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31. Januar 2013, 11:15
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“Qualität ist unabhängig von der Vergütung”

AfW-Vorstand Norman Wirth im Cash.-Interview über die künftigen Schritte der Bundesregierung zur Etablierung der Honorarberatung und die gesellschaftliche Akzeptanz der Vergütungsform.

 

Norman Wirth. AfW

Norman Wirth, AfW, hält die Honorarberatung für ein Nischenthema.

Cash.: Aus verschiedenen Umfragen der letzten Monate geht hervor, dass nur 20 bis 30 Prozent der Deutschen bereit sind, für eine Beratung ein Honorar zu zahlen. Wie beurteilen Sie diese Ergebnisse?

Wirth: Laut einer Studie der BBDO Consulting aus dem Jahr 2010 ist die Mehrheit nicht bereit, für die Honorarberatung mehr als 50 Euro pro Stunde zu bezahlen. Jetzt müssen nur noch die vielen tausend hochqualifizierten Finanzexperten gefunden werden, die bereit sind, für ein solches Honorar alle Bevölkerungsschichten zu beraten.

 

Das BMF hat einen Gesetzentwurf für die honorarbasierte Anlageberatung vorgelegt. Wird es Ihrer Meinung nach eine analoge Neuregelung für die Honorarberatung im Versicherungsbereich geben?

Weder sollte es, noch wird es eine analoge Regelung im Versicherungsbereich geben. Wozu auch? Wir haben den Versicherungsberater nach Paragraf 34e GewO. Dieser arbeitet ausschließlich auf Honorarbasis.

 

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) fordert eine einzige Zulassung für Honorarberater, mit der zu allen Anlageprodukten beraten werden kann. Ist diese Forderung sinnvoll?

Der VZBV hat offensichtlich noch immer nicht erkannt, dass es auf die Qualität und Transparenz und nicht auf die Vergütungsform ankommt. Auch in einer Verbraucherzentrale kann man sehr schnell von einem inkompetenten „Berater“ falsch beraten werden – gegen Honorar im Übrigen.

Zudem ist der Vorschlag des Gesetzgebers, die Honorarberatung nach Produktgruppen zu regulieren insofern sinnvoll, als es dann jedem Berater freisteht, seine Kompetenz darzustellen und zu wählen. Es bleibt ja unbenommen, Honorarberater für alle Produktgruppen zu werden – mit der notwendigen Qualifi zierung.

 

Welche Schritte zur Etablierung der Honorarberatung erwarten Sie 2013 von der Bundesregierung?

Ich gehe davon aus, dass wir noch vor der nächsten Bundestagswahl den als Entwurf bekannten 34h GewO als Gesetz sehen werden. Das reicht dann aber auch. Die Branche hat genug mit weitreichenderen und sinnvolleren Baustellen zu tun als mit diesem Nischenthema.

 

Interview: Julia Böhne

Foto: Christiof Rieken

11 Kommentare

  1. An Falken: Was sagen Sie denn zu den Honorarvereinbarungen zum Tarifwechsel gem. §204 VVG, die viele Versicherungsberater treffen, und dabei mal eben 2.500.- € und mehr für eine manchmal auch nicht hochklomplexe Dienstleistung verlangen? Das Problem liegt NICHT im Status oder der Art der Vergütung!!

    Kommentar von Roland Gutsch — 4. Februar 2013 @ 11:14

  2. An Alexander Alberg: JEDES Vergütungssystem kann von einem übelwollenden, nur auf den eigenen Vorteil bedachten Berater / Verkäufer / Dienstleister zum Nachteil des Kunden ausgenutzt werden. So auch bei den von Ihnen zitierten Berufsgruppen: Der Arzt verkauft Ihnen unnötige IGEL-Leistungen, der Anwalt drängt Sie zur aussichtlosen Klage, die Werkstatt behauptet Fehler, die nicht vorhanden sind oder mindestens noch nicht „repariert“ werden müssten – sogar die Hure kann Sie reinlegen! Immer wird dabei das Nicht-Wissen des Kunden ausgenutzt. Ob bei Finanz- und Versicherungsvermittlern solch Mechanismen weiter verbreitet sind als beim Durchschnitt der Menschheit bliebe zu beweisen! Ich kann aus Ihrem Beitrag nur den Wunsch nach Abschaffung des Geldes und / oder des menschlichen Egoismus herauslesen.

    Kommentar von Roland Gutsch — 4. Februar 2013 @ 10:40

  3. Dank der vielen Versicherungsvermittler haben wir Versicherungsberater unendlich viele zu tun, um die ganzen Missstände der provisionsgetriebenen Vermittler wieder gerade zu rücken. Ja, nach über 20 Jahren Versicherungsberatung kann ich sagen, die provisionsorientierte Vergütung ist für eine qualitative Beratung hinderlich.

    Kommentar von Falken — 4. Februar 2013 @ 10:29

  4. Wie heißt die Schlagzeile in diesem Bericht? Genau: “Qualität ist unab-
    hängig von der Vergütung”. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, genau so ist es.Punkt.

    Kommentar von Stefan — 1. Februar 2013 @ 15:53

  5. Ich halte die Homorarberatung für eine tolle Sache, muss der Berater dann gar nicht erst “beweisen”, keinem Interessenkonflikt zu unterliegen.

