Megatrend Nachhaltigkeit: „Nachhaltigkeit ist Teil unserer DNA“

Angela McClellan, Geschäftsführerin des Forums für Nachhaltige Geldanlagen

Nachhaltiges Investieren ist längst kein Nischenthema mehr, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Welche Bedeutung das Thema hat und wie sich Nachhaltigkeit gewinnbringend in die Beratung einbauen lässt, zeigte ein Webinar zum Megatrend Nachhaltigkeit, das Cash. mit der Geschäftsführerin des Forums für Nachhaltige Geldanlagen, Angela McClellan, und Zurich Experte, Michael Keppner, veranstaltet hat.

Nachhaltiges Investieren ist längst kein Nischenthema mehr, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Welche Bedeutung das Thema hat und wie sich Nachhaltigkeit gewinnbringend in die Beratung einbauen lässt, zeigte ein Webinar zum Megatrend Nachhaltigkeit, das Cash. mit der Geschäftsführerin des Forums für Nachhaltige Geldanlagen, Angela McClellan, und Zurich Experte, Michael Keppner, veranstaltet hat. 

Fridays for Future, Entlastung der CO2-Bilanz, Healthy Food, Mobilitätswandel und last but not least die Klimaerwärmung spielen für immer mehr Menschen eine Rolle. Gerade Letzteres wird zu einem Problem, das immer drängender wird und nach substanziellen Lösungen verlangt. Die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, dürfte eine enormen Herausforderung werden, ist aber unerlässlich.

Für die ökologische Wende und das Erreichen der Klimaziele wird nicht nur viel guter Wille nötig sein, sondern nach Schätzung der Europäischen Kommission jährlich zwischen 180 und 290 Milliarden Euro. Und das spiegelt sich auch im Finanzsektor wider, erklärte Angela McClellan im Webinar.

Die Geschäftsführerin des Forums Nachhaltige Geldanlagen e.V. für Deutschland, Österreich und die Schweiz (FNG) sowie Mitglied im Sustainable Finance Beirat der Bundesregierung machte klar, dass in Deutschland das Thema Nachhaltigkeit auch im Finanzsektor längst die Nische verlassen habe.

Regulierungen für mehr Nachhaltigkeit

Vor dem Hintergrund, dass die ESG-Kriterien ab Ende kommenden Jahres auch in der Beratung eine wichtige Rolle spielen, dürfte die Bedeutung weiter wachsen. Zudem verlange die EU-Offenlegungsverordnung ab kommenden Jahr von allen Marktteilnehmern – ob sie nachhaltige Produkte anbieten oder nicht – dass sie über ihren Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken berichten.

Auch die BaFin sei hier mittlerweile zur Überwachung verpflichtet. „Insofern ist zu erwarten, dass verantwortliche Investments zunehmend zum Mainstream werden“, sagt McClellan. Laut dem FNG-Marktbericht 2020 stieg das Volumen nachhaltiger Geldanlagen hierzulande zwischen 2018 und 2019 von 219,1 auf 269,3 Milliarden Euro. Ein Plus von 23 Prozent binnen eines Jahres.

Auch wenn immer noch institutionelle Investoren den Markt beherrschen, steigt der Anteil der Privatanleger steil an. Gegenüber 2018 hat sich der Anteil der Privatanleger mit einem Zuwachs von 96 Prozent nahezu verdoppelt. Der Anteil nachhaltiger Fonds und Mandate am Gesamtfondsmarkt liegt bei 5,4 Prozent. Nachhaltigkeit ist zu einem Megatrend geworden.

Neben der EU-Offenlegungsverordnung wird MiFid II als zweites Regelwerk das Thema Nachhaltigkeit ergänzen: Danach ist es ab Ende 2021 verpflichtend, dass der Kunde in jeder Anlageberatung auch nach seinen Nachhaltigkeitspräferenzen gefragt werden muss. Das dürfte die Nachfrage weiter befeuern, denn Studien zeigen, dass bereits jetzt viele Privatanleger ihr Geld lieber nachhaltig investieren würden. Zudem hat die Corona-Krise zu einer erhöhten Nachfrage geführt.

