27. April 2018, 11:16
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

PKV: Aktuare wollen Beitragsverstetigung

Die regelmäßigen Beitragssteigerungen in der Privaten Krankenversicherung (PKV) sorgen kontinuierlich für heftige Reaktionen auf Kundenseite. Kritisiert wird, dass die Beiträge sich oft nicht kontinuierlich entwickeln, sondern aus Sicht der Versicherten nur schwer erklärbare Sprünge aufweisen. Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) präsentierte nun Maßnahmen, durch das die Beitragsverläufe der PKV-Versicherten künftig gleichmäßiger gestaltet werden können.

63514106 in PKV: Aktuare wollen Beitragsverstetigung

Die teils hohen Beitragsanpassungen in der Privaten Krankenversicherung sorgen immer wieder für Kritik und Verdruss. Die Deutsche Akturavereinigung will die Anpassungen künftig gleichmäßiger gestalten.

„Dadurch könnte ein Teil der für die Beitragsermäßigung im Alter zur Verfügung stehenden Mittel bereits früher angespart und dadurch höhere Zinsgewinn für die Kunden erreicht werden“, unterstreicht der DAV-Vorstandsvorsitzende Roland Weber die Vorteile des neuen Systems. Zudem würden die einzelnen Beitragserhöhungen moderater ausfallen und wären besser nachvollziehbar.

Reform der Auslösenden Faktoren

Herzstück des Reformvorschlags ist eine Neugestaltung der sogenannten Auslösenden Faktoren. Laut DAV Derzeit erlaubt das Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) eine Überprüfung und Anpassung der PKV-Versicherungsbeiträge in zwei Fällen: Bei Abweichung der erwarteten von den einkalkulierten Versicherungsleistungen, etwa durch höhere Leistungsausgaben aufgrund des medizinischen Fortschritts, um mehr als zehn Prozent. Und bei der Abweichung der realen von den kalkulierten Sterbewahrscheinlichkeiten um mehr als fünf Prozent.

Diese Regelung sieht der DAV doppelt problematisch. Zum einen hätten andere Rechnungsgrundlagen wie beispielsweise Zinsen, medizinische Inflation, Preisinflation und Storno einen großen Einfluss auf die Kosten. Sie seien aber nicht relevant für die Frage, ob die Beiträge überprüft und angepasst werden dürften. Zum anderen kritisieren die Aktuare die isolierte Betrachtung der beiden Auslösenden Faktoren. Dies führe dazu, dass Beitragsanpassungen häufig erst relativ spät durchgeführt werden dürfen und dadurch entsprechend hoch sein können.

Um dies künftig zu verhindern, regen die Aktuare an, bei der Ermittlung der Auslösenden Faktoren auch den Faktor Zins zu berücksichtigen, sodass Änderungen des Zinsniveaus zeitnah in die Beiträge einfließen. „Diese Anpassung an die neuen Kapitalmarktwirklichkeiten wäre ein entscheidender Schritt, das PKV-System zukunftssicher zu machen“, so Weber.

Tarifwechsel für Altersrückstellungen

Darüber hinaus plädiert die DAV dafür, bei Tarifwechseln innerhalb eines Unternehmens nicht alle durch den Beitragsnachlass zur Verfügung stehenden Mittel direkt zur Prämienreduktion einzusetzen, sondern einen Teil davon zu nutzen, um künftige Beitragsanpassungen abzuschwächen.

Gesetzlichen Prämienzuschlag flexibilisieren

Ferner haben sich die Aktuare mit dem zehnprozentigen gesetzlichen Zuschlag auf die Beiträge zur Krankenvollversicherung auseinandergesetzt, der im Rahmen der Gesundheitsreform im Jahr 2000 eingeführt wurde. Die damit angesparten Mittel kommen den Versicherten zugute und werden ab Vollendung des 65. Lebensjahres zur Abmilderung von Beitragserhöhungen und ab Vollendung des 80. Lebensjahres zur Prämiensenkung eingesetzt.

