16. September 2019, 15:22
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„Wir sind keine Treppenterrier“

Ralf Husmann, der Erfinder und Autor der Comedy-Serie „Stromberg“, hat mir mal gesagt, dass er in der Versicherungsbranche und der Bürowelt insgesamt eine große Bereitschaft zur Selbstironie wahrnehme. Deckt sich das mit Ihren Erfahrungen?

Hermann: Selbstironie ist vorhanden, aber nicht ausgeprägter als in anderen Branchen. Die Frage ist ja auch: Ist das noch Selbstironie oder schon Masochismus? Wir sind ja seit Jahrzehnten die Prügelknaben und müssen uns eine Menge gefallen lassen. Aber wir müssen endlich aus der Rolle des Klassendeppen rauskommen.

Man ist immer nur so lange der Klassendepp, wie man es sich gefallen lässt. Als Branche dürfen wir ruhig selbstbewusster auftreten – in der nötigen Demut unseren Kunden gegenüber.

Ist die Versicherungsbranche zu oft unfreiwillig komisch?

Hermann: Um wirklich unfreiwillig komisch zu sein, ist das, was wir tun, zu wichtig. Die Leute lachen zwar über die verrücktesten Versicherungsfälle – aber wenn ein Schwerverletzter sein Geld nicht vom Versicherer bekommt ist das nicht unfreiwillig komisch, sondern einfach nur tragisch. Es gibt aber Beispiele für gute Komik über die Versicherungsbranche, zum Beispiel „Stromberg“ und den „Vertreterbesuch“ von Loriot.

Ist das Thema Versicherungen humoristisch mit „Stromberg“ nicht sowieso abschließend abgehandelt worden? Kann da noch was kommen?

Hermann: Die Möglichkeit, mit Humor auf bestimmte Dinge zu reagieren, ist in der Versicherungsbranche genauso gegeben wie in der Politik. Auch dort geht den Kabarettisten nicht der Stoff aus – so wie mir nicht in der Versicherungsbranche. Ganz im Gegenteil:

Ich komme gar nicht dazu, alle Vorlagen zu verarbeiten, die geliefert werden. Es wäre ohne Probleme möglich, das Kabarett hauptberuflich zu machen, der Stoff ist mannigfaltig.

Dennoch haben Sie mit den öffentlichen Kabarettprogrammen mittlerweile aufgehört. Warum?

Hermann: Es ist viel zu zeitaufwendig. Man muss die komplette Organisation übernehmen, eine Location buchen, den Vorverkauf regeln. Häufig ist es auch schwer, in der Presse auf eine Veranstaltung hinweisen zu lassen. Aufwand und Ertrag stehen einfach in keinem gesunden Verhältnis.

Gelegentlich treten Sie aber doch noch auf. So werden Sie am 20. September die Cash. Gala in Hamburg moderieren. Was erwartet die Gäste, worauf können sie sich freuen?

Hermann: Zunächst einmal freue ich mich darauf, dass ich die „Oscar-Verleihung“ der Finanzdienstleistungsbranche moderieren darf. Das wird meine erste Cash. Gala, und dann direkt als Moderator! Ich hoffe, dass ich die Gala so angenehm begleiten kann, dass alle Gäste hinterher sagen: Das war ein toller Abend!

 

Seite 3: “Ich liebe diesen Beruf”

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1 Kommentar

  1. Brilliant und pointiert auf den Punkt gebracht, lieber Klaus Hermann.
    Es wird wirklich Zeit, dass die Vermittler Ihre Häupter erheben und voller Stolz für das Image Ihrer Zunft eintreten. Nennen wir es den MARSCH FÜR DIE ZUKUNFT.

    Kommentar von Jörg Laubrinus — 24. September 2019 @ 20:57

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