Die Sorge, dass man durch Investitionen in dem Sektor auf Rendite verzichten muss, sind unbegründet. Erste Studien belegen, dass die Performance nachhaltiger Investments nicht schlechter, sondern besser durch die Corona-Krise kommen. „Das ist nicht überraschend, denn die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien macht die Fonds resilienter und zukunftsfähiger“, sagt McClellan.

Nachhaltigkeit auch im Finanzsektor kein Nischenthema mehr

In Deutschland ist das Thema durch die Gründung des Sustainable Finance Beirats, eine Kommission auf 38 Mitgliedern aus Finanzwirtschaft, Realwirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft, inzwischen auf höchster Ebene angekommen.

Ziel ist es, die Bundesrepublik zu einem der führenden Standorte in Sachen Sustainable Finance auszubauen. Aber auch auf EU-Ebene liegt der Fokus deutlich auf der Nachhaltigkeit. „Weitere Regulierungen sind hier zu erwarten“, glaubt McClellan. Vor dem Hintergrund dürfte das Interesse der Anleger zunehmen und die Nachhaltigkeit in der Beratung ein verpflichtender Part werden. Finanzberatern und Vermittlern wird somit künftig eine Schlüsselrolle zufallen.

Doch die sind nach Ansicht der FNG-Geschäftsführerin derzeit noch nicht umfassend auf das Thema vorbereitet. „In ihrer klassischen Ausbildung hören Berater bislang noch zu wenig über das Thema Nachhaltigkeit“, sagt McClellan.

Es bestehe ein großer Qualifizierungsbedarf beim Thema, um die Kunden adäquat beraten zu können. Aber auch in der breiten Bevölkerung sieht McClellan noch erheblichen Aufklärungsbedarf, bis in die Schule hinein. Denn rund 60 Prozent der Menschen kennen nicht einmal den Begriff „nachhaltige Geldanlage“.

Laut Michael Keppner, Betriebswirt für betriebliche Altersvorsorge (FH) und Versicherungsexperte bei der Zurich Gruppe Deutschland, dürfte die Umsetzung der Klimaziele eine längerfristige Geschichte werden.

Michael Keppner, Betriebswirt für betriebliche Altersvorsorge (FH) und Versicherungsexperte bei der Zurich Gruppe Deutschland

„Wir sprechen über Zeiträume von mehreren Jahrzehnten und Generationen“, so Keppner. Zurich hat schon relativ früh vor über zehn Jahren damit begonnen, sich das Thema Nachhaltigkeit auf die Agenda zu schreiben“, sagt der Experte. Bereits 2012 ist die Gruppe, den PRIs, den „Principles for Responsible Investment“ beigetreten, die sich für ein nachhaltiges internationales Finanzsystem einsetzen.

Als erster Versicherer weltweit bekannte sich die Versicherungsgruppe zum globalen Klimaschutzziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Zudem ist der Versicherer seit 2014 global klimaneutral.

Bis 2050 Klimaneutralität bei Zurich

Die Zurich Gruppe verwaltet als Investor ein riesiges Portfolio von mehreren hundert Milliarden Euro. Und hier gehe es im Hinblick auf die Investition immer stärker um ethische, ökologische und soziale Belange. Das Ganze sei eingebunden in eine globale Strategie, das Responsible Investment.

Bis 2050 soll das gesamte Investmentportfolio klimaneutral sein. Um dieses Ziel zu erreichen, ist Zurich im September 2019 der „UN Net-Zero Asset Owner Alliance“ als Gründungsmitglied beigetreten.

