bAV-Reform: „Nutzen wir die geschaffenen Möglichkeiten“

Nach der Verabschiedung der bAV-Reform gilt es für die Versicherer, pragmatische Lösungen zu finden, um die Betriebsrenten weiter zu verbreiten. Doch nicht alle Marktteilnehmer sind mit den Ergebnissen der Reform zufrieden.

Michael Hoppstädter, Geschäftsführer des Pensionsberaters Longial
Michael Hoppstädter, Geschäftsführer des Pensionsberaters Longial

Kurz vor dem Ziel gab es noch einmal Streit. Die Reform der Betriebsrenten schien schon in trockenen Tüchern zu sein, als in der Großen Koalition eine Diskussion über das sogenannte Zielrentenmodell entbrannte. Das Modell sieht vor, dass Unternehmen künftig nicht mehr garantieren müssen, dass Betriebsrenten in einer bestimmten Höhe ausgezahlt werden. Eine reine Zusage über die Höhe der Beiträge soll genügen, wenn sich Arbeitgeber und Gewerkschaften darauf verständigen.

Doch die CSU hatte Vorbehalte und wollte die Zielrente doch noch mit versicherungstechnischen Garantien verknüpfen. Am Ende konnte sich die bayerische Schwesterpartei aber nicht durchsetzen, Anfang Juni wurde das Gesetz wie ursprünglich geplant vom Bundestag verabschiedet – inklusive Zielrentenmodell. Im Juli stimmte auch der Bundesrat zu.

Durch die Reform soll die Einrichtung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) besonders für kleine und mittelständische Betriebe attraktiver werden – dank steuerlicher Förderung und Entlastung bei der Haftung. Und auch Geringverdiener sollen häufiger in den Genuss der „Rente vom Chef“ kommen.

„Weiße Flecken schließen“

Bei Branchenverbänden und Beratungshäusern stößt die Reform überwiegend auf Zustimmung. Michael Hoppstädter, Geschäftsführer des Pensionsberaters Longial, bezeichnete die Reform als „großen Wurf der Regierungskoalition“. Die reine Beitragszusage komme endlich auch nach Deutschland. „Für Geringverdiener sind tolle Lösungen geschaffen worden, die auch für diejenigen eine echte Altersversorgung darstellen, die im Alter eventuell auf Grundsicherung angewiesen sind“, sagte er.

Nach Einschätzung von Dr. Reiner Schwinger, Managing Director bei Willis Towers Watson, besteht mit den Neuregelungen nicht nur das Potenzial, die bisherigen „weißen Flecken“ der deutschen bAV-Landkarte zu schließen, sondern auch die bereits bestehenden Versorgungslandschaften nachhaltig zu beeinflussen.

Seite zwei: Mittelständler noch zurückhaltend

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