So blickt die Branche ins neue Jahr

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Niedrigzinsen, Digitale Transformation und die Verwerfungen durch die Corona-Pandemie rütteln an den Fundamenten der Versicherungswirtschaft. Noch nie seit dem Ende des 2. Weltkriegs war die Branche mit derartigen Herausforderungen konfrontiert. Die Corona-Pandemie ist Brennglas und Katalysator in einem. Und hat zu Weichenstellungen geführt. Optimistisch blicken die Versicherungs- und Vertriebsvorstände in das Jahr 2021. Das zeigt die kleine Branchenumfrage der Cash.-Redaktion kurz vor Weihnachten.

Wir sind gut durch die Krise gekommen“

Wir wollen auch im kommenden Jahr für unsere Kunden da sein, als Partner, auf den sie sich in jeder Situation verlassen können. In 2020 ist uns dies gut gelungen und wir sind gut durch die Krise gekommen, unsere Vertriebsergebnisse sind erfreulich. Wir gehen davon aus, dass das auch 2021 so bleibt. Ein starker Wachstumsmarkt ist die betriebliche Krankenversicherung (bKV). Mehr und mehr Arbeitgeber erkennen, wie wichtig Gesundheitsthemen für ihre Beschäftigten sind und nutzen die bKV als überzeugendes Argument, Fachkräfte zu finden und zu halten.

Nina Klingspor

Auch wenn natürlich aktuell Corona noch das beherrschende Thema ist, wird die Pflege eines der großen gesellschaftlichen Themen unserer Zeit bleiben. Hier haben wir als Versicherer aus meiner Sicht auch eine Verpflichtung, unsere Kunden auf ihre Vorsorge anzusprechen, Lösungen anzubieten und die Pflegevorsorge weiter aus der Nische zu holen. Denn fast jeder wird davon in irgendeiner Weise betroffen sein. Für unsere Kunden und Vertriebspartner sind wir da und unterstützen sie. Mit unserer Ausrichtung auf digital und persönlich können wir auf die Anforderungen auch unter Corona-Bedingungen jederzeit flexibel reagieren.“

Nina Klingspor, Vorstandsvorsitzende der Allianz Private Krankenversicherung, München

Nur ein erster Schritt in die richtige Richtung“

Im Zuge der Corona-Pandemie hat die Versicherungsbranche einen Digitalisierungsschub erfahren. Viele Marktteilnehmer haben ihre Prozesse umgestellt und neue, digitale Arbeitsweisen adaptiert. Das war notwendig und wichtig, ist aber nur ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die digitale Transformation ist mehr als der Umzug ins Homeoffice oder der Rückgriff auf einzelne digitale Tools. Es geht um die umfassende Ausschöpfung von Potenzialen im Datenmanagement. Nur wem es gelingt, diese zu heben, wird künftig zu den Gewinnern gehören.

Mario Herz

Viel Zeit bleibt nicht für den digitalen Umbau. Viele Unternehmen haben sich längst in Stellung gebracht. Auch Kunden werden nicht mehr auf smarte Services warten, die in ihrem digitalen Alltag längst Normalität sind. Versicherer und Makler müssen jetzt den Boden für die Zukunft bereiten, wollen sie nicht auf der Strecke bleiben. Dabei können sie von der Schnelligkeit, Effizienz und Expertise von Plattformen profitieren. 2021 gilt es, den Digitalisierungsschub zu nutzen – auch und gerade durch Synergien.

Dr. Mario Herz, Geschäftsführer Mobilversichert

„Viele sind durch die Pandemie risikobewusster geworden“

„Das Jahr 2020 war für viele sicher eines der außergewöhnlichsten Jahre bisher. Es hat viel verändert und uns krisenbedingt zu einigen Neuerungen gezwungen. Diese werden auch im kommenden Jahr wichtig sein. Die Digitalisierung hat einen großen Sprung gemacht und die Krise hat uns gezeigt, wie weit die Branche bereits ist. Aber auch, welche Potentiale es noch gibt. Auch das Verhalten der Menschen hat sich verändert. Viele sind durch die Pandemie risikobewusster geworden und legen mehr Wert auf gesundheitliche Prävention.

Markus Drews

Damit ist auch die Nachfrage nach Arbeitskraftabsicherung gestiegen. Ebenso stieg die Nachfrage nach Altersvorsorge – besonders bei Produkten mit Einmalbeiträgen. Das zeigt eine weitere Veränderung: Im Vergleich zu vorherigen Krisen, haben die Menschen mehr vertrauen in die Börse und sehen Volatilität nicht mehr als Gefahr, sondern als Chance. Wir freuen uns auch im neuen Jahr unsere Kunden mit unseren Lösungen zu unterstützen. Denn Altersvorsorge und Arbeitskraftabsicherung bleiben auch in 2021 Top-Themen.“

Marcus Drews, CEO Canada Life Deutschland

„Die Menschen bestmöglich beraten“

„Als Swiss Life blicken wir trotz der speziellen Herausforderungen, die Corona an uns alle gestellt hat, auf ein sehr erfolgreiches Vertriebsjahr 2020 zurück. Wir haben insbesondere mit unserem BU-Produkt-Update im Frühjahr einen weiteren Schritt nach vorne gemacht und fast zeitgleich dazu mit umfassenden Service-Verbesserungen vom Antrag bis zur Policierung nachgelegt.

