bAV: „Viele stehen einem Konzept ohne Garantien kritisch gegenüber“

Die betriebliche Altersvorsorge ohne Garantien könnte für Millionen Arbeitnehmer ein probates Mittel gegen die Altersarmut sein. Doch Arbeitnehmer und Arbeitgeber hadern mit dem Sozialpartnermodell. Wilhelm-Friedrich Puschinski, Leiter General Consulting bAV bei Willis Towers Watson Deutschland, erklärt, was es braucht, damit die bAV ohne Garantien läuft.

Wilhelm-Friedrich Puschinski, Leiter General Consulting bAV bei Willis Towers Watson Deutschland.

20 Millionen bAV-Versicherte – bei über 44 Millionen Beschäftigten: Das zeigt, dass es noch viel Luft nach oben gibt. Woran hapert es bei der Betriebsrente?

Puschinski: Noch nicht alle Unternehmen bieten eine betriebliche Altersversorgung an. Und diejenigen, die schon eine bAV anbieten, informieren ihre Mitarbeiter nicht immer ausreichend darüber. Hier besteht tatsächlich noch Luft nach oben. Für Unternehmen lohnt es sich zudem, eine bAV anzubieten, um engagierte und loyale Mitarbeiter zu gewinnen.

Mitarbeiter schätzen die betriebliche Altersvorsorge, denn der Arbeitgeber hat keine eigenen Gewinninteressen und liefert damit für viele Mitarbeiter das bessere Preis- und Leistungsverhältnis. Eine bAV erspart dem Mitarbeiter oft auch die private Suche nach dem besten Angebot, mit der sich viele überfordert fühlen. Damit der Mitarbeiter aber am Ende wirklich aktiv wird, muss das Angebot seinen Bedürfnissen entgegenkommen. Es muss sicher, flexibel und einfach verständlich sein.

Bemerkenswert ist auch der geringe Informationsstand von Arbeitnehmern wie auch Arbeitgebern beim Thema bAV. Woher rühren diese Defizite?

Puschinski: Tatsächlich fühlen sich nur die Hälfte der Arbeitnehmer über ihre betriebliche Altersvorsorge ausreichend informiert. Dabei ist eine gute Information entscheidend. Nur wer das Angebot des Arbeitgebers versteht, wird es auch nutzen und wertschätzen. Arbeitgeber können hier mit einer modernen Kommunikation viel erreichen.

Arbeitnehmer müssen emotional abgeholt werden, die Informationen einfach verständlich und zielgruppenorientiert aufbereitet werden. Digitale Kommunikation wie gut gestaltete Intranet-Auftritte, Apps oder Versorgungsrechner bieten hier vielfältige Möglichkeiten.

Fragt man Arbeitnehmer nach dem Auskommen im Rentenalter und den notwendigen finanziellen Mitteln, die man nach dem Renteneintritt benötigt, ist die Unwissenheit hoch. Insbesondere bei den 18- bis 39-Jährigen. Warum ist das Wissen über Autos, Smartphones, Urlaubsziele oder Mode besser als über das Thema bAV?

Puschinski: Altersvorsorge gilt als komplex und liegt für junge Menschen in einer fernen Zukunft. Auf der anderen Seite ist es auch vor dem Hintergrund sinkender gesetzlicher Renten wichtig, dass gerade junge Menschen früh beginnen, für das Alter vorzusorgen. Vertrauenswürdige und einfach verständliche Angebote wie eine gute betriebliche Altersversorgung helfen Arbeitnehmern, auch ohne fortgeschrittene Finanzkenntnisse aktiv zu werden.

Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz wurde die Voraussetzungen für das Sozialpartnermodell geschaffen. Die Gewerkschaften und die Arbeitgeber stützen das Modell. Doch ihre Umfragen zeigen, dass die Arbeitnehmer generationenübergreifend scheinbar nicht bereit sind, auf Garantien zu verzichten. Warum sind selbst Jüngere risikoscheu?

Puschinski: Die Idee der reinen Beitragszusage ist es, durch eine vielfältigere Kapitalanlage ohne kostspielige Garantien deutlich höhere Renditen für die Mitarbeiter zu erwirtschaften. Gerade in einer Niedrigzinsphase ist dies sinnvoll: Über lange Anlagehorizonte können mit renditeträchtigeren Anlagen deutlich mehr Erträge erwirtschaftet werden.

Die damit einhergehende Volatilität kann durch die Langfristigkeit der Anlage und weitere Sicherungsmechanismen deutlich geglättet werden. Dies nutzt den Betriebsrentnern von morgen. Jedoch setzen Mitarbeiter bei der bAV vor allem auf Sicherheit, wie der Global Benefits Attitudes Survey von Willis Towers Watson zeigt.

 

Seite 2:  Skepsis ist durch fehlendes Vertrauen begründet

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