30. Dezember 2019, 07:00
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Riester-Rente: Die Ungeliebte

Extra-Rente, Deutschland-Rente, Vorsorgekonto: Während Politik und Verbraucherschützer einmütig über das Ende der Riester-Rente sinnieren und neue Modelle präsentieren, fordert die Versicherungswirtschaft eine grundlegende Reform. Einstampfen oder Neuanfang? Der Streit um Riesters Rente ist voll entbrannt.

Gra Fer Martin1 in Riester-Rente: Die Ungeliebte

Martin Gräfer, Die Bayerische.

 

Die Riester-Rente hatte einen schwierigen Start: „Passt nicht“, titelte mein erster Artikel über die Riester-Rente. Geschrieben hatte ich ihn vor 16 Jahren, 2003. Seinerzeit führte ich unter anderem ein Interview mit Dr. Jörg Maas von Psychonomics über die Gründe für die geringe Akzeptanz.

„Die Politik hat die flächendeckende, überzeugende Kommunikation über die staatlich geförderte Altersvorsorge eindeutig verschlafen. Hätte sie dafür geworben und die Ansprache allein den privaten Anbietern überlassen, wären die Berechtigten weniger misstrauisch gewesen“, sagte er.

Bereits ein Jahr nach dem Start wurden die Zulagenberechnung und das Abwicklungsverfahren rund um Förderung kritisiert. „Viel zu kompliziert“, bemängelten die Versicherer seinerzeit. Hinzu kam ein enormes Misstrauen gegenüber der Riester-Rente vonseiten der Bevölkerung. Aber auch die Streckung der Vertriebsprovision über fünf Jahre war ein Malus, der dazu führte, dass der Vertrieb in den ersten Jahren einen Bogen um die Riester-Rente machte.

Die Unbeliebte. Erst mit der Reform im Zuge des Alterseinkünftegesetzes, der Reduzierung der Anzahl der Zertifizierungskriterien sowie weiterer Vereinfachungen kam der Durchbruch. Heute existieren rund 16,6 Millionen Riester-Verträge, rund elf Millionen Bundesbürger profitieren von einer staatlichen Förderung. Damit steht die Riester-Rente in Hinblick auf die Anzahl der erreichten Kunden der betrieblichen Altersversorgung (bAV) in nichts nach, heißt es vom Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP), Altenstadt.

Zwar gebe es rund 20,8 Millionen Versicherte in der bAV. Rechne man allerdings die 5,7 Millionen Pflichtversicherten aus der Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes heraus, erreichten die privat organisierten Formen der bAV etwa 15,1 Millionen Menschen.

Dies belege, dass die Riester-Rente mit 16,6 Millionen Verträgen eine starke und notwendige Stütze bei der Verbesserung der Altersversorgung darstellt, lautet ein Ergebnis des IVFP in seiner im Sommer veröffentlichten Analyse  „Die Riester-Rente – Abwracken oder Aufrüsten. Nach Angaben des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sind bereits 110 Milliarden Euro auf Riester-Verträgen angespart.

 

Seite 2: Riester funktioniert, weil gerade niedrige und mittlere Einkommen erreicht werden

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1 Kommentar

  1. Sehr guter Beitrag ! ABER, werden unsere Politiker die Worte der Fachleute erhören und schnell handeln ? Es wäre zu wünschen.

    Kommentar von Nils Fischer — 2. Januar 2020 @ 12:49

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