23. September 2016, 11:30
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Renten-Reparaturkolonnen: Das gefährliche Schrauben am Rentenniveau

Immer mehr Stimmen werden laut, die Agenda 2010 zurückzudrehen. Doch das Schrauben am Rentenniveau ist nicht ungefährlich.

Die Weirich-Kolumne

Renten-Reparaturkolonnen: Das gefährliche Schrauben am Rentenniveau

Professor Dieter Weirich, Sprecher des Deutschen Instituts fuer Altersvorsorge (DIA), vor dem Reichstag, dem Sitz des deutschen Bundestags in Berlin, (12.09.12).

Während der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder von der Ludwig-Erhard-Stiftung den Ludwig Erhard-Preis für Wirtschaftspublizistik für seine Agenda 2010 erhält und von seinem politischen Gegner, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, ausdrücklich für die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gelobt wird, sind ganze Reparaturkolonnen in seiner eigenen Partei und bei den Gewerkschaften unterwegs, um das ungeliebte Reformwerk zurückzudrehen.

Der einstige Regierungschef machte bei der Preisverleihung auch kein Hehl daraus, dass er die jetzige Regierungspolitik, vor allem auch bei der Altersvorsorge, kritisch sieht. Die Rente mit 63 nach 45 Versicherungsjahren hält er für falsch, bei der von der rot-grünen Koalition einst durchgesetzten Rente mit 67 will er festhalten, Steigerungen des Renteneintrittrsalters kann er sich angesichts der demographischen Entwicklung vorstellen und mehr Flexibilität beim Übergang in den Ruhestand sieht er als wünschenswert an. Die Große Koalition hat nach Schröders Empfindung eine Reformpause eingelegt, politisches Biedermeier bestimme die Szene, angesichts der großen Herausforderungen durch die Globalisierung sei diese Linie gefährlich.

Wirkungslose Gardinenpredigt

Schröders Gardinenpredigt dürfte nicht nur wirkungslos bleiben, sie ermuntert viele seiner Genossen zu sozialromantischem roll-back. Unterstützt von der Gewerkschaftskampagne für einen Kurswechsel in der Rentenpolitik und einer Stabilisierung des gesetzlichen Rentenniveaus wird eine Abkehr von den Rentendämpfungsgesetzen der Agenda 2010 eingeleitet. Die drohende Altersarmut sei eine “tickende Zeitbombe” heißt es.

Verwiesen wird auf Berechnungen des DGB. Ohne Umsteuern würde ein Beschäftigter des Jahrgangs 1963 mit einem Einkommen von 2500 Euro brutto 2040 nur eine Rente von 800 Euro bekommen, womit er seinen Lebensstandard nicht sichern könne. Auch mit privater Vorsorge könne er die Lücke nicht schließen, weshalb das Sicherungsniveau langfristig sogar wieder erhöht werden müsse. Von jüngeren Arbeitnehmern, die höhere Beiträge zahlen müssten und in den Sozialabgaben zu ersticken drohten ist nicht die Rede, auch nicht von den Konsequenzen für die Lohnnebenkosten.

Seite zwei: Im November Gesamtkonzept

Weiter lesen: 1 2 3

1 Kommentar

  1. Sollte nicht innerhalb kürzester Zeit in der Rentenpolitik umgesteuert werden, wird dieses Monstrum wie ein Schiff im Sturm auf hoher See, auf Grund laufen. Die bisher vorgenommenen Änderungen, können das Rentenschiff auf Dauer nicht retten. Ohne ganz erhebliche Eingriffe, werden nachfolgende Generationen nicht von ihrer Rente, ein auskömmliches Leben führen können. Fakt ist, dass als Erstes, eine nicht unerhebliche Verlängerung der Lebensarbeitszeit Grundvoraussetzung ist, da bekanntlich das Lebensalter auch entsprechend steigt. Gleichzeitig sollte jeder arbeitsfähige Mensch nach Möglichkeit, eine weitere private Altersvorsorge einplanen. Das Leben in der Rente kann nur entspannt sein, mit einer finanziellen Absicherung.

    Kommentar von Eugen Klaholz — 26. September 2016 @ 10:03

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Interne Qualitätsoffensive bei FiNUM.Finanzhaus

Bereits vor mehr als fünf Jahren der ging Finanzvertrieb FiNUM.Finanzhaus an den Start. Die Tochter der JDC Group AG bringt ihre Berater in der internen Wissensschmiede FiNUM.Akademie auf den neuesten Stand hinsichtlich Anlage- und Vorsorgeprodukte sowie regulatorischer Erfordernisse.

mehr ...

Immobilien

Wann für das selbstgenutzte Familienheim keine Erbschaftssteuer anfällt

Kinder können das Familienheim steuerfrei erben, wenn sie innerhalb von sechs Monaten nach dem Erbfall selbst einziehen. Nur in besonders gelagerten Fällen kann dieser Zeitraum verlängert werden, entschied der Bundesfinanzhof in seinem Urteil vom 28.5.2019.

mehr ...

Investmentfonds

Nervenkrieg um den Brexit geht weiter

Das Brexit-Drama geht abermals in die Verlängerung. Das britische Unterhaus verschob am Samstag die Entscheidung über das neue EU-Austrittsabkommen und fügte damit Premierminister Boris Johnson eine weitere empfindliche Niederlage zu. Nun ist Johnson eigentlich gesetzlich verpflichtet, bei der Europäischen Union eine Verschiebung des für 31. Oktober geplanten EU-Austritts zu beantragen. Und trotzdem will Johnson versuchen, den Termin noch zu halten.

mehr ...

Berater

Mehr Power für den Finanzvertrieb

Mit einer neuen IT-Lösung will die Inveda.net GmbH das Redaktionssystem mit dem Maklerportal vereinen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Bundestag verabschiedet Reform der Grundsteuer

Der Bundestag hat am Freitag nach langem Ringen mit den Ländern Neuregelungen bei der Grundsteuer verabschiedet. Das Parlament stimmte außerdem einer Änderung des Grundgesetzes zu, damit Länder eigene Regelungen entwickeln können.

mehr ...

Recht

P&R: Weitere Anlegerklage gegen den Vertrieb abgewiesen

Ein Vertrieb, der Container der inzwischen insolventen P&R-Gruppe an eine Anlegerin verkauft hatte, hat seine Pflicht zur Plausibilitätsprüfung nicht verletzt. Das geht aus einem weiteren klageabweisenden Urteil hervor, das die Kanzlei Dr. Roller & Partner aus München erstritten hat.

mehr ...