Indexrente oder Neue Klassik?

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Ellen Ludwig, Ascore Analyse

Mit der Absenkung des Garantiezinses auf 0,25 Prozent zum 1. Januar 2022 ist ein Wendepunkt erreicht. Mehr Risiko postuliert die Branche. Neue Klassik und Indexpolicen gelten als beliebte Alternative für sicherheitsorientierte Kunden, die auf allzu viel Experimente am Kapitalmarkt verzichten wollen. Doch lohnt sich das? Cash. online sprach mit Ascore Analyse-Geschäftsführerin Ellen Ludwig über die Vor- und Nachteile beider Produktgattungen.

Welche Folgen wird die Garantiezinssenkung zum 1. Januar 2022 für Indexpolicen und die Neue beziehungsweise Moderne-Klassik-Tarife haben?

Ludwig: Erst einmal ist festzuhalten, dass die Garantiezinssenkung zum 1. Januar 2022 die neu abzuschließenden Tarife, wie Garantieprodukte in der Altersvorsorge, aber auch Produkte im Einkommenssicherungsbereich und Risikolebensversicherung trifft. Diese werden mit dem neuen Rechnungszins von 0,25 Prozent kalkuliert, was sich auf eine geringere Leistungshöhe oder auf einen höheren Beitrag auswirkt. Bei den bereits bestehenden Policen, die mit einem höheren Rechnungszins abgeschlossen wurden, darf dieser nicht reduziert werden. Die Auswirkungen auf Indexpolicen oder neue Klassik sind unterschiedlich.

Bei den Indexpolicen spielt neben dem Rechnungszins die Höhe der Überschüsse eine wichtige Rolle. Mit dem zur Verfügung stehenden Geld aus der Überschussbeteiligung wird die Indexpartizipation finanziert und die Indexanteile sind wesentlich für die Renditeerwartung.

Der Rechnungszins, der den Sparbeitrag verzinst, wird bei neuen Indexpolicen zu einer geringeren garantierten Ablaufleistung führen. Bei den Indexpolicen wird also vor allem die laufende Verzinsung für das kommende Jahr interessant und ob die Gesellschaften bei den Überschüssen das Niveau halten können.

Bei den neuen Klassik Tarifen, die häufig noch 90 bis 100 Prozent der Beitragssumme zum Ende der Aufschubzeit garantierten, wird die Rechnungszinssenkung die Garantiehöhe in Abhängigkeit des Beitrags sichtbar beeinflussen. Mehr als 80 Prozent Beitragssumme zu garantieren, wird schwer zu stemmen sein. Hier haben schon einige Gesellschaften auf eine laufzeitabhängige Garantie umgestellt, sodass beispielsweise erst ab einer Laufzeit von, im besten Fall, 35 Jahren die 100 Prozent erreicht werden können.

Neue Klassik, Moderne Klassik, Kapitaleffiziente Klassik: Oft werden die Begriffe synonym verwendet. Wie lassen sich derartige Produkte überhaupt vergleichen?

Ludwig: Die Anzahl der Versicherer, die neue Klassik Tarife anbieten, ist überschaubar. Bei unseren Analysen konnten wir zehn Anbieter identifizieren. Diese Produkte kommen für eher konservative und sehr sicherheitsorientierte Kunden in Betracht, die eine gewisse Skepsis dem Kapitalmarkt und den Fondsanlagen entgegenbringen. Das Sicherungsvermögen des Versicherers, das strengen Vorschriften unterliegt, bildet die Grundlage dieser Tarife.

Im Laufe der Jahrzehnte hat es klassischen Produkten daher den Ruf „als die mit Abstand sicherste Form der Altersvorsorge“ eingebracht. Durch die sehr ähnliche Produktstruktur kommt es bei den Unterschieden mehr auf die Details an. Die Unterschiede der jeweiligen Tarife sind daher eher in den Kriterien zu finden, die auf die persönlichen Lebensphasen sowie Flexibilitäten eingehen.

Etwa bei Zahlungsschwierigkeiten, Zuzahlungen oder Entnahmen aus dem Vertrag. Weiterhin weißt die Überschussbeteiligung der jeweiligen Gesellschaften auch größere Unterschiede auf.

Und wie sieht es bei den Indextarifen aus?

Ludwig: Bei Index-Tarifen sind dagegen bereits im Produktdesign, aber natürlich auch in der Ausgestaltung der Indexbeteiligung Unterschiede zu sehen. Wird die Indexbeteiligung über einen Cap oder eine Partizipationsquote geregelt? Werden die Beteiligungen monatlich oder jährlich betrachtet? Wie viele Indizes stehen zur Auswahl?

Bei einigen Gesellschaften steht nur ein Index zur Verfügung, bei anderen Gesellschaften stehen zwei oder drei unterschiedliche Indizes zur Wahl. Weiterhin können auch verschiedene Index-Stichtage sowie deren Anzahl eine wichtige Rolle in der Rendite spielen – stand der Index am Stichtag günstig oder nicht? Auch bei der Aufteilung zwischen Index und Überschüsse gibt es Abweichungen.

Bei vielen Gesellschaften können die Kunden in 25 Prozent-Schritten entscheiden, ob sie mehr in den jeweiligen Index oder die Überschüsse investieren möchten, andere Gesellschaften hingehen verfahren nach dem Modell „alles oder nichts“ – also 100 Prozent in den Index oder eben 100 Prozent in die Überschussvariante.

Neue oder Moderne Klassik-Policen gelten als sicherheitsorientierte Anlage. Macht ein derartiges Produkt mit Renditen, die unwesentlich höher sind, als die Alte Klassik, für eine auskömmliche Altersvorsorge Sinn?

Ludwig: Es geht immer darum für den Kunden ein bedarfsgerechtes Produkt zu finden und dies hängt ganz besonders von der Risikobereitschaft des Kunden ab. Natürlich lässt die Neue Klassik viele Chancen des Kapitalmarktes, besonders im Hinblick auf einer hohen Renditechance, ungenutzt. Allerdings ist diese Produktart dafür auch nicht geschaffen worden.

Die neue Klassik ist definitiv ein sehr sicherheitsorientiertes Produkt, das eben auch gegenüber den Ausschlägen nach unten, relativ immun ist. Daher ist dieses Produkt empfehlenswert für Kunden, die keine Risikobereitschaft eingehen möchten. Immer wichtiger wird es werden, das Geld der Kunden am Kapitalmarkt zu streuen. So kann eine sichere Anlage als Grundlage dienen und mit anderen Produkten, wie zum Beispiel ein Depot oder einer Fondsrente, kombiniert werden.

Seite 2: So viel Renditen bringen die Neue Klassik und Index

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