28. März 2018, 15:11
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Mehr Menschen beziehen Grundsicherung – Viele ältere Frauen betroffen

Mehr als eine Million Menschen haben im vergangenen Dezember Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung bezogen. Das waren 3,2 Prozent mehr als im Dezember 2016, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte.

Mehr Menschen beziehen Grundsicherung - Viele ältere Frauen betroffen

Insbesondere ältere Frauen sind auf die staatlichen Zuschüsse beispielsweise fürs Wohnen, Heizen oder Essen angewiesen.

Nach den Zahlen bezogen fast 1,06 Millionen Menschen die Leistungen – über 18-Jährige, die wegen Krankheit oder Behinderung nicht voll arbeiten können, oder Ältere wie Rentner.

Die Gründe für den leichten Anstieg seien vielfältig, könnten aus den Daten allein aber nicht abgelesen werden, sagte eine Sprecherin des Bundesamtes.

Insbesondere ältere Frauen sind auf die staatlichen Zuschüsse beispielsweise fürs Wohnen, Heizen oder Essen angewiesen. Betrachtet man nur Menschen, die um die 65 Jahre alt waren, zählte die Statistik 316.425 Frauen, aber nur 227.665 Männer.

Gerade Frauen stark betroffen

Wer vor dem Jahr 1947 geboren ist, kann die Grundsicherung ab 65 Jahren erhalten, ansonsten galt im Dezember eine Altersgrenze von 65 Jahren und sechs Monaten.

Nimmt man auch die erwerbsgeminderten Betroffenen hinzu, zählten die Statistiker insgesamt 539.551 Frauen und 519.276 Männer. Altersarmut sei gerade bei Frauen ein Problem, sagte Michael David, sozialpolitischer Experte bei der Diakonie Deutschland.

Frauen sind demnach auch deshalb stärker davon betroffen, weil sie häufiger alleinerziehend gewesen sind oder in prekären Beschäftigungsverhältnissen gearbeitet haben, um Beruf und Familie in Einklang zu bringen.

Zahl der Leistungsempfänger steigt kontinuierlich

Das habe entsprechende Folgen für den Lebensabend. “Wir haben da tatsächlich ein Genderproblem und da muss etwas passieren”, befand David.

Seit Einführung der Grundsicherung im Jahr 2003 ist die Zahl der Leistungsempfänger von zunächst rund 440.000 Menschen kontinuierlich gestiegen.

Die meisten Empfänger leben nach den aktuellen Zahlen in Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Bayern und Niedersachsen. Die Bundesländer mit der geringsten Zahl von Empfängern sind der Stadtstadt Bremen sowie das kleinste Flächenland Saarland.

Altersarmut macht einsam

Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, geht von einer hohen Dunkelziffer aus. “Weil vor allen Dingen alte Frauen – das kennen wir aus unseren Beratungsgesprächen – sich schämen, zur Fürsorge zu gehen und versuchen, mit allen Möglichkeiten zu sparen, zur Tafel zu gehen, um Lebensmittel zu bekommen, und so die Grundsicherung zu vermeiden.”

Zu den möglichen Gründen für die gestiegene Zahl der Leistungsempfänger zählt Mascher kletternde Mietpreise sowie eine höhere Zahl von Menschen, die wegen einer psychischen Erkrankung nicht arbeiten können. Um die Situation der Empfänger zu verbessern, fordert der VdK eine Reform der Freibetragsregelung.

Egal, ob Männer oder Frauen betroffen sind – Altersarmut macht oft auch einsam. Diakonie-Experte David berichtete von Menschen, die sich deshalb völlig zurückziehen würden. “Das Bittere bei der Grundsicherung im Alter ist, dass die Leute wissen, sie kommen da nicht mehr raus.” (dpa-AFX)

Foto: Shutterstock

 

Mehr Beiträge zum Thema Rente:

Rente: Bezüge steigen im Sommer kräftig

Rente: Volle Kassen führen zu wachsenden Ausgaben

Rentenpolitik: Wird Heil den Vorschusslorbeeren gerecht?

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Pensionskassen: Mit Volldampf in den Untergang?

Der Niedrigzins beschäftigt Pensionskassen seit 10 Jahren. Diese Entwicklung nimmt durch die Corona-Krise weiter an Fahrt auf. Arbeitgeber sollten jetzt Risiken evaluieren und Handlungsoptionen prüfen, meint das Beratungshaus auxilion.

mehr ...

Immobilien

Miete oft höher als 30 Prozent des Einkommens

Zwei Drittel der Wohnungssuchenden bereit, mehr für Miete zu zahlen als empfohlen Eine Faustregel lautet: Die Kaltmiete einer Wohnung sollte nicht höher als 30 Prozent des Nettoeinkommens des Mieters sein.

mehr ...

Investmentfonds

Wasserstoff-Durchbruch in Sicht?

Wie aus einer neuen Infografik von Block-Builders.de hervorgeht, zeichneten sich im Bereich der Wasserstoff-Technologie zuletzt zahlreiche Fortschritte ab. Wird Wasserstoff jetzt auch für PKWs nutzbar?

mehr ...

Berater

Die unbequeme Wahrheit über Erfolg in der Selbstständigkeit

Wenn Sie als selbstständiger Finanzdienstleister sich wirklich von der Konkurrenz abheben und zu den besten gehören möchten, dann geht das nur außerhalb der Komfortzone. Gastbeitrag von Trainer und Berater Dieter Kiwus

mehr ...

Sachwertanlagen

Finexity bringt dritten digitalen “Club-Deal”

Das Fintech Finexity AG erweitert sein “Club-Deal”-Angebot um ein Neubauprojekt in Hamburg. Das Projekt ist mit einem Volumen von über acht Millionen Euro das bisher größte im Portfolio des Hamburger Unternehmens und steht Investoren mit Anlagesummen ab 100.000 Euro offen.

mehr ...

Recht

Hälfte der Steuerzahler will Soli-Ersparnis zurücklegen

Mehr als die Hälfte der Steuerzahler, die im kommenden Jahr durch den Wegfall des Solidaritätszuschlags mit einer Entlastung rechnen, will das zusätzliche Nettoeinkommen zurücklegen. Das ergab die jüngste Umfrage im Deutschland-Trend des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA), die von INSA Consulere im Auftrag des DIA durchgeführt worden ist.

mehr ...