Zeichen der Zeit

„Immerhin 97 Prozent der Kunden entscheiden sich in der Altersvorsorge für eine nachhaltige Anlage“

„Von den 2.500 weltgrößten Konzernen werden für den Index jedes Jahr im September die Unternehmen ausgewählt, die innerhalb ihrer Branche die besten ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Leistungen erbringen. Dieser Fonds eignet sich für Kunden, die besonderen Wert auf ökonomische, ökologische und soziale Aspekte legen sowie weltweit nachhaltig investieren möchten“, sagt Thorn weiter. Immerhin 97 Prozent der Kunden entschlössen sich in der privaten als auch der betrieblichen Altersvorsorge für eine vollständig nachhaltige Anlage. „Hier hat ein ganz klares Umdenken stattgefunden“, so Thorn.

Ähnlich nachhaltig ist die Concordia Oeco aufgestellt. Das Tochterunternehmen der Concordia hat sich bereits in seiner Satzung zu einer nachhaltigen Unternehmensführung verpflichtet. „Für die Produktlinie Leben oeco – die ehemalige Oeco Capital Lebensversicherungs-AG – verfolgen wir eine konsequent nachhaltige Kapitalanlage.

Dies wird durch ein separates nachhaltiges Sicherungsvermögen sichergestellt. Für die Auswahl der Kapitalanlagen gelten strikte Positiv- und Negativkriterien und explizit kein Best-in-class-Ansatz. Die Einhaltung der Nachhaltigkeitskriterien wird durch einen externen Nachhaltigkeits-Beirat überwacht, der mit Persönlichkeiten aus dem Umwelt- und Nachhaltigkeitsbereich besetzt ist“, erklärt Tim Schmidt, Leiter der Unternehmenskommunikation der Concordia Oeco.

Der Lebensversicherer bietet nachhaltige Altersvorsorgeprodukte in allen drei Schichten der Altersvorsorge. „Neben fondsgebundenen Basis- und Privat-Renten bieten wir insbesondere attraktive „grüne“ Angebote in der betrieblichen Altersversorgung“, so Schmidt. Ergänzt werden können die Produkte um einen nachhaltigen Berufsunfähigkeitsschutz.

„Für die im Rahmen der fondsgebundenen Rentenversicherung angebotenen Fonds gelten dieselben strikten Nachhaltigkeitskriterien wie für die eigene Kapitalanlage. Neben einer ökonomischen Prüfung durch unsere Kapitalanlageexperten müssen alle nachhaltigen Fonds daher vor Aufnahme in das Portfolio einer Prüfung unseres Nachhaltigkeits-Beirats standhalten“, sagt der Pressesprecher.

„Nachhaltigkeit ist für uns kein Kurzfristrend. Sie ist eine Haltung und leitet sich aus unserer Tradition als Versicherungverein ab“

Während es sich bei Concordia Oeco, Prisma Life, Pangaea Life oder VRK um eher kleinere, nachhaltig aufgestellte Versicherer handelt, spielt mit der Stuttgarter ein nicht unbedeutender Maklerversicherer seit über zehn Jahren deutlich sichtbar die Nachhaltigkeitskarte.

„Wir haben sehr früh verstanden, dass wir mit dem bisherigen Denken nicht weiterkommen: Nachhaltigkeit ist für uns kein kurzfristiger Trend. Sie ist eine Haltung, die sich aus unserer Tradition als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit ableitet. So sehen wir es ebenfalls in unserer Verantwortung, zum Erhalt der ökologischen, sozialen und ethischen Grundlagen der Gesellschaft beizutragen. Also haben wir 2013 als einer der ersten Lebensversicherer eine nachhaltige Altersvorsorgelösung ins Leben gerufen, die Grüne Rente“, sagt Jens Göhner, Leiter Produkt- und Vertriebsmarketing Vorsorge und Investment bei der Stuttgarter Lebensversicherung.

Heute bietet der Lebensversicherer die Grüne Rente in allen Anlagekonzepten zur Altersvorsorge an: Als klassische Rente, Indexrente und Fondsrente mit und ohne Garantie, als Basisrente sowie Riester-Rente und betriebliche Altersvorsorge.“ Dadurch heben wir uns deutlich von anderen Anbietern ab“, sagt Göhner

Bei der Grünen Rente als klassische Rentenversicherung sichert der Versicherer seinen Kunden zu, mindestens in Höhe des Sparanteils der eingezahlten Beiträge in nachhaltige Projekte und Kapitalanlagen in das Sicherungsvermögen zu investieren.

