Riester-Rente: Die Ungeliebte

Laut IVFP funktioniert die Riester-Rente, weil gerade niedrige und mittlere Einkommensgruppen erreicht würden. Mehr als 50 Prozent der Kunden wiesen ein Jahreseinkommen von unter 30.000 Euro auf. Zudem würden Frauen überproportional angesprochen.

Und die Riester-Rente liefert gute Renditen, betont Professor Michael Hauer, Geschäftsführer des IVFP. Dieser hatte 23.500 Verträge aus den vergangenen fünf Jahren ausgewertet. Demnach lag die durchschnittliche Nettorendite 2018 bei 3,4 Prozent – nach Kosten und Steuern.

Auch die Deutsche Bundesbank kam zum Ergebnis, dass die Riester-Rente sehr wohl zu einer Verbesserung der Rentensituation führt – selbst wenn lediglich die eingezahlten Beiträge inklusive der Zulagen für eine Verrentung zur Verfügung stünden. Beachtung finden derartige Studien kaum.

Vielmehr hält sich hartnäckig die Kritik, Riester würde sich nicht lohnen. „Das negative Image resultiert in großen Teilen aus einer überzogenen öffentlichen Erwartungshaltung. Erstens dürfen wir den ursprünglichen Auftrag der Riester-Rente nicht vergessen: Das formulierte Ziel war nicht, den Bürgern einen Weg zur Schließung ihrer Versorgungslücke zu ebnen.

Vielmehr sollen sie dazu ermutigt werden, die mit der Reform beschlossene Senkung des gesetzlichen Rentenniveaus mithilfe der Kapitalmärkte aufzufangen. Dabei hilft der Staat, indem er jährliche Grund- und Kinderzulagen sowie steuerliche Vorteile gewährt. Dies ist aus unserer Sicht mit einem Bestand an weit über 16 Millionen Riester-Verträgen gut gelungen. Diese Erfolge sollten auch von den Medien nicht permanent kleingeredet werden“, sagt Thomas Heß, Marketingleiter und Organisationsdirektor bei den WWK Versicherungen in München.

Zweitens greife es zu kurz, ein Altersvorsorgeprodukt rein über die Rendite der Verträge beurteilen zu wollen und den wesentlichen Aspekt der Absicherung des Langlebigkeitsrisikos völlig unberücksichtigt zu lassen. Das Schließen entstehender Versorgungslücken könne nur die Versicherungswirtschaft über den Kollektivausgleich lösen. Die Riester-Rente sei ein Teil dieser Lösung.

„Und drittens kann sich die gesamte Finanzbranche nicht den Folgen der von der EZB absichtlich extrem niedrig gehaltenen Zinsen entziehen. Eine massive Umverteilung zulasten aller Sparer ist die Folge, das nimmt die Politik stillschweigend in Kauf“, sagt Heß. Die Münchener glauben an Riester und gehören zu den wenigen Versicherungsunternehmen, die nennenswertes Neugeschäft mit dem Produkt schreiben.

 

Seite 3: Pauschale Kritik oder pauschale Glorifizierung

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