24. Juli 2019, 11:55
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Bürgerfonds: ifo fordert allgemeine Altersvorsorgepflicht

Das ifo Institut will die Altersvorsorge in Deutschland stärken. In einem Aufsatz im aktuellen ifo Schnelldienst schlägt ein Team um ifo-Präsident Clemens Fuest vor, über einen „Deutschen Bürgerfonds“ Geld für alle Bundesbürger am Aktienmarkt anzulegen. Finanziert würde dies durch die Aufnahme von Schulden. Investierte der Bund ab sofort 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung pro Jahr, bekämen zum Beispiel alle Bürger, die 2005 geboren sind, ab dem Jahr 2072 jährlich 1 270 Euro ausgezahlt.

Shutterstock 366568778 in Bürgerfonds: ifo fordert allgemeine Altersvorsorgepflicht

„Wegen des seit Jahren niedrigen Zinsniveaus fällt es vielen Menschen schwer, privates Vermögen aufzubauen. Gleichzeitig werden bei Menschen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien die Leistungen der Rentenversicherung nicht ausreichen, um eine gute Versorgung im Alter zu sichern“, sagt Fuest.

Gute Option für Geringverdiener

„Da die Bürger selbst keine zusätzlichen Einzahlungen aus ihrem Einkommen leisten müssten, wäre der Deutsche Bürgerfonds vor allem für Menschen interessant, die wenig verdienen.“

Das Autorenteam um ifo-Präsident Clemens Fuest und Martin Werding, Professor an der Universität Bochum, möchte mit seinem Vorschlag den Herausforderungen von Niedrigzinsen und demographischem Wandel begegnen. Die deutschen Staatsschulden haben die europäische Verschuldungsgrenze von 60 Prozent der Wirtschaftsleistung unterschritten.

“Altersvorsorgepflicht ist ökonomisch sinnvoll”

Der Bund könnte also im Rahmen der geltenden Regeln Schulden aufnehmen oder den Schuldenabbau verlangsamen und diese Mittel international breit gestreut anlegen. Aktien und Immobilien erzielen weiterhin ansehnliche Renditen.

„In großem Umfang neue Staatsschulden aufzunehmen und die Mittel am Kapitalmarkt zu investieren, erscheint schwer vereinbar mit der Einsicht, dass die Bürger am besten selbst für ihre Altersvorsorge sorgen sollten“, sagt Fuest.

„Aber aus ökonomischer Sicht ist es sinnvoll, eine allgemeine Pflicht zur Altersvorsorge vorzugeben, um zu verhindern, dass sich Einzelne auf sozialstaatliche Unterstützung im Alter verlassen.“

Wer 2005 geboren ist, bekommt voraussichtlich 1.270 Euro

Die Differenz zwischen Schuldzinsen und Anlageertrag fließt in die Kapitalleistung – wie bei einer Lebensversicherung. Das ifo Institut geht bei seinen Berechnungen von einer kreditfinanzierten Investition in Höhe von 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung pro Jahr und einer durchschnittlichen Renditedifferenz von zwei Prozentpunkten aus.

Bürger des Jahrgangs 2005 erreichen die Regelaltersgrenze im Jahr 2072. Sie bekämen jährlich eine Rente von knapp 1 270 Euro (preisbereinigt, in Preisen von 2020). In den früheren Jahrgängen fielen die Auszahlungen geringer aus.

„Die Verwaltung des Deutschen Bürgerfonds sollte dem politischen Tagesgeschäft entzogen sein und beispielsweise durch die Bundesbank erfolgen“, sagt Fuest.

 

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Schnelle Hilfe bei Rückenschmerzen: Allianz weitet Ärzte-Kooperation für Online-Tool aus

Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit. Die Allianz Private Krankenversicherung (APKV) und der Berufsverband Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) haben jetzt eine Kooperation geschlossen. Ziel ist es, Menschen mit Rückenschmerzen schneller und zielgerechter helfen zu können. Dazu wird der BVOU in das Allianz-Onlinetool „Check My Back“ eingebunden.

mehr ...

Immobilien

Lompscher-Rücktritt: IVD fordert Wende in der Baupolitik

Nach dem Rücktritt von Katrin Lompscher als Bausenatorin fordert der Immobilienverband Deutschland IVD eine Umkehr von der bisherigen Bauverhinderungspolitik.

mehr ...

Investmentfonds

Trump oder Biden? Das ist nicht die entscheidende Frage

Die halbe Welt diskutiert darüber, ob der nächste US-Präsident Donald Trump oder Joe Biden heißen wird. Für die Finanzmärkte ist aus unserer Sicht aber noch wichtiger, ob einer von ihnen nach der Wahl am 3. November die Mehrheit seiner Partei sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat hinter sich weiß – oder ob die Kammern wie heute unter Präsident Trump unterschiedliche Mehrheiten haben.

mehr ...

Berater

Über den Wert einer gesunden Konfliktkompetenz

Konfliktmanagement – klingelt da was bei Ihnen? Dann lesen Sie unbedingt weiter! Die Fürstenberg-Kolumne mit Mareike Fell

mehr ...

Sachwertanlagen

Corestate-Tochter startet Logistik/Light Industrial Joint Venture

STAM Europe, eine Tochtergesellschaft des Immobilien-Investmentmanagers Corestate Capital Holding, und ein nordamerikanischer institutioneller Investor starten ihr zweites Investitionsprogramm im Logistik- und Light Industrial-Sektor in Frankreich in Form des Joint Ventures “Highlands II”. Ein riesiges Logistik-Projekt wurde bereits erworben.

mehr ...

Recht

Staatliche Unternehmen auf Steuervermeidungskurs

Steuerskandale internationaler Konzerne finden sich beinahe täglich in der medialen Berichterstattung. Eine aktuelle Studie von WU-Professorin Eva Eberhartinger macht nun deutlich, dass auch staatliche Unternehmen Steuern vermeiden. Dabei zeigt sich: Auch diese Unternehmen brauchen Anreize, um Steuervermeidung zu unterbinden.

mehr ...