    Kommentar von Christian — 1. Februar 2013 @ 15:22

  6. An Alexander Alberg: Ist mir neu, daß Versicherungsmakler neben-
    beruflich arbeiten. Ich glaube, Sie verwechseln da Strukkimitarbeiter
    und Versicherungsvertreter mit
    Versicherungsmaklern. Auf Wunsch erkläre ich Ihnen gerne den Unterschied. Jeder normaldenke Mensch weiß natürlich auch
    dass ein Makler wie jeder andere Selbständige auch, natürlich kein
    festes Gehalt hat. Was ist denn das für ein merkwürdiges Argument?

    Kommentar von Stefan — 1. Februar 2013 @ 15:09

  7. An Saidi Sultatu: Auch wenn Sie das wiederholen, was Ihnen anderebranchenferne “Ahnungs-
    lose” vorkauen, stimmt es trotzdem nicht. Wenn ich einen Kunden gut berate, ergibt sich das Geschäft von selbst, wenn nicht gleich, dann in der Zukunft. Da ich meine Kunden langfristig begleiten möchte, verzichte ich gerne auf voreilige Abschlüsse.Ich suggeriere meinen Kunden im übrigen gar
    nichts, also vermeiden Sie bitte diese Unterstellungen. Lassen Sie doch den Kunden selbst entscheiden: Wer Honorberatung möchte, bitte schön, wer nicht, geht zu einem guten Versicherungsmakler. Ich könnte jetzt auch jedem Honorarberater unterstellen, daß er die Beratung bewusst in die Länge zieht, schließlich wird er nach Zeitaufwand bezahlt. Mache ich jedoch nicht, da ich mich nicht auf Ihr Niveau und das von anderen
    “Besserwissern” begeben möchte.

    Kommentar von Stefan — 1. Februar 2013 @ 15:02

  8. Das wundert mich aber nicht, dass Ihre Kunden keine Honorarberatung anfragen, wenn Sie Ihnen suggerieren, dass sie die GLEICHE Leistung auf Provisionsbasis bekommen würden. Fakt ist: Was auf Provisionsbasis läuft, kann immer nur ein Verkauf sein. Echte neutrale Beratung kann nur erfolgen, wenn der Berater direkt vom Mandanten bezahlt wird.

    Kommentar von Saidi Sulilatu — 1. Februar 2013 @ 14:44

  9. Die Verbraucher wünschen es ja nicht* wird ständig behauptet, und warum denn wohl?
    Weil es Tausende haupt- bzw. nebenberufliche Vermittler/Makler rumlaufen und die Verbraucher (unaufgefordert und unabhängig) beraten mit der Hoffnung doch ans Geschäft zu kommen. Die haben ja kein Gehalt, was viele Kunden aber denken und ohne was zu verkaufen verdienen die auch nichts.
    Meine Meinung: es sollen generell in allen Geschäftsbereichen (ob bei der Bank, Autohaus, Möbelverkauf oder Versicherungen) die Provisionen abgeschaft werden. Denn jeder der zum Arzt, Anwalt, Werkstatt oder Hure geht weis genau, dass er diese Dienstleistung nach dessen Aufwand bezahlen muss.
    Alternative: selbst ist der Mann bzw. Frau.
    Fakt ist ja: warum denn einfach wenn`s kompliziert gehen soll´s….

    Kommentar von Alexander Alberg — 1. Februar 2013 @ 14:20

  10. Ja, genau so sieht es aus. Auch ich sage meine Kunden, dass die Honorarberatung Geld kostet. Für meine Beratung hafte ich übrigens bisher auch schon. Und das die Verbraucherzentralen so eine große Klappe haben, können sie sich nur leisten, weil sie subventioniert werden…..auch von meinen Steuergeldern. Der Kunde, der sich partout von einem Honorarberater beraten lassen möchte, der kann das doch tun.

    Kommentar von Detlef Vogt — 1. Februar 2013 @ 13:44

  11. Es wird Zeit, daß auch endlich mal bei diesen branchenfremden Diletanten aus der Politik ankommt, daß Honorarberatung
    nicht das Allheilmittel ist und von 90% der Bevölkerung nicht gewünscht wird. Bei einem Honorar
    in Höhe von 100-150 Euro/Stunde , was erforderlich wäre, um davon leben zu können, sind es warscheinlich nahezu 100%, die gegen ein Honorar stimmen. Keiner meiner Kunden hat mich bisher danach gefragt, obwohl ich jeden über diese Möglichkeit informiere. Im übrigen bin ich es langsam leid, mich rechtfertigen zu müssen, daß ich mich für meine umfangreiche Arbeit bezahlen lasse. Die Behauptung, ein Versicherungsmakler ürde/könnte nicht unabhängig beraten ist falsch und eine Frechheit. Ich darf darauf hinweisen, daß ich für Beratungsfehler hafte. Haftung eigentlich auch Verbraucherzentralen oder müssen deren Mitarbeiter eine Qualifikation nachweisen? Nein, müssen Sie nicht. Warum? Diese scheinheiligen”Verbraucher-
    schützer” sind mir schon lange ein Dorn im Auge. Leider werde ich nicht vom Staat mit Millionenbeträgen aus Steuergeldern (im übrigen auch aus meinen) subventioniert bzw. verlange für telefonische Beratung
    auch keine 1,99.- pro Minute, sonst würde ich gerne auf Courtagen verzichten. Zum schluß eine Frage:
    Wieviele der aktuell ca. 220 (?) Honorarberater können von Honorareinnahmen eigentlich Ihren Lebensunterhalt bestreiten? Ich ahne die Antwort…

    Kommentar von Stefan — 1. Februar 2013 @ 12:24

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