16. September 2019, 15:22
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„Wir sind keine Treppenterrier“

Und wir werden von Ihnen auf der Bühne keine Anglizismen hören, denn die mögen Sie nicht. Eine wohltuende Ausnahme in der Finanzbranche.

Hermann: Das stimmt, ich mag keine Anglizismen. Ich fordere Sie hiermit persönlich auf, eine Strichliste zu führen, falls ich dagegen verstoße.

Noch schlimmer sind ja solche Unwörter wie „zeitnah“ und „proaktiv“. In der Branche nutzt sie mittlerweile fast jeder wie selbstverständlich, weil sie irgendwie wichtig klingen, aber im Grunde sind sie doch völlig nichtssagend und sinnentleert.

Hermann: „Agil“ und „spannend“ sind auch so Begriffe, die inflationär benutzt werden. Intellekt zu vermitteln, indem man möglichst viele Anglizismen und Fremdwörter verwendet, kann funktionieren, kann aber auch befremdlich wirken. Ich versuche immer, nicht in einer Sprache zu sprechen, die ich selbst nicht verstehe. So kommt man auch authentisch rüber.

Sie sind auch als Buchautor tätig, ihr neustes Werk „Ich bin kein Klinkenputzer“ hat den Untertitel „Eine Liebeserklärung an die Versicherungsbranche“. Das müssen Sie erklären. Was lieben Sie an der Branche so sehr?

Hermann: Ich liebe diesen Beruf. Er ist meine Heimat. Ich habe 1988 als 16jähriger eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann angefangen und arbeite seitdem in der Branche. In der Öffentlichkeit ist dieser Beruf aber sehr unbeliebt. Dort herrscht noch immer ein völlig veraltetes Vermittlerbild vor.

Wir sind keine Treppenterrier, die draußen rumrennen, mit dem Abrissblock Unterschriften einsammeln und die Leute in Verträge zwängen. Der Buchtitel soll provozieren und die Leute aufmerksam machen. Sie sollen sich fragen: Wie kann es sein, dass jemand eine Liebeserklärung an die Versicherungsbranche abgibt?

Aber genau das tue ich, weil der Beruf Spaß macht, wichtig ist und weil es tolle Menschen in dieser Branche gibt. Meine Mission ist es, die Öffentlichkeit darauf hinzuweisen.

Dennoch wird es auch Dinge geben, die Sie an der Versicherungsbranche stören. Welche sind das?

Hermann: Mich nervt es, dass es immer noch Vertreter gibt, die so sind, wie einige Leute sie erwarten – im negativen Sinne. Ich mag keine Menschen, die überheblich, respektlos und laut sind. Doch das erlebe ich leider immer wieder. Es sind aber mittlerweile eher Einzelfälle, da hat sich schon eine Menge bereinigt.

Mich stört auch, dass wir als Branche noch zu häufig von oben nach unten denken und handeln. Vorstände entscheiden, wo es lang geht, und der Rest rennt hinterher. Es gibt zu wenig Mut, Eigeninitiativen auf der mittleren Managementebene zuzulassen.

Doch das müsste man tun, wenn man die Ankündigung ernst meint, den Kunden in den Mittelpunkt stellen zu wollen. Da sind mir einige Gesellschaften noch nicht konsequent genug.

 

Das Gespräch führte Kim Brodtmann, Cash.

Foto: Klaus Hermann

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1 Kommentar

  1. Brilliant und pointiert auf den Punkt gebracht, lieber Klaus Hermann.
    Es wird wirklich Zeit, dass die Vermittler Ihre Häupter erheben und voller Stolz für das Image Ihrer Zunft eintreten. Nennen wir es den MARSCH FÜR DIE ZUKUNFT.

    Kommentar von Jörg Laubrinus — 24. September 2019 @ 20:57

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