Vernichtende Wassermassen: „Versicherungsschutz für alle“

Welche Erfahrungen haben Sie seither mit dem Produkt sammeln können und welche Erkenntnisse haben Sie dabei möglicherweise überrascht?

Mertens: Zum einen hat uns überrascht, dass unsere Kunden überwiegend die teuerste Versicherungslösung mit einem festen Selbstbehalt von 10.000 Euro wählten. Zum anderen wissen wir aus Kundengesprächen, dass sich viele Menschen noch sehr auf eine staatliche Unterstützung bei Hochwasserschäden verlassen. Deshalb schließen sie bewusst keine Versicherung ab.

Eine Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2014 bestätigt: In Deutschland gehen 61 Prozent der Bundesbürger davon aus, dass der Staat mit finanzieller Hilfe einspringt und Schäden ersetzt. Das zeigt deutlich, dass die gesamte Versicherungswirtschaft gemeinsam mit der Politik noch viel Aufklärungsarbeit leisten muss. Erste Schritte sind bereits getan. Viele Bundesländer führen inzwischen Elementarschadenkampagnen durch. Und sie zeigen eine gute Wirkung: Mehr Hausbesitzer versichern sich. Hatten 2012 nur 30 Prozent eine Elementarschadenversicherung, waren es 2015 bereits 38 Prozent. Momentan arbeitet auch Nordrhein-Westfalen an solch einer Kampagne. Wir sind stolz darauf, bei der Gestaltung mitwirken zu dürfen.

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Viele Verbraucherschützer wünschen sich eine stärkere staatliche Regulierung beim Hochwasserschutz, weil sie glauben, dass die private Versicherungswirtschaft ihrer gesellschaftlichen Verantwortung in diesem Bereich nicht gerecht werde und zu gewinnorientiert vorgehe. Wie gehen Sie mit dieser Kritik um?

Mertens: Der Hochwasserschutz liegt nicht in der Verantwortung der Versicherungswirtschaft, sondern in der Verantwortung der Bundesländer und Immobilienbesitzer. Versicherer haben die Aufgabe, Versicherungsschutz anzubieten. Nach der Flut an Donau und Elbe im Jahr 2013 wurde ein entsprechendes Versicherungsprodukt gefordert. Wir kommen unserer gesellschaftlichen Verantwortung nach und bieten allen Hausbesitzern in Deutschland Versicherungsschutz an.

Die Beitragshöhe für diese Versicherung ist vergleichbar mit der für einen Mittelklassewagen. Mit dem Unterschied, dass ein Mittelklassewagen 30.000 Euro kostet, ein Haus aber erheblich mehr. Da kann ein Schaden im schlimmsten Fall existenzbedrohend sein. Dennoch sind bisher 62 Prozent der Gebäude in Deutschland nicht gegen Elementarschäden versichert, weil sich immer noch viele Menschen auf den Staat verlassen.

Welche Entwicklungen, etwa in den Bereichen Prävention und Notfallhilfe, finden Sie persönlich spannend, so dass sie eine größere Verbreitung oder Erforschung lohnenswert erscheinen lassen?

Mertens: Für uns sind zum Beispiel Systeme zur Feststellung von Leitungswasserschäden interessant. Sie verhindern einen weiteren Wasseraustritt durch automatische Abriegelung des Zulaufs und minimieren so Folgeschäden. Wir beobachten auch die Entwicklungen bei Smart-Home-Systemen. Sie können die Gefahrensituationen frühzeitig an Kunden, Dienstleister oder Rettungsstellen melden.

Interview: Lorenz Klein

Foto: Guido Schiefer

Lesen Sie das vollständige Interview im aktuellen Cash.-Magazin 06/2016.

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