Gothaer legt trotz Mega-Schadensjahr zu

Foto: Gothaer
Oliver Schoeller, Vorstandsvorsitzender des Gothaer Konzerns.

Trotz Pandemie und Flutkatastrophe präsentiert der Gothaer Konzern gute Geschäftszahlen. Auch wenn noch vorläufig, scheint der Kölner Versicherer den Markt toppen zu können. Bei der Energiewende und der nachhaltigen Transformation will die Gothaer den Mittelstand mit einer neuen Inititative aktiv begleiten.

Im Rahmen einer virtuellen Pressekonferenz präsentiert Konzernvorstand Oliver Schoeller gemeinsam mit dem Vorstandsteam gute vorläufige Zahlen für das aktuelle Geschäftsjahr. Man sei zwar noch nicht ganz durch, aber die Zahlen hätten schon ein hohes Maß an Verlässlichkeit, betont Schoeller.

„Das Geschäftsjahr 2021 hat uns aus drei Perspektiven besonders geprägt“, sagte Schoeller. Da seien zum einen die dritte und vierte pandemische Welle. Und hier seien die Gothaer wie auch die gesamte Branche deutlich resilienter hindurch gekommen.

„Das liegt zum einen daran, dass unsere Vertriebe gelernt haben, mit den Herausforderungen eines doch über weite Teile des Jahres hindurch distanzierten Agierens mit Kunden gelernt haben, damit umzugehen. Zudem haben wir massiv in die Fähigkeiten nachinvestiert, mit Kunden über digitale Wege in Kontakt zu treten.“ Hinzu komme, dass die Kundenstruktur, gerade bei Unternehmenskunden deutlich wiederstandsfähiger gewesen sei und die Betriebsergebnisse in Summe nicht maßgeblich beeinflusst habe.

Die durch Unwetter „Bernd“ verursachte Flutkatastrophe habe die Gothaer mit ihrem hohen Marktanteil in der Region überproportional getroffen. „Wir werden ein Schadenbild von etwa 530 Millionen Euro haben. Das ist für die Gothaer einer der größten Schäden in ihrer 200-jährigen Geschichte“, sagte Schoeller. Das Unwetter und seine Folgen hätten das gesamte Unternehmen tief berührt und gleichzeitig auch das Beste im Unternehmen erweckt. „Das ist die Deckung auf der einen Seite wie auch die tatkräftige Unterstützung beim Aufbau in der Region“, sagte der Gothaer-Vorstandsvorsitzende.

Ökonomisch habe die Unwetterkatastrophe eine sichtbare Spur insbesondere bei der Gothaer Allgemeinen hinterlassen, man habe aber eine exzellenten Rückversicherungsschutz und werde das Schadenereignis in den Bilanzen verkraften können. Der dritte Punkte sei die beginnende Transformation in eine CO2-neutrale Wirtschaft und Gesellschaft.

Der Gothaer Konzern konnte vor dem Hintergrund bei den Beitragseinnahmen um 2,4 Prozent auf 4,64 Milliarden Euro wachsen. „Wir sehen, dass dieses Wachstum aus allen Unternehmensbereichen kommt“, sagte Schoeller. Dabei konnte die Gothaer Allgemeine marktüberdurchschnittlich zulegen. Aber auch die Gothaer Leben und Gothaer Kranken seien ebenfalls marktüberdurchschnittlich gewachsen. Der Jahresüberschuss steigt um elf Prozent auf 80 Millionen Euro.

„Das ist zufriedenstellen im Kontext mit den Auswirkungen der Flutkatastrophe“, sagte Schoeller. Die Gothaer zeige sich außerordentlich resilient. Die Solvency-Bedeckung des Konzerns beziffert der Vorstandsvorsitzende mit 191 Prozent. In Summe sei das Ergebnis in Summe eine Honorierung des konsequenten Kurses.

