23. März 2015, 09:04
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Die Stunde der Computer ist gekommen

Dax bei 12.000 Punkten – die Hausse an den Aktienmärkten der großen westlichen Industrieländer scheint keine Grenzen mehr zu kennen.

Marktkommentar: Leo Willert, Arts Asset Management

C-Quadrat

Leo Willert, Arts Asset Management

So hat der deutsche Leitindex Dax allein in diesem Jahr bis Mitte März mehr als 20 Prozent zugelegt, die Marke von 12.000 Punkten erreicht und sich damit inzwischen seit dem Jahresultimo 2011 mehr als verdoppelt. Der japanische Nikkei 225 hat seit Ende 2011 sogar rund 130 Prozent gewonnen, während der US-Technologieindex Nasdaq Composite im selben Zeitraum ein Plus von rund 90 Prozent aufweist und erstmals seit dem Dot-Com-Boom im Jahr 2000 wieder 5.000 Punkte erreicht hat.

Vor diesem Hintergrund fragen sich etliche Anleger, was Sie tun sollen. Empfiehlt es sich jetzt, Gewinne mitzunehmen und sich vom vielleicht zu schnell gestiegenen Aktienmarkt zu verabschieden?

KGV-Kennzahlen können täuschen

Die Fundamentalanalyse liefert dazu keine klaren Antworten. Zum Beispiel taugt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) kaum als Selektionskriterium. So stieg das KGV des marktbreiten US-Index S&P-500 im Jahr 2009 aufgrund schwacher Gewinnentwicklung stark an und erreichte zu einem Zeitpunkt ein historisches Hoch als man eigentlich investieren hätte müssen.

Hinzu kommt, dass auch fundamental hoch bewertete Märkte noch deutlich zulegen können. So ging George Soros‘ Quantum Fund in der ersten Hälfte des Jahres 1999 Technologie-Aktien short, da Soros – fundamental betrachtet durchaus berechtigt – der Ansicht war, dass der Markt deutlich überbewertet und heiß gelaufen war. Dessen ungeachtet stiegen die Kurse an der Nasdaq auf immer neue Höchststände und Soros musste seine Short-Position liquidieren, nachdem der Quantum-Fonds bis Ende Juli 1999 ein Minus von 20 Prozent eingefahren hatte.

Rückschlagsrisiko spricht gegen Haltestrategien

Ein kompletter Ausstieg aus dem Aktienmarkt könnte also trotz der jüngsten Rallye fatale Folgen haben, zumal Anlagealternativen im derzeitigen Niedrigzinsumfeld nicht in Sicht sind. Eine breit angelegte „Augen-zu-und-durch“-Strategie des Buy-and-hold erscheint allerdings vor dem Hintergrund des hohen Rückschlagrisikos einzelner Aktienmärkte (wenn der Aufwärtstrend gebrochen ist) und danach mitunter langer Aufholphasen zu den alten Hochs (Recovery-Perioden) als möglicherweise ziemlich riskant.

Hinzu kommt, dass die weltweiten Börsen sich oftmals asynchron bewegen. Einzelne Märkte scheren plötzlich aus dem Gesamttrend aus und die Bestperformer der Vergangenheit sind plötzlich die großen Verlierer der Gegenwart. Brasilien und Russland, die beiden Überflieger der in den Jahren 2003 bis 2007 so erfolgreichen BRIC-Fonds, waren in Euro betrachtet in den letzten drei Jahren die global schwächsten Länder überhaupt: Brasilien fast minus 50 Prozent, Russland knapp minus 40 Prozent.

Gefragt ist daher mehr denn je eine flexible, trendfolgende Sektorrotations-Strategie. Gemeint ist damit eine Anlagestrategie, die über Regionen und Branchen hinweg Chancen in den einzelnen Aktienmärkten nutzt, aber bei Rückschlägen und Trendbrüchen auch schnell und konsequent aussteigt.

Nicht gegen den Markt setzen

Ein großer Vorteil computerbasierter Trendfolgemodelle ist zudem, dass sie auch in anlagetechnisch herausfordernden Zeiten immer einen kühlen Kopf bewahren und emotionslos die Tradingregeln befolgen. Es hat sich in einer Vielzahl von Untersuchungen gezeigt, dass die meisten Anleger daran scheitern, dass sie das eigene Regelwerk – auch wenn es auf lange Sicht durchaus erfolgreich wäre – nicht diszipliniert umsetzen.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt hier – wie auch in so vielen anderen Bereichen – in der Disziplin. William Eckhardt, einer der weltweit erfolgreichsten Trendfolger und Lehrer der legendären „Turtle-Traders“ bringt diese Philosophie auf den Punkt: „You are not special. You are not smarter than the market. So follow the rules.“

Autor Leo Willert ist Geschäftsführer und Head of Trading von Arts Asset Management, Tochter der Wiener Fondsgesellschaft C-Quadrat.

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 3/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Pflegevorsorge - Small Caps - Zinshäuser - Digitalisierung - Honorarberatung - Leadsgewinnung - Nachfolge-Planung

Ab dem 16. Februar am Handel.

 

Cash. 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Absolute-Return – Insurtechs – Robo Advisors – Denkmalimmobilien

Versicherungen

Techniker: Mit Migräne-App gegen Kopfschmerzen

Migräne-Apps können die ärztliche Therapie bei Schmerzpatienten wirksam unterstützen. Wie die Techniker Krankenkasse (TK) am Mittwoch in Berlin mitteilte, können solche Apps grundsätzlich zu einem besseren Selbstmanagement bei chronischen Erkrankungen verhelfen.

mehr ...

Immobilien

Deutsche Wohnen AG: Dynamisches Wachstum

Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen AG konnte seinen Gewinn im abgelaufenen Jahr deutlich steigern. Das Unternehmen platzierte eine Kapitalerhöhung und plant weitere Zukäufe.

mehr ...

Investmentfonds

Höhere Kursschwankungen eröffnen Chancen

Auf der ganzen Welt bestimmen politische und wirtschaftliche Unsicherheiten die Nachrichtensendungen. Dennoch geht die Volatilität gemessen an den entsprechenden Kennzahlen zurück. Gastkommentar von George Efstathopoulos, Fidelity International

mehr ...

Berater

Arbeiten mit Leads: So gelingt die Kundengewinnung

Die Neukunden von morgen sind im Internet unterwegs. Um sie dort zu erreichen, fehlen den meisten Beratern Zeit und Know-how. Hier kann der Zukauf von Leads eine Lösung sein. Damit aus Leads tatsächlich Neukunden werden, gilt es jedoch, einiges zu beachten. Gastbeitrag von Sabine Koch, finanzen.de

mehr ...

Sachwertanlagen

Solvium plant weitere Wechselkoffer-Direktinvestments

Der Hamburger Anbieter Solvium Capital kündigt an, die Angebote „Wechselkoffer Euro Select 1 & 2“ zum 20. März 2017 zu schließen und konzipiert zurzeit Nachfolgeprodukte nach gleichem Modell, die voraussichtlich im Mai in den Vertrieb gehen sollen.

mehr ...

Recht

BGH-Urteil: Haftpflichtversicherer versus Rententräger

Kommt es bei einem Haftpflichtschadensfall zu Renteneinbußen und ist der Versicherte durch Zahlungen des Versicherers an den Rententräger wirtschaftlich so gestellt, als sei der Unfall nicht geschehen, kann ein ersatzpflichtiger Rentenkürzungsschaden bejaht werden, so der BGH.

mehr ...