10. März 2014, 08:05

BU-Leistungsablehnung: Auf Augenhöhe mit dem Versicherer

Berufsunfähigkeitsversicherer zahlen nicht und verschleppen nur, sagen die einen. Stimmt nicht, sagen die anderen. Dazwischen stehen hilflose Versicherungskunden und – diejenigen, die einst die Versicherung vermittelten. Vermittler in der Haftungsfalle? Nicht unbedingt, denn die Sachlage ist selten eindeutig.

Gastbeitrag von Christine Reitmaier, Anspruch und Leistung

BU-Versicherung

“Ein medizinisches Gutachten in Form einer Diagnose hat zur Feststellung einer Berufsunfähigkeit einen Aussagewert von Null.”

Der selbständige Stahlbetonbauer Norbert N., 15 Mitarbeiter, ist sauer. Er ist sauer auf seinen Versicherer und sauer auf seinen Makler, der ihm einst die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) verkaufte.

BU zahlt nicht: Klage gegen Makler

Der hätte ihn darauf hinweisen müssen, dass gar zu ungenaue Angaben zu seiner Berufsausübung zur Ablehnung im Schadensfall führen können. N. klagt jetzt gegen seinen Makler, denn der Versicherer will nicht zahlen.

Der Versicherer kann nachweisen, dass der Klein-Unternehmer entgegen dessen Angaben bei Versicherungsabschluss in aller Regel und schon immer auf den Baustellen mitgearbeitet hat und schwerstens körperlich tätig war.

Die Ablehnung ist rechtens, N. hätte bei korrekten Berufsangaben eine deutlich höhere Prämie zahlen müssen oder wäre gar nicht erst als Versicherter angenommen worden.

Bei eindeutigen Fällen wie bei Bau-Unternehmer N. können auch die besten Anwälte gegen die Versicherer nichts beschicken – und sie wenden sich gegen den Vermittler. Es dürfte für diesen nach all den Jahren schwer werden nachzuweisen, dass er korrekt beraten hat. Und selbst, wenn er es könnte, es bleibt beim Makler ein Makel kleben.

Jede zweite Anspruch-Stellung abgelehnt

Durch die Klage hat der Makler nun ein Problem, ein Haftungsproblem, aus dem er kaum wieder herauskommen dürfte. Ein Vorgang, wie er in den vergangenen Jahren häufig geworden ist.

Jede zweite Anspruch-Stellung lehnen die Versicherer ab, knapp 90.000 Mal im Jahr. Verbraucherschützer kritisieren die Gesellschaften massiv. Auch auf BUs spezialisierte Rechtsanwälte werfen den Versicherern vor, sie würden sich systematisch um Zahlungen drücken und die Vorgänge bewusst verzögern.

Dies ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Eine vor kurzem medial viel beachtete Studie der unabhängigen und als kritische Beobachterin anerkannte Produktratingagentur Franke & Bornberg kommt zu einem anderen Ergebnis: Man wolle den Versicherern wahrlich keinen Persilschein ausstellen, aber die vorgebrachten Vorwürfe würden sich in den tatsächlichen Zahlen nicht widerspiegeln.

Komplexität überfordert Versicherte und Vermittler

Ein anderer Teil der Wahrheit ist ebenso, dass viele Fälle durchaus sehr komplex sind. Und in dieser Komplexität machen die Versicherten oft Fehler bei der Antragstellung. Auch die Makler, von ihren Kunden allzu häufig um Hilfe gebeten, sind berufskundlich und in medizinischer Hinsicht komplett überfordert.

Seite zwei: Systematisches Verzögern des Verfahrens sinnlos

Weiter lesen: 1 2 3


Aktuelle Beiträge
Folgen Sie uns:
Aktuelle Beiträge aus dem Ressort Versicherungen


Topaktuelle Themen auf der Startseite


Cash.Aktuell

Cash. 07/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Income-Fonds  – Mr. Dax im Fonds-Gespräch – PKV - Ferienimmobilien - Recruiting

Ab dem 16. Juni im Handel.

Cash. 06/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Aktiv versus passiv  –Versicherungen für Immobilien –Luftfahrtmarkt – Marktreport Anlageimmobilien

Ihre Meinung

Mehr Cash.

Versicherungen

Ergo-Auslandschef Messemer geht

Der nächste Ergo-Vorstand geht: Dr. Jochen Messemer (50) verlässt den Düsseldorfer Versicherer zum Jahresende. Messemer verantwortet im Vorstand der Ergo Group das internationale Geschäft. Ein Nachfolger stehe noch nicht fest, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

mehr ...

Immobilien

Deutlich mehr Bauaufträge als im Vorjahr

Der Boom auf dem Bau hält dank extrem niedriger Zinsen an. Im April verzeichnete das Bauhauptgewerbe in Deutschland preisbereinigt 18,2 Prozent mehr neue Aufträge als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte.

mehr ...

Investmentfonds

Deutsche AM: EU verliert marktfreundlichstes großes Mitglied

Stefan Kreuzkamp, Chief Investment Officer der Deutschen Asset Management, sieht lange Liste potenzieller Auswirkungen durch den Brexit.

mehr ...

Berater

Deutsche Bank dünnt Filialnetz aus und streicht 3.000 Stellen

Weniger Standorte, trotzdem mehr Beratung – so verkauft die Deutsche Bank die Einschnitte in ihrem Filialnetz. Nach langen Verhandlungen stehen erste Zahlen fest. Das Management hält den Sparkurs für alternativlos.

mehr ...

Sachwertanlagen

Praxistag Digitalisierung: Information und Austausch

Talonec Business Solutions und Xpecto laden zum Praxistag Digitalisierung am 6. Juli nach München ein. Vom wissenschaftlichen Ansatz bis zur digitalen Zeichnung sollen Möglichkeiten und Auswirkungen der Digitalisierung aufgezeigt und diskutiert werden.

mehr ...

Recht

BVG billigt EZB-Krisenkurs unter Auflagen

Mitten in der Eurokrise beruhigte die EZB mit einem weitreichenden Versprechen die Märkte. Nach jahrelangem Streit billigt Karlsruhe den riskanten Alleingang der Notenbank – aber nicht bedingungslos.

mehr ...