Sterbegeldversicherung: Das deutsche Tabu-Thema

In den Niederlanden haben rund 70 Prozent der Bevölkerung eine Sterbegeldversicherung. Hierzulande sind es gerade einmal rund 17 Prozent. Die Gründe für diesen großen Unterschied sind vielschichtig, wie der Kommentar von Oliver Suhre, Generalbevollmächtigter der Monuta Versicherungen, zeigt.

Oliver Suhre ist Generalbevollmächtigter der Monuta Versicherungen mit Sitz in Düsseldorf.

 

In der niederländischen Gesellschaft wird ein sehr offener Umgang mit dem Thema Sterben gepflegt. Es gehört einfach zum Leben dazu. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod und dem von Angehörigen ist selbstverständlich und etwas Natürliches.

Das zeigt sich beispielsweise auch in der Bestattungskultur: Schaut man in die Krematorien unserer Nachbarn, stellt man fest, dass diese hell, freundlich und mit warmen Farben sowie angenehmer Beleuchtung gestaltet sind – ganz anders als in Deutschland.

Krematorien gelten in den Niederlanden auch als ein Ort für Angehörige zum Trauern und Gedenken des Verstorbenen. Zudem ist die Vielfalt der Bestattungsvarianten größer als hierzulande.

Während es in Deutschland die Möglichkeit gibt, sich in Urne oder Sarg in der Erde bestatten zu lassen, können die Niederländer die Urne zum Beispiel auch mit nach Hause nehmen oder die Asche an ausgewiesenen Orten frei verstreuen.

Bei unseren Nachbarn ist in puncto Bestattungen fast alles umsetzbar, denn bei ihnen steht der individuelle Abschied des Menschen im Vordergrund. In Deutschland ist die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod weitestgehend ein Tabu-Thema. Die meisten Menschen wollen nicht darüber nachdenken oder sprechen, was passieren soll, wenn der Tag des eigenen Ablebens einmal kommt.

Diese unterschiedlichen Mentalitäten spiegeln sich auch in der entsprechenden Vorsorge wider. Während das Durchschnittsalter derjenigen, die bei Monuta Deutschland eine Sterbegeldversicherung abschließen zwischen 40 und 50 Jahre liegt, sind es in den Niederlanden vor allem auch junge Leute, die sich für den Fall der Fälle absichern.

Im vergangenen Jahr haben 52 Prozent unserer niederländischen Nachbarn in der Altersgruppe der 18 bis 25-Jährigen einen entsprechenden Versicherungsschutz abgeschlossen. Dadurch ist das Durchschnittsalter mit rund 35 Jahren wesentlich niedriger.

Häufig empfehlen Eltern ihren Kindern die Fortführung der Versicherung, wenn diese nach Vollendung des 18. Lebensjahres nicht mehr mitversichert sind. Vorteil dabei ist ein wesentlich geringerer Beitrag als bei Verträgen, die erst im fortgeschrittenen Alter abgeschlossen werden.

Zudem war es in den Niederlanden schon immer so, dass die Sterbegeldversicherung ein zusätzlicher privater Schutz ist. In Deutschland hingegen lief sie bis 2004 über die gesetzlichen Krankenkassen.

Die Folge: Hier musste man sich bis dato nicht mit dem Thema und seiner Wichtigkeit auseinandersetzen. Das Konzept einer Sterbegeldversicherung ist in den Niederlanden schlichtweg bekannter als in Deutschland.

Um in Deutschland mehr Menschen für die Bestattungsvorsorge zu sensibilisieren, braucht es vor allem eine offene Gesprächskultur. Das betrifft auch die Beratung von Versicherungsmaklern mit ihren Kunden, die das Thema oftmals scheuen. Dabei sollte es Teil einer ganzheitlichen Vorsorge sein und bietet die Basis für viele andere Vorsorge-Themen, wie beispielsweise Erbschaft und Patientenverfügung.

Foto: Monuta

 

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