5.190 Euro monatlich: Eigenanteile in Pflegeheimen drohen bis 2030 deutlich zuzulegen

Carola Reimann
Foto: AOK
Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK Bundesverbandes

Die Kosten für einen Pflegeheimplatz steigen seit Jahren spürbar. Neue Berechnungen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK zeigen nun, wie stark sich die finanzielle Belastung für Pflegebedürftige weiter erhöhen könnte. Je nach Entwicklung drohen bis 2030 Eigenanteile bis zu 5.200 Euro.

Der durchschnittliche einrichtungseinheitliche Eigenanteil für die Unterbringung in einem Pflegeheim lag zum Stichtag 31. Dezember 2025 bei 2.605 Euro. In dieser Summe enthalten sind pflegebedingte Eigenanteile, Investitionskosten sowie Ausgaben für Unterkunft und Verpflegung. Bereits berücksichtigt sind dabei die Leistungszuschläge nach Wohndauer, auf die Pflegebedürftige nach Paragraf 43c des Elften Buches Sozialgesetzbuch Anspruch haben.


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Nach einer Prognose des Wissenschaftlichen Instituts der AOK könnte der durchschnittliche Eigenanteil bis zum Jahresende 2030 deutlich steigen. Geht man von einem jährlichen Anstieg um zehn Prozent aus, läge der Betrag bei rund 4.150 Euro im Monat. Das entspräche einem Plus von knapp 60 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Bei einer jährlichen Steigerung von 15 Prozent würde der Eigenanteil sogar auf durchschnittlich 5.190 Euro anwachsen und sich damit nahezu verdoppeln.

Ein drittes Szenario rechnet mit einem moderateren jährlichen Zuwachs von fünf Prozent. Auch dann ergäbe sich bis 2030 ein Anstieg um rund 26 Prozent auf 3.283 Euro. Bereits für das laufende Jahr erwartet das Institut im ungünstigsten Fall einen Anstieg auf bis zu 2.995 Euro.

Deutlicher Anstieg seit Einführung der Zuschläge

Mit dem aktuellen Wert von 2.605 Euro ist das Niveau des Jahres 2021, in dem Zuschläge zur Begrenzung der Eigenanteile eingeführt wurden, wieder klar überschritten. Gegenüber 2024 entspricht das einem Plus von 9,7 Prozent. Zwar habe sich die Dynamik des Anstiegs zuletzt etwas abgeschwächt, dennoch gebe es weiterhin Regionen mit besonders hohen Steigerungsraten.

„Das hat nicht zuletzt mit den politisch gewünschten Tarifsteigerungen in der Pflege zu tun“, erläutert die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann. „Im Rahmen der anstehenden Pflegereform muss an verschiedenen Schrauben gedreht werden, um die Eigenbeteiligung der Pflegebedürftigen in den vollstationären Einrichtungen wirksam zu begrenzen.“

Als zentrales Problem nennt Reimann die unzureichende Finanzierung der Investitionskosten durch die Länder. „Wenn die Länder hier ihren Verpflichtungen für den Bau und die Instandhaltung der Heime nachkommen würden, könnte man eine deutliche Entlastung bei den Eigenanteilen erreichen“, betont sie. Zudem sei die Herausnahme der Ausbildungskosten aus den Eigenanteilen weiterhin nicht umgesetzt.

Wirkung der Wohndauer bleibt begrenzt

Nach Einschätzung des AOK-Bundesverbandes liegt hier ein Entlastungspotenzial von etwa einer Milliarde Euro. „Die Finanzierung der Ausbildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und sollte aus Steuermitteln bezahlt werden“, stellt Reimann klar.

Die aktuellen Zahlen verdeutlichen zugleich die Wirkung der mit der Wohndauer steigenden Leistungszuschläge. Für die ersten beiden Jahre eines Heimaufenthalts lag der durchschnittliche Eigenanteil Ende 2025 bei 3.204 Euro beziehungsweise 2.914 Euro und damit deutlich über dem Durchschnittswert. Erst ab dem dritten Jahr sinkt der Betrag unter das durchschnittliche Niveau von 2.605 Euro.

Nach Angaben des Zentrums für Qualität in der Pflege beträgt die durchschnittliche Verweildauer in einer stationären Pflegeeinrichtung etwa zweieinhalb Jahre. Damit profitieren viele Pflegebedürftige nur begrenzt von den höheren Zuschlägen bei längerer Wohndauer.

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