Bei den fondsgebundenen Varianten können Kunden aus einer großen Zahl nachhaltiger Fonds mit unterschiedlichen Anlageschwerpunkten wählen. Und bei der indexgebundenen Variante kann sich der Kunde an der Wertentwicklung des nachhaltigen Grüne Rente Index beteiligen. Die im Index enthaltenen Aktien werden nach wirtschaftlichen und ESG-Kriterien ausgewählt. Die unabhängige Rating-Agentur Sustainalytics überwacht die Qualität der Aktien hinsichtlich der ESG-Kriterien.

„Mit dem Grüne Rente Index bieten wir zurzeit die einzige nachhaltige Indexrente am deutschen Versicherungsmarkt“, sagt Göhner. Die Nachhaltigkeitsinvestments lässt der Versicherer vom Institut für nachhaltiges, ethisches Finanzwesen unabhängig prüfen. Zudem wird ein jährlicher Anlagebericht veröffentlicht, um Kunden zu informieren, in welche Projekte die Stuttgarter investiert. Das soll Transparenz schaffen.

Buch mit sieben Siegeln

Die ist auch von Nöten, denn der Begriff „nachhaltige Geld- und Kapitalanlagen“ ist für viele private Investoren oft noch ein Buch mit sieben Siegeln. Zumindest deutet darauf eine Umfrage des DIA hin. Demnach können gerade einmal 14 Prozent den Begriff richtig erklären.

Eine Erklärung liefert Nachhaltigkeitsexperte Baer: „Das Verständnis und die Definition von Nachhaltigkeit ist vollkommen heterogen. Jeder Anleger versteht darunter etwas anderes. Ein Teil versteht darunter nur Umwelt- und Klimaaspekte, andere wiederum schwerpunktmäßig soziale und ethische Themen.“

Hinzu kommen die vielen unterschiedlichen Bezeichnungen und Abkürzungen von nachhaltigen Geldanlagen: „SDG, ESG, Sustainable, Impact“, führen zu einer Verwirrung bei vielen Anlegern. Da insgesamt das Wissen zu nachhaltigen Geldanlagen noch zu gering verbreitet ist, ist es, notwendig, den Menschen die ganz praktische Wirkung von nachhaltigen Geldanlagen aufzuzeigen. Also eine Brücke zu Ihrem Leben zu schlagen und mit konkreten Beispielen die positiven Wirkungen einer nachhaltigen Geldanlage in Ihrem Kontext aufzeigen. Hier geht es darum, Emotionalität ins Spiel zu bringen“, so Baer.

Nachhaltigkeit: Deutliche Lücken im Vertrieb

Vor dem Hintergrund kommt Finanzberatern eine Schlüsselfunktion zu. Doch ähnlich wie die Kunden hat auch der Vertrieb noch deutliche Lücken. „Im Rahmen einer aktuellen Umfrage signalisierten 47 Prozent der befragten Makler, dass Sie noch nie eine Ausbildung in dieser Hinsicht besucht hätten. 38 Prozent der Befragten wollten dies auch nicht tun. Das bestätigen letztendlich auch diese Umfragewerte: bei 45 Prozent kam das Thema Nachhaltigkeit noch nie in einem Beratungsgespräch vor und nur für 25 Prozent sind nachhaltige Finanzprodukte in der Beratung ein wichtiges Anliegen. Diese Werte bestätigen auch meine Erfahrungen im Austausch mit Kollegen und Kolleginnen. Hier ist insgesamt noch viel Nachholpotenzial vorhanden“, so Baer.

Am 10. März 2021 tritt die Transparenzverordnung in Kraft, Danach müssen Vermittler offenlegen, ob sie das Thema Nachhaltigkeit in der Kundenberatung und bei der Produktauswahl berücksichtigen oder nicht. „Dem Thema Nachhaltigkeit kann sich keiner mehr entziehen“, sagt denn Alte Leipziger-Hallesche Vertriebsvorstand Kettnaker.

„Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“, lautet ein Zitat von Friedrich Schiller. Es bleibt zu hoffen, dass die 38 Prozent die Zeichen der Zeit erkennen werden. (dr)

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