Trotz Pandemie, trotz andauernden Niedrigzinsumfeldes und trotz der Flut konnte auch die Konzerneigenkapitalbasis 2021 weiter gestärkt werden. Das Jahreskapital steigt nach Aussagen von Finanzvorstand Harald Epple um 6,4 Prozent an und wird zum Jahresende voraussichtlich ein Wert von 1.411 Millionen Euro (Vorjahreswert 1.326 Millionen. Euro) erreichen. Die Kapitalanlageergebnisse seien, trotz der mittlerweile sehr lang anhaltenden Tiefzinsphase weiter stabil und etwa auf dem Niveau der Vorjahre. Die Gothaer Allgemeine erzielt zwei Prozent Nettoverzinsung, die Gothaer Leben 3,4 Prozent und die Gothaer Kranken 3,1 Prozent. Insofern blicke man sehr positiv auf das Jahr 2022, resumierte Schoeller.

Vor dem Hintergrund hat der Konzern in den vergangenen Jahren seine Kapitalanlagestrategie verändert. Der Anteil der klassischen Anlagen wie Pfandbriefe, Unternehmensanleihen, Staatanleihen oder Aktien – das was früher in der Branche alles ausgemacht habe in der Kapitalanlage – sinke kontinuierlich. 2019 habe man noch 77 Prozent in den klassischen Anlagen gehabt.

„Ende 2021 werden es nur noch 68 Prozent sein“, sagte Epple. Statt dessen werde in Alternative Anlagen investiert. Der Anteil ist laut Epple von 22,7 Prozent in 2019 auf 32 Prozent gestiegen. Stand Ende September 2021. Insgesamt würden Alternative Anlagen weiter ausgebaut, insbesondere Baufinanzierungen,
Private Debt und Infrastruktur sowie Private Equity. Unternehmensanleihen und Pfandbriefe werden dagegen weiter reduziert.

Gothaer Allgemeine trotzt „Bernd“ – Beitragswachstum über Marktniveau

Die gebuchten Bruttobeiträge der Gothaer Allgemeine Versicherung werden voraussichtlich mit 2.005 Millionen Euro um 3,3 Prozent über dem Niveau von 2020 liegen. Wir haben das starke Wachstum in diesem Jahr fortsetzen können“, sagt Thomas Bischof, Vorstandsvorsitzender der Gothaer Allgemeine Versicherung AG. „Stärkster Wachstumstreiber bei den Beitragseinnahmen ist das Geschäft mit Unternehmerkunden, das voraussichtlich um sechs Prozent steigen werde“, sagte Bischof.

Was besonders erfreulich sei, dass es gelungen sei, auch im Privatkundengeschäft wieder den Wachstumsmotor anzuwerfen. „Über alle Kanäle“, so Bischof. Betonte allerdings die Bedeutung der Ausschließlichkeit in diesem Segment. „Wir haben voraussichtlich zwei Prozent Beitragswachstum im SHU-Privat. Und wenn man alles zusammennimmt knacken wir in diesem Jahr die Zwei-Milliarden-Grenze. Wir haben hier eine großen Schritt nach vorn getan, trotz Pandemie, trotz Bernd“, sagte Bischof.

Die Gesamtkosten für Tief Bernd beziffert Bischof auf voraussichtlich 530 Millionen Euro. Davon habe man per Oktober 2021 bereits 480 Millionen Euro in den Büchern. Der Rest seien erfahrungsgemäß spät gemeldete Schäden. Neben den Schäden durch Tief Bernd war das Jahr aber auch geprägt durch weitere Unwetter im Juni und Anfang Juli. Sie führten dazu, dass das Jahr 2021 als sehr kritisches und angespanntes Naturschadenjahr in die Geschichte eingehen werde, so Bischof. Die Combined Ratio stieg infolge der Großschäden von 92,2 auf 99,6 Prozent.

Gothaer Leben: Produktinnovationen beflügeln Geschäft in der bAV und privater Altersvorsorge

Die gebuchten Bruttobeiträge der Gothaer Lebensversicherung AG steigen 2021 moderat voraussichtlich um 0,7 Prozent auf 1.310 Millionen Euro. Dabei legten sowohl das Privatkunden wie auch das Unternehmenkundengeschäft moderat zu. Laut Michael Kurtenbach, Vorstandsvorsitzender der Gothaer Lebensversicherung AG, hat der Konzern in allen drei Geschäftsfeldern erfreuliche Zuwächse. In der Biometrie plus 13 Prozent, in der bAV plus 25 Prozent und in der privaten Altersvorsorge, die sicherlich sehr Einmalbeitragslastig sei, ein Plus von 39 Prozent.