Und mit diesen Erfolgen gehen wir zuversichtlich das Jahr 2021 an. Wir möchten auch weiterhin unserem Anspruch gerecht werden, Menschen mit unseren Produkten und Dienstleistungen zu mehr finanzieller Selbstbestimmung zu verhelfen.

David Piccon

Das gilt insbesondere für die Altersvorsorge der Menschen und die Absicherung ihrer Arbeitskraft. Hier sind wir mit Swiss Life Investo und Swiss Life Maximo für die Altersvorsorge und unsere Berufsunfähigkeits- und Grundfähigkeitslösungen in der Biometrie sehr gut aufgestellt und werden hier natürlich mit weiteren Neuerungen nachlegen.

Besonders wichtig bleibt für uns dabei der enge Austausch mit unseren Geschäftspartnern, was die Neu- und Weiterentwicklung von Service- und Produktthemen betrifft – für ein gemeinsames Ziel: die Menschen bestmöglich zu beraten, Vorsorge zu treffen und finanziell gegen die Unwägbarkeiten des Lebens abzusichern.“

David Piccon, Bereichsleiter Konzept- und Digitalvertriebe bei Swiss Life

„Wir sind weiterhin optimistisch“

„Unser ganzheitlicher Allfinanzansatz rund um die finanzielle Situation des Kunden macht uns insgesamt weniger anfällig, weil unsere Kunden nicht einzelne Verträge im Blick haben, sondern ihr übergeordnetes Gesamtziel. Dadurch konnte die überwiegende Anzahl unsere Kunden – auch dank der durch die Bundesregierung in die Wege geleiteten Maßnahmen – an ihren Zielen wie zum Beispiel den eigenen vier Wänden, dem gesicherten Ruhestand, einer guten Ausbildung ihrer Kinder und dem Streben nach finanzieller Unabhängigkeit uneingeschränkt festhalten. 

Markus Knapp

Die weitere Entwicklung ist schwer vorhersehbar, da sie von vielen Faktoren abhängt. Wir sind weiterhin optimistisch, da wir als Unternehmen so aufgestellt sind, flexibel und lösungsorientiert reagieren zu können. Und weil gerade wieder einmal in der jetzigen Zeit deutlich wird, dass Menschen einen persönlichen Ansprechpartner brauchen, der ihnen in finanziellen Fragen zur Seite steht. Der Bedarf an Vermögensberatern in unserem Land ist weiterhin ungebremst.“

Markus Knapp, Mitglied des Vorstands der DVAG und zuständig für den Bereich Vertriebsentwicklung

„Unseren Partnern treu zur Seite stehen“

„Ich bin mir sicher, dass sich vor allem im Bereich der Digitalisierung innerhalb unserer Branche noch sehr vieles tun wird. Ich kann mir vorstellen, dass die Papierflut zunehmend in eine Papierlose übergehen wird und man generell in mehr Sparten digital abschließen können wird. Aber auch dabei werden wir unseren Partner treu zur Seite stehen und sie dabei unterstützen.

Norbert Porazik

Sonst hoffe ich natürlich, dass sich die allgemeine Lage beruhigen wird und wir unsere Vertriebspartner nächstes Jahr wieder persönlich auf unseren Messen begrüßen dürfen. Mich würde das sehr freuen.“

Norbert Porazik, geschäftsführender Gesellschafter des Maklerpools Fonds Finanz

„Chapeau!“

„Knapp 57 Prozent der Vermittler schätzen ihre berufliche Zukunft in den kommenden drei Jahren mit ’sehr positiv‘ oder ‚positiv‘ ein. Weitere 27 Prozent sind noch unentschieden. Oder anders formuliert: Nur 15 Prozent sehen die nächsten drei Jahre negativ. So ein Ergebnis hätte ich im März diesen Jahres nicht zu hoffen gewagt. Es ist das Ergebnis flexibler Anpassung an neue Herausforderungen und viel harter Arbeit aller Vermittler. Chapeau!

Frank Rottenbacher

Und zumindest bis zur Bundestagswahl können wir nun auch ohne politische Zusatzbelastungen wie dem Provisionsdeckel oder einer Bafin-Aufsicht für 34f-Vermittler arbeiten.“

Frank Rottenbacher, Vorstand des AfW Bundesverband Finanzdienstleistung

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