28. Oktober 2016, 14:30
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Riester-Rente: Zeit für einen Reload

Durchgeführt wurden diese Untersuchungen von Prof. Dr. Olaf Stotz und Maximilian Renz von der Frankfurt School of Finance & Management, die mit einem Opportunitätskostenansatz die Höhe der impliziten Garantiekosten ermittelten. Der Sparer soll daher selbst entscheiden können, ob und in welcher Höhe er seine Beiträge absichern lässt. Das setzt allerdings voraus, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis der Garantien ausreichend transparent ist und dass den Sparern auch verständlich gezeigt wird, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Garantie tatsächlich zum Tragen kommt.

Langfristige Altersvorsorge braucht in der Ansparphase, die sich über Jahrzehnte erstreckt, wenig oder gar keine Garantien. Das zeigen auch die Erfahrungen der Vergangenheit eindeutig. Die Beitragsgarantie in der Riester-Rente wurde aus falsch verstandener Fürsorgepflicht vom Gesetzgeber in die Bedingungen der Riester-Rente aufgenommen. Flexiblere Lösungen mit Wahlrechten und Optionen, die sowohl die Situation des Sparers als auch die Länge des Sparvertrages berücksichtigen, wären unter den gegebenen Kapitalmarktbedingungen die bessere Lösung.

Zeit für eine Änderung ist günstig

So lange die Beitragsgarantie durch höhere Kapitalmarktzinsen mit einem erträglichen Aufwand dargestellt werden konnte, brachte sie zwar auch wenig Nutzen, richtete aber wenigstens keinen Schaden an. Das lässt sich heute nicht mehr ohne Weiteres sagen. Anbieter geben das Geschäft mit der Riester-Rente auf, weil sie in einem zunehmenden Laufzeitenbereich gar nicht mehr in der Lage sind, die geforderte Garantie darzustellen. Produktlinien mit Garantien werden eingestellt, weil unter den gegebenen Kapitalmarktbedingungen keine erkennbaren Erträge mehr erwirtschaftet werden können.

Das Argument, dass deutsche Sparer sich Garantien wünschen, spricht vielleicht gegen die generelle Aufgabe von Beitragsgarantien, nicht aber gegen ein Wahlrecht. Dann könnten zumindest jene Sparer, die eine ertragreichere Kapitalanlage wünschen, sich dagegen entscheiden.
Heute haben sie diese Wahl bei der Riester-Rente nicht. Die Zeit für eine solche Änderung ist günstig. In der betrieblichen Altersversorgung wird mit der Zielrente gerade eine neue Zusagenform diskutiert, die ohne die Bruttobeitragsgarantie durch den Arbeitgeber auskommt. Als die Entgeltumwandlung 2002 eingeführt wurde, galt das als nicht vorstellbar.

Klaus Morgenstern ist Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA).

Foto: DIA

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1 Kommentar

  1. Das grösste Übel an der Riester-Rente ist deren Bürokratie.
    Das grösste Ärgernis für Sparer ist, dass einmal zu Recht übermittelte Zulagen aufgrund eines Formfehlers wieder zurückgebucht werden und dann bei Versäumnis einer Jahresfrist für immer verloren sind. Dieses System ist nicht motivierend, weder für Kunden noch für Vermittler.
    Da hilft auch kein Reload mit Erhöhung der Zulagen oder die Befreiung von Garantien.
    Fragt das einfache Volk und nicht wieder Prof. Dr. oder Politiker!
    Es wär so einfach, die Bürger zum Sparen zu motivieren: ein privates Rentenkonto (Rentenversicherung, die gibt es schon!), das der Sparer je nach Neigung mit Garantie oder Fonds hinterlegt. Die Einzahlung wird steuerlich nicht gefördert, bei Entnahme wird der Überschuss versteuert. Ab z.B. Alter 62 wird die Auszahlung als Altersrente völlig steuerfrei gestellt. Entnahmen sind auch während der Rente möglich, müssen aber versteuert werden. Die Meldung obliegt den Gesellschaften.
    Da braucht es keine grosse Verwaltung, ist unklompliziert und deswegen wahrscheinlich nicht gewollt.

    Kommentar von KoSeRa — 1. November 2016 @ 07:41

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