Zeichen der Zeit

Uwe Mahrt, Geschäftsführer von Pangea Life

Auch wenn das ökonomische, ökologische und soziale Verantwortungsbewusstsein in der Bevölkerung immer stärker wächst. Es braucht im Vertrieb noch deutliche Aufklärungsarbeit, damit nachhaltige Altersvorsorge die Zeichen der Zeit erkennt. Ein Beitrag von Jörg Droste, Cash.

Es ist ruhig geworden um Greta Thunberg und ihre Fridays for Future-Bewegung. Wer hätte das gedacht, als Ende Februar 2020 noch 20.000 Menschen durch Hamburg zogen.

Covid-19 beherrscht Menschen und Medien. Die Coronapandemie und die vielen Kontaktsperren machen es der Klimabewegung in diesem Jahr extrem schwer, lautstark wie medienwirksam auf die Klimakrise aufmerksam zu machen.

Fridays For Future”-Aktivistin Luisa Neubauer spricht von einer doppelten Herausforderung, weil sich die große Krise des Planeten in Corona-Zeiten nicht in Luft auflöst. Und sie hat recht.

Denn die Klimaerwärmung schreitet voran. 2019 war das bislang heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Und könnte von 2020 abgelöst werden. Und falls nicht, dann wird dieses Jahr als das zweitheißeste in die Wetterstatistik eingehen.

2030: Klimaziele nochmals verschärft

Auch wenn die Politik derzeit darum ringt, die Coronapandemie und die finanziellen wie wirtschaftlichen Folgen im Zaum zu halten, die Ziele des Pariser Klimaabkommens sind Konsens. Die Europäische Union hat die Zeichen der Zeit erkannt.

Doch für die ökologische Wende und das Erreichen der Klimaziele wird viel Geld nötig sein. Nach Schätzungen der Europäischen Kommission jährlich zwischen 180 und 290 Milliarden Euro. Geld, das die Regierungen nicht haben.

Und so werden private Investitionen zunehmend in nachhaltige Geldanlagen umgelenkt werden. Laut dem aktuellen Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) stieg das Volumen nachhaltiger Geldanlagen hierzulande zwischen 2018 und 2019 von 219,1 auf 269,3 Milliarden Euro. Ein Plus von 23 Prozent.

Das starke Wachstum geht bislang nahezu ausschließlich auf institutionelle Investoren zurück. Doch zeigen sich zunehmend private Investoren bei den Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz sensibilisiert.

Gegenüber 2019 hat sich der Anteil der nachhaltig investierenden Privatanleger mit einem Zuwachs von 96 Prozent nach Aussage von Angela McClellan, Geschäftsführerin des FNG, nahezu verdoppelt. „Nachhaltigkeit ist zu einem Megatrend geworden“, sagt McClellan. Besonders in den jüngeren Bevölkerungsgruppen bis 35 Jahren ist eine Orientierung auf die Themen Umwelt oder Soziales stärker verbreitet.

Megatrend Nachhaltigkeit

Vermittler wie Gottfried Baer, Geschäftsführer der Mehrwert GmbH, registrieren den Wandel auch im täglichen Geschäft. Baer, der sich als unabhängiger Berater auf nachhaltige Geldanlagen, strategische Vermögensplanung, private und betriebliche Altersvorsorge spezialisiert hat und auch kirchliche Stiftungen berät, sieht einen klaren Trend:

„Die Menschen reagieren sehr positiv, wenn sie erfahren, dass der eine oder andere Versicherer im Deckungsstock nachhaltige Anlagen berücksichtigt oder nachhaltige Fonds im Angebot hat“, bestätigt er. „Im Bereich der betrieblichen Altersvorsorge bemerken wir, dass bei einer möglichen Auswahl zwischen dem grünen und einem konventionellen Tarif die Wahl mittlerweile stärker zugunsten der grünen Tarife ausfällt“, so Baer.

Bestätigt werden die Aussagen des Experten durch die Recherchen zu diesem Artikel. „Wir erhalten immer mehr Anfragen von unseren Vertriebspartnern zu nachhaltigen Produkten. Viele unserer Vermittler werden konkret von ihren Kunden darauf angesprochen. Vor allem bei der jungen Zielgruppe hat die Fridays-for-Future-Bewegung das Bewusstsein verstärkt, verantwortungsvoll mit unserer Umwelt umzugehen, das stärkt natürlich auch das Interesse an einer nachhaltigen Altersvorsorge“, erklärt Frank Kettnaker, Vertriebsvorstand der Alte Leipziger-Hallesche.

Zustimmung kommt auch von Jawed Barna, Vorstand für Vertrieb und Strategische Partnerschaften bei Zurich Deutschland: „Wir merken, dass nachhaltige Anlagen einen großen Zuspruch erfahren. Mit der Friday-for-Future-Bewegung ist die Diskussion in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Auch im Rahmen unserer Nachhaltigkeitsstudie in diesem Jahr sagen 68 Prozent der Gesamtbevölkerung und 76 Prozent der 18- bis 35-Jährigen, dass ihnen nachhaltige Anlage wichtig ist.“

Bedeutung der Nachhaltigkeit wächst

Eine zusätzliche Dynamik dürfte das Thema durch die EU-Kommission erfahren, die sowohl die nachhaltige Geldanlage und die Finanzberatung ab 2021 in Europa fest verankert, zeigt sich Barna überzeugt. „Für die gesamte Finanzbranche sollen damit einheitliche Standards geschaffen werden. Damit wird ein nachhaltiges Finanzsystem insbesondere im Hinblick auf die Klimaziele gefördert“, so der Zurich-Vertriebsvorstand.

Zurich beschäftigte sich ganzheitlich mit dem Thema und Nachhaltigkeit und nehme das Thema in der Rolle als Versicherer, Investor, Arbeitgeber und in der Gesellschaft sehr ernst. „Zurich hat das Ziel erklärt, zu einem der nachhaltigsten Unternehmen der Welt zu werden“, betont Barna. „Als Lebensversicherer haben wir unseren gesamten Deckungsstock hinsichtlich unserer ‘Responsible-Investmentstrategie’ untersucht und wenden unserer Strategie ganzheitlich an.“

„Die Menschen reagieren sehr positiv, wenn sie erfahren, dass der Versicherer nachhaltige Anlagen berücksichtigt“

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