„Mitte des Jahres haben wir mit der Gothaer Garantie Rente Index ein neuartiges Produkt auf dem Markt gebracht, das unter anderem zwei nachhaltige Indizes (ESG) berücksichtigt. Beeindruckend ist, dass sich bereits drei Viertel aller Kunden für nachhaltige Indizes entscheiden. Das Produkt ist Wachstumstreiber. Unser Neugeschäft wächst in Summe voraussichtlich um 21 Prozent. Dabei liegt die Produktion bei allen strategischen Geschäftsfeldern deutlich über dem Vorjahr“, so Kurtenbach.

Vor dem Hintergrund der Garantiezinssenkung zum 1. Januar 2021 habe das Geschäft merklich angezogen.“ Damit verbunden werden auch die Beitragsgarantien im Markt deutlich heruntergehen. Daher werden viele Kunden darauf achten, sich letztmalig die alten Garantieniveaus zu sichern, sagte Kurtenbach.

Gothaer Kranken mit deutlichem Wachstum in den Zusatzversicherungen

Die gebuchten Bruttobeiträge der Gothaer Krankenversicherung AG liegen mit 909 Millionen Euro aller Voraussicht nach um 2,2 Prozent über dem Niveau von 2020. „Die Gothaer Krankenversicherung ist sehr solide aufgestellt und wächst strategiekonform erneut besonders stark in der Zusatzversicherung und der betrieblichen Krankenversicherung“, berichtet Dr. Sylvia Eichelberg, Vorstandsvorsitzende der Gothaer Krankenversicherung AG.

Der Wachstumstrend in der Zusatzversicherung zeigt sich sowohl in steigenden Beitragseinnahmen wie auch in der wachsenden Zahl versicherter Personen. Die herausragende Positionierung im Unternehmerkundengeschäft führt zu einem deutlichen Wachstum in der betrieblichen Krankenversicherung: Hier konnte das Neugeschäft um 86 Prozent gesteigert werden. Die Beitragsanpassung – kurz BAP – wird auch 2022 mit 1,97 Prozent, bzw. 1,34 Prozent ohne den auf ein Jahr befristeten Corona-Zuschlag in der Privaten Pflege Versicherung, auf sehr geringem Niveau liegen.

Neue Initiative soll Energiewende im Mittelstand begleiten

Die Gothaer stellte ebenfalls ihre neue Initiative zur Unterstützung des Mittelstands bei der Energiewende vor. „Die Gesellschaft und damit auch der Mittelstand stehen gerade vor einer Mammutaufgabe: Bis 2030 sollen jährlich 33 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen eingespart werden. Diese enorme Anforderung birgt aber auch die Chance, über den Klimaschutz die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Unternehmens zu stärken“, so Schoeller.

„Mit der Initiative 500-50-5 wollen wir dem deutschen Mittelstand dabei helfen, zügig Klimaneutralität zu erreichen und einen nachhaltigen Beitrag zur Klimawende zu leisten. Unser ehrgeiziges Ziel ist es, 500 Unternehmerinnen und Unternehmer dabei zu begleiten, ihren CO2-Ausstoß in den kommenden fünf Jahren um 50 Prozent zu reduzieren.“

„Die Gesellschaft und damit auch der Mittelstand stehen gerade vor einer Mammutaufgabe: Bis 2030 sollen jährlich 33 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen eingespart werden. Diese enorme Anforderung birgt aber auch die Chance, über den Klimaschutz die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Unternehmens zu stärken“, so Konzernvorstand Schoeller.

„Mit der Initiative 500-50-5 wolle man dem deutschen Mittelstand dabei helfen, zügig Klimaneutralität zu erreichen und einen nachhaltigen Beitrag zur Klimawende zu leisten. „Unser ehrgeiziges Ziel ist es, 500 Unternehmerkundinnen und Kunden dabei zu begleiten, ihren CO2-Ausstoß in den kommenden fünf Jahren um 50 Prozent zu reduzieren“, sagte Schoeller.

