27. September 2016, 16:14
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Rentenreform: Unternehmen sollen Renten nicht mehr garantieren müssen

Erleichterung für Unternehmen: Die Betriebsrente muss künftig nicht mehr in allen Fällen in einer bestimmten Höhe garantiert werden, die reine Beitragszusage kann reichen. Der Wegfall von Rentengarantien soll den Betriebsrenten in Deutschland neuen Schub geben.

Private-Altersvorsorge-Reserven in Rentenreform: Unternehmen sollen Renten nicht mehr garantieren müssen

Für die betriebliche Altersvorsorge sollen künftig für Unternehmen vereinfachte Voraussetzungen gelten.

Auch neue Zuschüsse und eine höhere Steuerförderung sind geplant. Das sind Kernpunkte von Gesetzesplänen zur Stärkung der Betriebsrenten in Deutschland, wie Teilnehmer einer Spitzenrunde am Dienstag in Berlin der Deutschen Presse-Agentur sagten. Bei dem Treffen von Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit Arbeitgebern und Gewerkschaften wurde das Reformprojekt beraten.

Unternehmen sollen Betriebsrenten künftig nicht mehr in einer bestimmten Höhe garantieren müssen. Stattdessen soll eine reine Beitragszusage reichen, wenn sich Arbeitgeber und Gewerkschaften in Tarifverträgen auf Modelle der betrieblichen Altersvorsorge einigen.

Pläne zur Stärkung der Betriebsrenten

Das Reformprojekt wurde am Dienstag in Berlin in einer Spitzenrunde mit Sozialministerin Nahles, Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), den Arbeitgebern und Gewerkschaften beraten. Nahles kündigte einen Gesetzesvorschlag in den nächsten beiden Wochen an, wie Teilnehmer berichteten.

Eine Sprecherin des Sozialministeriums sagte: Schäuble und Nahles hätten “einen ausreichenden Konsens” für einen gemeinsamen Gesetzentwurf erzielt. Dieser werde zügig ausgearbeitet. Parallel dazu bereitet Nahles derzeit ein Gesamtkonzept zur Rente vor. Bei der gesetzlichen Rente will sie Haltelinien gegen das Absinken des Rentenniveau einziehen.

DGB fordert zusätzlichen Sicherungsbeitrag von Arbeitgebern

60 Prozent der Arbeitnehmer nehmen an der bAV teil – die Quote stagniert seit Jahren, viele haben nur kleine Anwartschaften. Neue Erfolge bei der Betriebsrente könnten auch den Druck auf die gesetzliche Rente mindern. Die meisten der 16 Millionen Riester-Verträge und 15 Millionen zugesagten Betriebsrenten reichen heute nicht aus, um die wachsende Rentenlücke zu stopfen.

Dass die Firmen nicht mehr unbedingt für die Rentenzahlung haften müssen, war eine Forderung der Wirtschaft – die Verankerung von Betriebsrenten in Tarifverträgen ein Gewerkschaftsanliegen. Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften fordern zudem, dass die Arbeitgeber im Gegenzug zur Enthaftung einen zusätzlichen Sicherungsbeitrag leisten. Dafür solle es eine steuerliche Entlastung geben.

Betriebsrenten von Geringverdienern steuerlich bezuschusst 

Auch andere Schritte sind vorgesehen: So sollen Betriebsrenten von Geringverdienern steuerlich bezuschusst werden – diskutiert wurde dem Vernehmen nach, ab welcher Höhe dies gelten soll. Es zeichne sich demnach eine Einkommensgrenze von 2000 Euro ab, hieß es von einer Seite. Andere forderten eine höhere Grenze. Bis zu einer Grenze von 480 Euro Beitrag im Jahr könnten Arbeitgeber demnach 30 Prozent über die Lohnsteuer zurückbekommen. Zudem ist eine Anhebung der Steuervorteile angepeilt.

Wer Riester und bAV kombiniert, soll künftig zudem bei den Sozialbeiträgen verschont werden: Für viele ist die Pflicht zu Krankenkassen- und Pflegebeiträge zum vollen Beitragssatz bei der bAV-Auszahlung heute ein Hemmnis für den Abschluss solcher Verträge.

Steigender Attraktivität von Betriebsrenten bei Niedrigverdienern soll noch eine weitere Änderung dienen. Denn gesetzliche, private und betriebliche Rente werden heute auf die Grundsicherung angerechnet. Erwogen wird, das nicht mehr hundertprozentig zu machen. Nicht zur Sprache sind demnach bei dem Treffen Ideen gekommen, die Verbindlichkeit zu stärken. Erwogen wird, dass Arbeitgeber bAV anbieten müssen – und Arbeitnehmer widersprechen können (opt out). (dpa-AFX)

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Laubrinus: “Digitalisierung? Ja, bitte!”

Jörg Laubrinus, Vertriebscoach und Geschäftsführer der Mission Freiheit GmbH, sprach auf dem 2. Digital Day, veranstaltet von Cash., darüber, wie er sich der Digitalisierung stellen wollte. Pragmatisch, unterhaltsam und lebensnah schilderte der Unternehmer aus Leidenschaft, welche Gedanken ihn bewegt haben, was ihm widerfahren ist – und wie er seine Lösung gefunden hat. Der Vortrag als Film

mehr ...

Immobilien

Nachhaltige Finanzen: EU-Taxonomie schießt über das Ziel hinaus

Medienberichten zufolge haben sich Vertreter des Europäischen Parlaments und des unter der finnischen Ratspräsidentschaft stehenden Rates der Europäischen Union auf eine Taxonomie-Verordnung geeinigt, wonach allgemein verbindlich festgelegt wird, welche Investments in der EU als nachhaltig gelten. Der Kompromiss umfasst einige bisher äußerst kontrovers diskutierte Punkte.

mehr ...

Investmentfonds

Anteil fauler Kredite steigt in Deutschland

Als notleidende beziehungsweise faule Kredite werden Darlehen bezeichnet, deren Rückzahlung mehr als 90 Tage in Verzug sind. In Europa summieren sich entsprechende Kredite aktuell auf ein Volumen von 562 Milliarden Euro. In Deutschland ist der Anteil zuletzt gestiegen.

mehr ...

Berater

Steuerfalle Gemeinschaftskonto

Eheleute nehmen tagtäglich untereinander Vermögensverschiebungen vor. Ein Ehegatte zahlt beispielsweise den Kredit einer gemeinsam erworbenen, vermieteten Immobilie alleine ab oder nur ein Ehegatte nimmt Einzahlungen auf ein Gemeinschaftskonto vor. Kaum ein Ehegatte ist sich allerdings bewusst, dass z.B. die Auszahlung seiner Lebensversicherung oder des Gewinns aus einem Unternehmensverkauf auf ein Gemeinschaftskonto steuerlich gesehen eine Schenkung an den anderen Ehegatten darstellt.

mehr ...

Sachwertanlagen

Primus Valor schließt Fonds 9 mit 100 Millionen Euro Anlegergeld

Der Asset Manager Primus Valor hat den Publikums-AIF ImmoChance Deutschland 9 Renovation (ICD 9 R+) nach mehreren Erhöhungen des Zielvolumens mit dem maximal möglichen Eigenkapital geschlossen. Der Schluss-Spurt verlief rasant.

mehr ...

Recht

Neue Musterklage gegen Doppelbesteuerung bei Renten

Der Bund der Steuerzahler (BdSt) unterstützt die Klage eines Ruheständlers gegen die Zweifachbesteuerung von Renten. Von dieser Musterklage profitieren auch andere Senioren, die nun nicht selbst klagen müssen.

mehr ...