„Trotz Einführung dieses Zuschlags zeigen die Prämienentwicklungen in der PKV, dass weitere Maßnahmen zur Dämpfung von Prämienerhöhungen bereits vor Vollendung des 65. Lebensjahres notwendig sind. Zudem ist seit 2000 die Lebenserwartung deutlich gestiegen“, führt Weber aus.

Die DAV schlägt daher vor, den gesetzlichen Zuschlag je nach Alter der Versicherten variabel zu gestalten und eine Verwendung der daraus Mittel bereits vor Vollendung des 65. Lebensjahres zu ermöglichen.

Standardtarif weiterentwickeln

Der abschließende Vorschlag der DAV beschäftigt sich mit dem 1994 eingeführten Basistarif. Dieser soll insbesondere älteren Versicherten die Möglichkeit geben, ihre Beiträge zur Krankenversicherung zu reduzieren, indem sie in diesen günstigen Tarif wechseln. Das Leistungsspektrum des Standardtarifs orientiert sich dabei am Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung. Allerdings steht der Standardtarif nur Versicherten offen, die vor dem 1. Januar 2009 Mitglied der PKV wurden.

 

 

 

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Risikolebensversicherung: Raucher zahlen ordentlich drauf

Wer einen Baukredit abzahlt oder Alleinverdiener der Familie ist, für den kann eine Risikolebensversicherung sinnvoll sein. Die Versicherung zahlt im Todesfall eine festgelegte Summe an die Hinterbliebenen. Finanztip hat die Preise für 30 Musterkunden für verschiedene Laufzeiten, Berufe und Hobbys abgefragt. Für eine Versicherungssumme von 200.000 Euro über 20 Jahre lagen die Beiträge meist zwischen 100 bis 400 Euro im Jahr – in einigen Fällen verlangten Anbieter aber mehr als 1.000 Euro. 

mehr ...

Immobilien

„Die traditionelle Innenstadt wird niemals sterben“

Die Hamburger Innenstadt benötigt dringend eine Reurbanisierung, da die Innenstadt an Attraktivität zum Wohnen verloren habe. Vier Schlüssel dienen zum Erfolg der Maßnahmen: Mehr Wohnen, Hotel, Gastronomie und Entertainment. Ein Kommentar von Richard Winter, Niederlassungsleiter von JLL Hamburg.

mehr ...

Investmentfonds

„Das Unternehmen ist das entscheidende Investment“

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China scheint beinahe täglich größere Kreise zu ziehen und Anleger immer stärker zu verunsichern. Cash. sprach mit Thomas Lehr, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch, wie sich Anleger jetzt verhalten sollen und welcher Ausgang des Konflikts realistisch ist.

mehr ...

Berater

Pflegekosten: Nur jeder Zweite wäre bereit, Einkommen und Rücklagen zur Finanzierung einzusetzen

Zwei Drittel aller Deutschen unterschätzen den Anteil, den man für professionelle Pflege aus eigener Tasche bezahlen muss, so eine repräsentative Umfrage. Knapp jeder Zweite meint, dass die gesetzliche Pflegeversicherung alle Kosten trägt – ein fataler Irrtum.

mehr ...

Sachwertanlagen

Speziell für Stiftungen und institutionelle Anleger: Vollregulierter Zweitmarktfonds mit günstigem Risikoprofil

Die Bremer Kapitalverwaltungsgesellschaft HTB Fondshaus bringt nach einer Reihe von Publikums-AIF erstmals einen Spezial-AIF für Stiftungen und institutionelle Anleger heraus. Neben sogenannten semiprofessionellen Anlegern können sich auch institutionelle Investoren ab einer Summe von 200.000 Euro am Spezial-AIF beteiligen.

mehr ...

Recht

Gesetzlicher Unfallschutz greift auch bei Probearbeit

Der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung gilt auch an Probearbeitstagen. Das geht aus einem Urteil des Bundessozialgerichts (BSG) in Kassel von Dienstag hervor.

mehr ...