Nachhaltigkeit in der Assekuranz: „Die Fakten zwingen uns zum Handeln“

Foto: Florian Sonntag
Dr. Carsten Schildknecht, Vorstandsvorsitzender der Zurich Gruppe Deutschland, im Gespräch mit Cash. auf der Kieler Woche

Das Interesse an Sustainable Finance ist groß. Während das nachhaltige Tarifangebot in der Lebensversicherung immer deutlicher wächst, ist die ESG-konforme Produktauswahl in der Sach- und Krankenversicherung nach wie vor überschaubar. Derzeit ringen aber nicht nur die Versicherer bei dem Megathema Nachhaltigkeit noch um ihre Positionen; auch der Vertrieb ist noch längst nicht so weit, wie er eigentlich sein sollte.

Der Hitzesommer 2018, der Temperaturrekord von 41,2 Celsius im Jahr 2019 und die diesjährige Flutkatastrophe zeigen, dass der Klimawandel auch Deutschland fest im Griff haben. Wie drängend das Thema auch für Deutschland ist, zeigt eine neue Studie des Deutschen Wetterdienstes. Demnach war der Zeitraum von 2011 bis 2020 um zwei Grad wärmer als die Jahre von 1881 bis 1910. Im weltweiten Vergleich sind die Temperaturen hierzulande deutlich stärker gestiegen. Während der Temperaturanstieg weltweit bei 1,1 bis 1,2 Grad lag, waren es hierzulande 1,6 Grad.

„Der menschengemachte Klimawandel zeigt sich weltweit unter anderem in der deutlichen Zunahme von Frequenz und Intensität von Wetterextremen. Allein Deutschland haben die Hagelschäden im Frühsommer und das Starkregenereignis „Bernd“ Mitte Juli dazu geführt, dass das Jahr 2021 wahrscheinlich eines der teuersten Naturgefahrenjahre sein wird“, mahnte denn auch Dr. Carsten Schildknecht, Vorstandsvorsitzender der Zurich Gruppe Deutschland, auf der Kieler Woche.

„Der Klimawandel ist kein abstraktes Phänomen, er ist wissenschaftlich belegt und hat schon jetzt Auswirkungen auf unsere Lebensqualität, auf die Existenzgrundlage vieler Menschen, auf die Geschäftsmodelle vieler Unternehmen und auf die Lebensräume künftiger Generationen. Die Fakten zwingen uns zum Handeln. Wir müssen das Thema in diesem Jahrzehnt auf den richtigen Weg bringen. Sonst werden wir das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, nicht einhalten können“, warnt Schildknecht im Interview mit Cash.

„Die Fakten zwingen uns zum Handeln. Wir müssen das Thema in diesem Jahrzehnt auf den Weg bringen.“

Die größte Herausforderung für den Gesetzgeber und alle gesellschaftlichen Akteure ist die Geschwindigkeit mit der die Reduktionsziele erreicht werden sollen. „Das Bundes-Klimaschutzgesetz sieht eine Reduzierung der CO2-Emissionen von 65 Prozent bis zum Jahr 2030 gegenüber 1990 vor und bis 2040 sogar 88 Prozent. Deutschland muss ab dem Jahr 2045 klimaneutral wirtschaften, die EU ab 2050. Eine Studie von McKinsey besagt, dass wir in Deutschland sechs Billionen Euro aufbringen müssen, um Klimaneutralität zu erreichen. Deutschland selbst muss eine Billionen Euro investieren. Uns Versicherern als Teil der Finanzdienstleistungsbranche kommt die Aufgabe zu, mit unseren Investitionen eine nachhaltige und klimaneutrale Gesellschaft zu ermöglichen. Mit unseren Finanzprodukten können wir auch unseren Kundinnen und Kunden die Vorteile einer nachhaltigen Geldanlage aufzeigen. Die Transparenz-Verordnung und die Taxonomie sollen die Investitionen transparenter machen, die IDD für die Beratung und die CSR-Directive zur Nachhaltigkeitsberichterstattung dienen der Weiterentwicklung“, sagt Stephan Bongwald, der seit 2012 Nachhaltigkeitsbeauftragter der Barmenia Versicherungen ist.

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