„Erkenntnisse und Handeln klaffen bei vielen Berufstätigen weit auseinander“

Das Risiko Berufsunfähigkeit wird erkannt, ohne zu handeln

Widersprüchlichkeit herrscht schließlich auch bei der Absicherung gegen den Verlust der eigenen Arbeitskraft. Nahezu alle Alters- und Berufsgruppen nennen eine Police für diesen Fall als wichtigste aller Versicherungspolicen – gleich nach der Krankenversicherung.

Das persönliche Risiko, aufgrund eines Unfall oder einer Erkrankung den Beruf nicht mehr ausüben zu können, wird im Schnitt mit 36 Prozent veranschlagt, unter Medizinern sogar mit 53 Prozent.

In der Praxis haben aber Policen zur Absicherung der Arbeitskraft – sogenannte Berufsunfähigkeitsversicherungen – bei weitem nicht diese Bedeutung.

Patrick Dahmen: „Die Ergebnisse der Studie haben uns selbst überrascht. Erkenntnisse und Handeln klaffen bei vielen Berufstätigen weit auseinander. Frappierend ist etwa, wie stark gerade junge Berufstätige eine Absicherung gegen den Verlust der Arbeitskraft wegen Unfall oder Krankheit befürworten, aber in der Praxis viel zu selten besitzen.“

Soziale Anerkennung und Geld dominieren – besonders in Bayern und in Nordrhein-Westfalen

Populär ist der Wunsch nach einer „Work-Life-Balance“. „Man sollte arbeiten, um zu leben – nicht leben um zu arbeiten!“ Sieben von zehn Berufstätigen (71 Prozent) pflichten dieser Forderung bei.

Im Arbeitsalltag aber ist gut zwei Drittel von ihnen ihre soziale Anerkennung als Berufstätiger „wichtig“ oder sogar „sehr wichtig“ (62 Prozent). Besonders ausgeprägt ist das in Ostdeutschland und tendenziell unter jungen Berufstätigen noch intensiver als unter älteren.

Wie stark sich die Deutschen insgesamt über Beruf und Einkommen definieren, zeigen weitere Befunde. So gibt mit 42 Prozent der Großteil aller Industrie-Beschäftigten an, „primär nur wegen des Geldverdienens den Beruf ausüben“. Bei Handwerkern und Dienstleistern sind es mit 33 Prozent die wenigsten. Regional zählt das Gehalt am meisten in Bayern und NRW. Mehr als jeder Dritte (37 Prozent) arbeitet hier „nur fürs Geld“.

Zudem nennen die Bayern mit 55 Prozent am häufigsten ein höheres Gehalt als Top-Grund für einen Arbeitsplatzwechsel. Bundesweit sagen das knapp die Hälfte aller Erwerbstätigen. Nur etwa halb so wichtig als Grund für einen Wechsel ist „eine interessantere berufliche Aufgabe“. Damit liegt diese Begründung auf Platz zwei (28 Prozent) knapp vor „besseren Arbeitskonditionen, etwa flexible Arbeitszeitmodelle“ (27 Prozent).

„Digitaler Wandel erleichtert die Arbeit“

Nach Angaben der Berufstätigen entfällt heute im Schnitt die Hälfte ihrer Arbeit auf digitale Tätigkeiten. Dass das Arbeitsleben durch die Digitalisierung in den letzten fünf Jahren „rauer geworden ist“, sagen 39 Prozent.

Aber für sich persönlich ziehen sie auch hier eine positive Bilanz: 44 Prozent der Erwerbstätigen empfinden „unterm Strich den digitalen Wandel insgesamt als Erleichterung der Arbeit“. Nur etwa halb so groß ist mit 25 Prozent der Anteil derer, die eine Verschlechterung sehen, für 24 Prozent hat sich nichts verändert.

Dahmen resümiert: „Ein gespaltenes Verhältnis zur Digitalisierung zeigt sich quer durch unsere gesamte Studie. Einerseits spüren die Berufstätigen, dass hierdurch starke Veränderungen in der Arbeitswelt anstehen – stärker oft als in allen anderen Lebensbereichen. Andererseits sorgen digitale Vereinfachungen und die bisher gute Lage am Arbeitsmarkt aber offenbar dafür, dass die meisten noch keinen persönlichen Handlungsbedarf erkennen und die Entwicklung einfach abwarten.“

Tatsächlich haben sich laut neuer HDI Studie drei von zehn Erwerbstätige in Deutschland noch nie konkreter damit beschäftigt, welche Konsequenzen der Verlust ihres Berufes haben könnte. Eine Verarmung in diesem Fall halten aber immerhin 29 Prozent für möglich. (dr)

Foto: Cash.

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