Doch es reicht nicht aus, nur als nachhaltiger Investor tätig zu sein. „Man muss Nachhaltigkeit auch in der Praxis leben und dazu stehen. Daher überlegen wir bei jeder Geschäftsreise, ob Sie überhaupt gemacht werden muss“, erläutert Keppner. Seit Jahren fördert Zurich die nachhaltige Mobilität ihrer Mitarbeiter etwa durch Jobtickets oder andere Anreizsysteme. Für E-Bikes oder E-Scooter stehen Ladestationen und Abstellplätze zur Verfügung. Zurich Mitarbeitende haben mittlerweile sogar die Möglichkeit, Diensträder zu leasen.

Seinen Strombedarf in Deutschland deckt der Versicherer zu 98 Prozent aus Ökostrom. „Insgesamt haben wir 2,8 Millionen Tonnen C02 bereits vermieden. Für das, was wir nicht selbst einsparen können, also die verbleibenden CO2-Emissionen – kaufen wir zur Kompensation CO2-Zertifikate.“ Aktuell beteiligt sich Zurich im Rahmen der „European Green Weeks“ aktiv und versucht Mitarbeiter noch stärker als bisher das Thema näherzubringen.

„Wir sind Teil der Gesellschaft und als solcher überlegen, wir natürlich wie wir etwas zurückgeben können. Insofern unterstützen wir viele Projekte, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen“, führt der Betriebswirt weiter aus. Das jüngste sei die Wiederaufforstung des Atlantischen Regenwaldes im Nordosten Brasilien. Insgesamt sollen dort eine Million Bäume gesetzt werden.

Nachhaltigkeit kein Nachteil in der Rendite

Und auch im Bereich der Altersvorsorgeprodukte zählt Zurich zu den Vorreitern in Sachen Nachhaltigkeit. Insgesamt stehen Kunden vier nachhaltig gemanagte Depotmodelle mit einer unterschiedlichen Aktien- und Rentengewichtung zur Auswahl: Depotmodell Einkommen ESG, Balance ESG, Wachstum ESG und Dynamik ESG.

Diese Portfolios unterscheiden sich in der Höhe ihrer maximalen Aktienquote, erklärt Michael Keppner. Nachhaltigkeit sei kein Nachteil, wenn es um Rendite gehe, so Keppner weiter. ESG-Fonds seien von den Renditen her besser, das zeigten Studien. „Dass wir Depotmodelle beherrschen, zeigen wir seit 25 Jahren“, erläutert der Experte.

Zurich ist einer der erfahrensten Versicherer, wenn es um Depotmodelle geht. Und das nutzen immer mehr Anleger. Denn Depotmodelle schneiden deutlich besser ab, weil sie auf die aktuelle Marktgegebenheiten reagieren.

Die ESG-Depotmodelle werden gemeinsam von einem Anlageausschuss bestehend aus Experten der Deutschen Bank und von Zurich professionell gemanagt. Die zugrundeliegenden Fonds und die Zusammensetzung werden laufend überprüft und bei Bedarf angepasst. Zurich fährt dabei eine Kombination aus Ausschlusskriterien und Best-in-Class-Ansatz.

Eingesetzt werden ESG-konforme, aktiv gemanagte Investmentfonds in der jeweils besonders kostengünstigen, institutionellen Anteilsklasse. Um die Kostenquote weiter zu reduzieren, setzt Zurich zusätzlich auf die immer wichtiger werdenden ESG-konforme börsengehandelten Indexfonds.

Die eingesetzten ESG-Fonds werden durch das Fondsmanagement bereits auf Einhaltung der ESG-Kriterien geprüft.„Nachhaltigkeit und Zurich passen sehr gut zusammen, denn Nachhaltigkeit ist ein Teil unserer DNA. Denn wir sind uns bewusst, dass wir als Versicherer und Unternehmen eine sehr hohe Verantwortung tragen. Und dem kommen wir nach.“ (Youtube-Video zum Webinar)

(dr)

Fotos: FNG/Zurich/Shutterstock

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