22. September 2014, 08:02

“Risikodifferenzierung in BU und EU nicht mehr zurückzudrehen”

Berufsunfähigkeitsversicherung und sonst nichts – dieses Vertriebsmotto wird zunehmend infrage gestellt. Immer mehr Versicherer wenden sich der Absicherung der reinen Arbeitskraft zu. Wie Makler und Kunden für den Wandel zu gewinnen sind, diskutierte Cash. mit vier Branchenexperten.

Existenzschutzversicherung

Edgar Heck, stellv. Direktor und Leiter Produktmanagement Vorsorge der Axa Versicherung (oben links); Gerhard Frieg, Vorstand Produktmanagement und Marketing der HDI Lebensversicherung (oben rechts); Jürgen Hansemann, Direktor Produktförderung, Nürnberger Versicherung (unten links); Frank Lamsfuß, Vorstand der Barmenia Versicherungen (unten rechts).

Cash.: Die Branche arbeitet verstärkt an Alternativlösungen zur BU, die sich an Menschen mit höheren Berufsrisiken richten. Unter Versicherungsmaklern gilt die BU jedoch als “Königsprodukt”, von dem sie nur ungern abrücken. Wie gehen Sie mit dieser Problematik im Vertrieb um?

Jürgen Hansemann, Nürnberger Versicherung: Die Königslösung gibt es nicht, aber lassen Sie mich zunächst etwas ausholen: Der BU-Markt ist in den 90er-Jahren großgeworden. Im Zuge dieser Entwicklung wurden die Bedingungen immer stärker in den Vordergrund gestellt – nach der Devise: Die BU muss in den Leistungskomponenten auf einem Top-Niveau sein – nur dann darf sie verkauft werden. Das ist den Vermittlern regelrecht eintrainiert worden. Auch die Ratingagenturen haben diesen Kurs unterstützt.

Vor diesem Hintergrund ist es für die Branche natürlich nicht einfach, dem Vertrieb eine Ausschnittsdeckung schmackhaft zu machen. Teilweise hören wir von Maklern, dass sie in der Haftung stünden, wenn sie ihren Kunden “nur” eine Ausschnittsdeckung vermitteln. Auf der anderen Seite ist eine BU für viele Menschen nicht finanzierbar. Momentan – das muss man ganz deutlich sagen – steht die Zielgruppe der stark körperlich Tätigen ziemlich allein da. Ein Unfallschutz wird in dieser Zielgruppe noch angeboten, aber dann hört es eigentlich schon auf.

Frank Lamsfuß, Barmenia Versicherungen: Ich denke, was Herr Hansemann beschrieben hat, spiegelt eine normale Entwicklung wider, die ein Vertrieb im Laufe der Zeit nimmt. Dazu muss man sagen, dass der Ansatz der ganzheitlichen Betrachtung und des Konzeptverkaufs noch relativ jung ist und sich erst noch im Markt durchsetzen muss. Letztendlich sind wir uns auch alle darüber einig, dass die BU nicht nur für den Makler das Königsprodukt ist. Daher sollte es auch in erster Linie verkauft werden.

Wenn das nicht funktioniert – aus welchen Gründen auch immer – ist es aber wichtig, alternative Möglichkeiten anbieten zu können. Zudem gibt es nicht nur ein Entweder/Oder, sondern auch ein Und – das sollte angesichts von BU-Durchschnittsrenten von unter tausend Euro bedacht werden. Hier gibt es immer noch Deckungslücken, das heißt Kunden haben einen Bedarf nach ergänzender Absicherung.

Seite zwei: “Natürlich ist die BU die bestmögliche Absicherung”

Weiter lesen: 1 2 3


Aktuelle Beiträge
Folgen Sie uns:
Aktuelle Beiträge aus dem Ressort Versicherungen


Topaktuelle Themen auf der Startseite


Cash.Aktuell

Cash. 8/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Global gewinnt - BU - Gewerbehaftpflicht - Private Equity - Wohnimmobilienmarkt Berlin- Hitliste der Vertriebe - Digitalisierung

Ab dem 14. Juli im Handel.

Cash. 07/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Income-Fonds  – Mr. Dax im Fonds-Gespräch – PKV - Ferienimmobilien - Recruiting

1 Kommentar

  1. Meine Hochachtung gilt Herrn Hansemann. Er scheint der Einzige unter den vier Branchenexperten zu sein, der die Entwicklung in der BU-Versicherung auch unter sozialen Gesichtspunkten betrachtet und damit offenbar nicht zufrieden ist. Natürlich hat er Recht, dass ein einzelner Anbieter die eingeführte Risikodifferenzierung nicht zurücknehmen kann. Aber was spricht eigentlich dagegen, dass sich dieser – unter sozialen Gesichtspunkten notwendigen – Maßnahme alle BU-Versicherer gemeinsam stellen?

    Da hat die Versicherungsbranche einmal ein Produkt, das selbst Verbraucherschützer allen Menschen empfehlen, die finanziell auf ihr Arbeitseinkommen angewiesen sind. Und die Versicherer haben nichts anderes zu tun, als diese BU-Versicherung durch die Berufsgruppendifferenzierung für die meisten körperlich bzw. handwerklich Tätigen unbezahlbar zu gestalten.

    Dies finde ich unter sozialen Gesichtspunkten ungerecht und selbst unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten kaum nachvollziehbar.

    Kommentar von Gerd Kemnitz — 26. September 2014 @ 00:14

Ihre Meinung

Mehr Cash.

Versicherungen

USA stemmen sich gegen Neuordnung des Krankenversicherungsmarktes

Die geplante Neuordnung des US-Krankenversicherungsmarktes bekommt heftigen Gegenwind von der Regierung.

mehr ...

Immobilien

Bauboom in Deutschland hält an

Der Bauboom in Deutschland in Zeiten extrem niedriger Zinsen hält an: Im Mai verzeichnete das Bauhauptgewerbe 3,5 Prozent mehr neue Aufträge als im April dieses Jahres und sogar 17 Prozent mehr als im Mai 2015.

mehr ...

Investmentfonds

Die Philippinen entwickeln sich zur Boomregion in Fernost

Deutsche Anleger hatten die Philippinen bislang so gut wie gar nicht auf dem Radarschirm. Allerdings ist der Inselstaat in Fernost für Investoren sehr aussichtsreich. Gastkommentar von Jason Pidcock, Jupiter AM

mehr ...

Berater

Fonds Finanz: Wechsel in der Geschäftsführung

Wie der Münchener Maklerpool Fonds Finanz Maklerservice mitteilt, wird Matthias Brauch (40) November 2016 neues Mitglied der Geschäftsleitung. Er wird den Bereich “Innovation & Technologie” verantworten und folgt damit auf Sven Müller, der das Unternehmen demnach Ende Februar 2017 auf eigenen Wunsch verlassen wird.

mehr ...

Sachwertanlagen

MPC baut weitere Mikroapartments für Studenten

Der Asset Manager MPC Capital plant ein zweites Projekt in Berlin für seine Micro-Living-Plattform Staytoo. Hierfür hat das Unternehmen in der Leibnizstraße im Stadtteil Charlottenburg eine Büroimmobilie auf einem 1.231 Quadratmeter großen Grundstück erworben.

mehr ...

Recht

Verfassungsbeschwerde gegen Bestellerprinzip bei Maklern gescheitert

Zwei Immobilienmakler sind mit ihrer Verfassungsbeschwerde gegen das Bestellerprinzip bei Provisionen für Wohnungsvermittlungen gescheitert.

mehr ...