Zäsur bei der Allianz: Deutschland-Tochter wird Finanzholding

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Gut 16 000 Mitarbeitern der Allianz in Deutschland steht eine Zäsur bevor: Die große deutsche Landesgesellschaft des Versicherungskonzerns verliert ihre bisherige Rolle im operativen Geschäft und wird zur Finanzholding. Die drei der Allianz Deutschland zugeordneten Sparten Sach-, Lebens- und Krankenversicherung sollen weitgehende Eigenverantwortung bekommen und in der Entwicklung neuer Produkte für andere europäische Länder eine führende Rolle übernehmen

Gleichzeitig sollen Vertrieb und Marktauftritt in Deutschland vereinheitlicht werden. Dies betrifft auch Töchter, die nicht zur Allianz Deutschland gehören, darunter die Vermögensverwaltung AGI.

Klaus-Peter Röhler, Allianz: „Vor dem Hintergrund wachsender Kundenerwartungen wird es im nächsten Schritt darum gehen, diese einheitliche Markt- und Kundensteuerung auf die weiteren Allianz Einheiten im deutschen Markt auszuweiten. So bieten wir eine Marke, eine Botschaft, eine Kundenerfahrung.“

„Das gilt für den digitalen Auftritt ebenso wie für den Vertretervertrieb“, so Bernd Heinemann, Vorstandsmitglied in der Allianz Deutschland. Neben der etablierten Allianz Beratungs- und Vertriebs-AG soll es künftig zusätzlich eine neue „Markteinheit“ geben. Deutschland-Chef Klaus-Peter Röhler ist ohnehin Mitglied des Konzernvorstands und behält seine Rolle.

„Es muss alles aus einem Guss sein“

„Ein Kunde will eine Allianz erleben. Das muss alles aus einem Guss und einer Hand sein“, sagt Heinemann. Der Plan ist, die Allianz effizienter zu machen und näher an ihre Kunden zu bringen. „Die Kunden erleben das Produkt nicht im Kleingedruckten, sondern in den Services: Wenn ein Schaden passiert, wenn man anruft, wenn man eine Frage hat“, sagt Heinemann.

Die Landesgesellschaften der Allianz waren ehedem für einen Hang zum Eigenleben bekannt, Konzernchef Oliver Bäte hat dies in den vergangenen Jahren eingeschränkt.

Allianz will die drei Spartengesellschaften stärken

Die Allianz wird die drei Spartengesellschaften Allianz Versicherungs-AG, Allianz Lebensversicherungs-AG und Allianz Private Krankenversicherungs-AG noch weiter stärken und damit die Position im Heimatmarkt ausbauen. Dazu werden diesen neben der Produktentwicklung weitere Operations- und Zentralfunktionen zugeordnet. Dies wird bei den Produktgebern die Effizienz erhöhen, Markteinführungszeiten verkürzen und Kundenerlebnisse verbessern.

Diese Stärkung der Produktgeber ist auch die Grundlage für die Entwicklung von „best practice“ Produkten und die Wiederverwendung der Produkte in anderen Ländern. Dafür wird man die internationale Zusammenarbeit der einzelnen Sparten über Ländergrenzen hinweg intensivieren.

Die Zentralfunktionen der Allianz Deutschland AG sollen entweder den Spartengesellschaften bzw. der Allianz Beratungs- und Vertriebs-AG (ABV) zugeordnet werden, sofern sich ihre Aufgaben hauptsächlich auf einen Produktgeber oder Vertrieb beziehen oder der Allianz SE bzw. einer ihrer Tochtergesellschaften, soweit sich daraus Größenvorteile ergeben.

Verantwortung für Prozesse werden anders verteilt

„Wir wollen die Verantwortung für die Prozesse – Schadenabwicklung oder Vertragsabschluss – in die Hand desjenigen legen, der das Produkt und seine Deckung entwickelt“, sagte Heinemann. „Viele Produkte sind sich international sehr ähnlich. Wir entwickeln jetzt Lösungen mit vielen Ländern gemeinsam.“

Vorstand Fabio De Ferrari scheidet aus

Im Zuge der Veränderungen wird Vorstand Fabio De Ferrari, seit Oktober 2018 Chief Operating Officer (COO) der Allianz Deutschland AG, zum 31. März 2021 auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand der Allianz Deutschland AG ausscheiden und sich außerhalb des Konzerns neuen Aufgaben widmen. Als Operations-Vorstand der Allianz Deutschland hat De Ferrari die Transformation von Operations entscheidend vorangetrieben.

Dazu zählen unter anderem die Modernisierung der IT-Landschaft durch die erfolgreiche Initialisierung des Decommissioning-Programms sowie die flächendeckende Etablierung der agilen Softwareentwicklung.

Geplanter Starttermin ist Anfang 2022. Bis dahin sollen Details und Umsetzung mit Betriebsräten, Belegschaft und Führungskräften besprochen und ausverhandelt werden. (dpa-AFX, fm)

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