginn mehr verdient als erwartet. Das lag unter anderem an der Handelspolitik des US-Präsidenten Donald Trump. Doch das Management der Bank warnte vor überzogenen Erwartungen an das restliche Jahr.

mehr ...

Berater

Deutsche Bank überweist 28 Milliarden Euro aus Versehen

Bei der Deutschen Bank knirscht es derzeit nicht nur in der Vorstandsetage. Im täglichen Geschäft hat das größte deutsche Geldhaus vor Ostern aus Versehen 28 Milliarden Euro überwiesen, wie ein Unternehmenssprecher am Freitag in Frankfurt bestätigte – das ist mehr als die gesamte Bank derzeit an der Börse wert ist.

mehr ...

Sachwertanlagen

P&R: War es wirklich eine Sachwertanlage?

Der erste Bericht der Insolvenzverwalter der drei insolventen Unternehmen der P&R-Gruppe wirft einige grundlegende Fragen auf. Der Löwer-Kommentar

mehr ...

Recht

Bürgschaften sind keine nachträglichen Anschaffungen

Wird ein Gesellschafter im Insolvenzverfahren als Bürge für Verbindlichkeiten der Gesellschaft in Anspruch genommen, so kann er dies nicht mehr als nachträgliche Anschaffungskosten werten und somit auch nicht mehr steuermindernd geltend machen. Dies entschied der Bundesfinanzhof (BFH) in einem aktuellen Urteil (Aktenzeichen: IX R 36/15). Gastbeitrag von Holger Witteler, Kanzlei Husemann, Eickhoff, Salmen & Partner

mehr ...