R+V zieht Zwischenbilanz bei Tief „Bernd“: Bislang 470 Millionen Euro

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Ein Mann steht in dem Dorf im Kreis Ahrweiler nach dem Unwetter mit Hochwasser in den Schuttbergen.

Bislang 470 Millionen Euro für 14.000 Schäden: Eine Zwischenbilanz der R+V einen Monat nach den Überflutungen zeichnet sich ab, dass das Tief Bernd als schwerste Unwetter-Katastrophe in die Geschichte der Versicherungsgruppe eingehen wird.

2021 entwickelt sich zum Ausnahmejahr, in diesem Sommer jagt ein Unwetter das andere. „Die Überschwemmungen im Juli übertreffen jedoch alles, was wir bisher in Deutschland erlebt haben. Das Tief Bernd hat mit seiner Zerstörungswut allein bei unseren Kunden rund 14.000 Schäden in Höhe von 470 Millionen Euro verursacht“, sagt Norbert Rollinger, Vorstandsvorsitzender der R+V Versicherung.

Das endgültige Ausmaß der Schäden steht noch lange nicht fest. „Wir stocken unsere Schadenreserven täglich auf, weil die Gutachter bei der Besichtigung vor Ort feststellen, dass die Zerstörungen vielfach weit schlimmer sind als befürchtet“, berichtet Rollinger, der sich vor Ort selbst ein Bild von der Katastrophe gemacht hat.

Angesichts dieser Eindrücke fordert der R+V-Chef ein dringendes Umsteuern in der Klimapolitik. “ Bei den Überschwemmungen 2002 an der Elbe haben alle noch von einer Jahrhundertflut gesprochen. „Heute wissen wir, dass das nur der Auftakt zu weit heftigeren und bis dato kaum vorstellbaren Naturkatastrophen war.“

R+V-Chef Norbert Rollinger

Laut Rollinger sind etwa 70 Prozent aller R+V-Kunden in den Flutgebieten gegen Elementarschäden abgesichert. Nach Angaben des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft haben im gesamten Bundesgebiet etwa 46 Prozent aller Hausbesitzer eine Elementarschadenversicherung.

Ungewöhnlich viele Großschäden

Die Not in den Katastrophengebieten ist auch einen Monat nach dem Unwetter noch groß. „Unsere Kunden brauchen schnelle und unbürokratische Hilfe. Das hat für uns oberste Priorität“, betont Rollinger. Damit das reibungslos läuft, werden alle Aufgaben in der Hochwassereinsatzzentrale der R+V koordiniert – von der Notruf-Hotline, über die Schadenbearbeitung bis hin zum Einsatz von Gutachtern, Dienstleistern und Schadenregulierern vor Ort.

Die R+V hat alle verfügbaren Mitarbeiter aus dem gesamten Bundesgebiet in die Krisengebiete geschickt. Die Kunden bekommen nach Angaben des Versicherers schnelle Vorauszahlungen, damit sie die Kosten für lebensnotwendige Ausgaben decken, ihren zerstörten Hausrat ersetzen oder Reparaturen in die Wege leiten können.

Zerstörte und beschädigte Gebäude machen mit etwa zwei Dritteln den größten Anteil aller Schäden aus, darunter ungewöhnlich viele Großschäden. „Auch Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime sowie Lebensmittelgeschäfte sind stark betroffen. Hier ist beim Wiederaufbau besondere Eile geboten“, sagt der R+V-Chef.

Kampf gegen Giftstoffe und Müllberge

Eine hohe Gefahr geht nach Angabe der R+V auch nach der Flut von durch Heizöl und Diesel verseuchten Böden, Gewässer und Gebüden aus. So wurden in den heftig betroffenen Gemeinden Schleiden und Gemünd dafür gesorgt, dass volle Tanks und hunderte von Fahrzeugen aus den Flussbetten geborgen. Die Abfallentsorgung in den Katastrophengebieten ist laut R+V ein zentrales Thema.

Umweltexperten von R+V und Kravag-Partner beschaffen Container und helfen bei der fachgerechten Entsorgung der Müllberge. Überall mangelt es an Handwerkern. Hier kann die KUSS auf ein bundesweites Netzwerk an externen Spezialisten zurückgreifen und diese gemeinsam mit der Sprint Sanierung GmbH vor Ort einsetzen.

Sprint ist derzeit mit rund 750 Fachkräften und mehr als 6.000 Trocknungsgeräten im Flutgebiet unterwegs. Vor dem Trocknen müssen die Gebäude jedoch entkernt werden: Etwa 17.000 Tonnen Schutt haben die Sanierungsexperten bereits entsorgt. Um alle Arbeiten möglichst zügig umzusetzen, hat Sprint in Bad Neuenahr-Ahrweiler eine temporäre Niederlassung eingerichtet.

Drei Viertel aller Autos Totalschaden

Neben Gebäuden hat das Unwetter auch tausende Fahrzeuge schwer beschädigt. Drei von vier Autos haben einen Totalschaden, ermittelte die carexpert KFZ-Sachverständigen GmbH. Sie ist mit jedem verfügbaren Mitarbeiter in den Krisenregionen im Einsatz.

Im Flutgebiet stapeln sich meterhoch Schrottfahrzeuge, wem welches Auto gehört, lässt sich oft nicht mehr klären. Wenn das Auto nicht mehr auffindbar ist, bestimmen die Sachverständigen von carexpert den Wert der Autos ganz unbürokratisch auf Basis der Fahrzeugdaten, damit die R+V-Kunden schnell ihr Geld erhalten.

Viele betroffene R+V-Kunden, aber auch Gutachter und Schadenregulierer benötigen angesichts der Katastrophe psychologische Hilfe. Ihnen bietet die R+V Unterstützung durch die Trauma-Experten der HumanProtect Consulting GmbH an.

R+V-Spendenaktion „Wir helfen den Helfern“

Mehr als eine halbe Million Euro sind bei der Spendenaktion „Wir helfen den Helfern“ der R+V Stiftung usammengekommen. „Die Hälfte der Summe stammt von den R+V-Mitarbeitern. Wir haben vom Unternehmen den Betrag verdoppelt“, sagt Rollinger. Mit dem Geld unterstützt die Stiftung unabhängige Organisationen, die den Menschen vor Ort zur Seite stehen. Die ersten 100.000 Euro sollen nach Angaben der R+V noch diese Woche ausbezahlt werden.  

Beitragsfreier Versicherungsschutz für Helfer

Außerdem sind alle Helfer, die freiwillig und unentgeltlich in den Krisengebieten unterwegs sind, von der R+V beitragsfrei unfallversichert, teilte der Versicherer mit.

Eine weitere kostenlose Leistung gibt es für R+V-Firmenkunden mit einer Betriebs- und Berufshaftpflichtversicherung. Wenn sie ehrenamtlich Hilfe leisten und dabei Schäden verursachen, springt die Versicherung ein. Diese sogenannten Gefälligkeitsleistungen sind normalerweise ausgeschlossen. Auch Schäden an geliehenen oder gemieteten Arbeitsmaschinen sind in Höhe von 3.000 Euro mitversichert.

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