Der Mittelstand als Treiber der nachhaltigen Transformation

Als führender Partner für den Mittelstand mit mehr als 370.000 versicherten Unternehmen kenne die Gothaer die Herausforderungen von KMU. Mit dem Pariser Klimaabkommen, den Klimazielen der neuen Bundesregierung und dem seit Jahren wachsenden Trend zu einem gesunden und nachhaltigen Lebensstil haben sich das politische Umfeld und das Nachfrageverhalten der Verbraucher massiv verändert.

Das Thema Nachhaltigkeit in der Produktion sowie bei der Erbringung von Dienstleistungen rückt immer stärker in den Fokus. Hinzu kommen die zunehmende Regulierung und die steigenden Energiepreise. Immer mehr Mittelständler erkennen die wirtschaftlichen Chancen des Klimaschutzes. „Der deutsche Mittelstand ist geprägt von einer Macher-Mentalität. Das sind Menschen, die einfach mal machen wollen. Diese Liebe zum Machen teilen wir,“ so Schoeller weiter.

Der Weg zur Klimaneutralität im Mittelstand

Im ersten Schritt auf dem Weg zur Klimaneutralität bietet die Gothaer 500 Unternehmerkunden eine kostenlose Analyse, um ihren CO2-Fußabdruck mit wenigen Eingaben zu berechnen. Basierend auf den Ergebnissen der Analyse werden gemeinsam mit den Unternehmen erste Maßnahmen zur Reduktion ihres CO2-Ausstoßes entwickelt und Fördermöglichkeiten aufgezeigt.

Parallel baut die Gothaer ihr breites Netzwerk aus Kooperationspartner weiter aus und stellt es den teilnehmenden Unternehmen zur Verfügung. Über dieses Netzwerk erhalten sie Hilfe bei der Reduzierung ihres CO2-Fußabdrucks. Zum Netzwerk gehören Klima-Experten wie das Beratungshaus Climate Partner, Anbieter von Infrastruktur für E-Mobilität oder Solaranbieter wie Wegatech. Die Initiative richtet sich an alle Gothaer Unternehmerkunden aus dem Mittelstand. Weitere Informationen und die Möglichkeit sich als Mitmacher zu registrieren, finden sich auf www.gothaer.de/einfachmalmachen.

„Wir sind der festen Überzeugung, dass nachhaltige Unternehmen auch geringere Risiken haben, daher reduzieren wir für alle teilnehmenden Mittelstandskund*innen die Versicherungsprämie um 10 Prozent und überprüfen gemeinsam mit ihnen regelmäßig den Umsetzungsfortschritt“, ergänzte Gothaer Allgemeine Vorstand Bischof.

Glaubhaft nachhaltig

Die Gothaer ist in der Versicherungsbranche einer der Pioniere im Bereich Nachhaltigkeit und setzt dieses Thema auf allen Ebenen um: Im Versicherungsgeschäft, in der Kapitalanlage und im Geschäftsbetrieb. Das Unternehmen hat das Potenzial der Erneuerbaren Energien bereits 1995 erkannt und Versicherungskonzepte für Windkraftanlagen und andere erneuerbare Energien entwickelt.

„Heute ist ein Drittel aller Windkraftanlagen in Deutschland bei der Gothaer versichert und die gesamte Produktpalette wird über alle Sparten an nachhaltigen Kriterien entlanggeführt. Als institutioneller Investor haben wir bereits 1,3 Milliarden Euro unserer Assets under Management in Erneuerbare Energien investiert und legen auch allen anderen Anlagen ESG-Kriterien zu Grunde. Die Unternehmensstandorte in Köln, Göttingen und Berlin sind bereits klimaneutral, alle weiteren werden es bis 2024 sein. Wir nehmen das Thema Nachhaltigkeit sehr ernst. Unser Anspruch ist es, glaubhaft nachhaltig zu sein,“ erklärte Finanzvorstand Epple, verantwortlicher Vorstand für das Thema Nachhaltigkeit. (dr)

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