50 Prozent der Umsätze in der industriellen Automatisierung werden bis 2030 auf KI basieren

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Bain sieht KI, Software und Daten bis 2030 als wichtigste Wachstumstreiber der industriellen Automatisierung.

In der industriellen Automatisierung verschiebt sich die Wertschöpfung rasant: Weg von der klassischen Steuerungstechnik, hin zu Software, Daten und KI. Eine Bain-Studie sieht darin nicht nur neues Wachstum, sondern auch neue Machtverhältnisse im Markt. Wer davon profitiert, entscheidet sich jetzt.

Bis 2030 dürften nahezu 50 Prozent der Umsätze in der industriellen Automatisierung auf KI-basierten Angeboten beruhen. Das geht aus der Studie „Industrial Automation: From Control to Intelligence“ von Bain & Company hervor. Damit verlagert sich die Wertschöpfung zunehmend von der Maschinensteuerung zu Software, Daten und künstlicher Intelligenz.

Nach Einschätzung der Berater verändert das auch die Struktur der Branche. An die Stelle der bisherigen Pyramide tritt zunehmend eine Sanduhr: Mehr als 80 Prozent des Profit Pools liegen künftig an den Enden der Wertschöpfung. Mehr als die Hälfte der Gewinne entfällt demnach auf Software-, Daten- und KI-Ebenen, weitere 25 bis 30 Prozent auf intelligente Feldgeräte wie vernetzte Sensoren, Maschinen und Komponenten.


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Die klassische Steuerungsebene bleibt zwar wichtig, verliert aber an wirtschaftlicher Attraktivität. Unternehmen, die Software, Daten und intelligente Geräte im großen Maßstab zusammenführen, steigern laut Studie ihre Produktivität um 30 bis 50 Prozent, senken Wartungskosten um bis zu 35 Prozent und verlängern die Lebensdauer ihrer Anlagen.

KI verschiebt die Profitabilität

„Was sich verändert, ist nicht nur die Technologie, sondern auch, wo im Markt wirtschaftlicher Wert geschaffen wird“, betont Adrien Bron, Bain-Partner und Co-Autor der Studie. „Mit der wachsenden Bedeutung von Software, Daten und intelligent vernetzten Geräten müssen in der industriellen Automatisierung tätige Unternehmen ihre Differenzierungsstrategien neu bewerten und weiterentwickeln. Gleichzeitig gilt es zu klären, wo sie Skaleneffekte und Führungspositionen erreichen und an welchen Stellen sie langfristig Wert schöpfen können.“

Allein KI-gestützte Lösungen könnten bis 2030 ein zusätzliches Marktpotenzial von bis zu 70 Milliarden Dollar erschließen. Das entspräche einem Wachstum von mehr als 20 Prozent. Besonders groß ist das Potenzial laut Bain in Feldern wie adaptiver Robotik, vorausschauender Wartung und wissensbasierten Systemen. Ein erheblicher Teil der Wertschöpfung dürfte bereits in den kommenden ein bis fünf Jahren entstehen.

Zugleich nimmt der Wettbewerbsdruck zu. Während Hyperscaler und KI-native Anbieter in industrielle Software- und Datenplattformen drängen, setzen Hardwareanbieter die Margen bei zentralen Automatisierungskomponenten unter Druck. „Für etablierte Automatisierungsunternehmen ergibt sich daraus ein wachsender Druck von mehreren Seiten“, erklärt Michael Schertler, Bain-Partner und Co-Autor der Studie. „Zugleich sinken die Wechselkosten, da sich Software zunehmend von der Hardware entkoppelt und die Interoperabilität steigt. Die größte Gefahr liegt dabei weniger in einer abrupten Disruption als vielmehr in einer schleichenden Marginalisierung.“

Branchenlösungen gewinnen an Gewicht

Fast 60 Prozent des zusätzlichen Wachstums werden der Studie zufolge bis 2030 aus vertikal spezialisierten Lösungen kommen. Gemeint sind Angebote, die auf einzelne Industrien zugeschnitten sind. In der Lebensmittel- und Getränkeindustrie stehen etwa Rückverfolgbarkeit und Hygiene im Vordergrund, in der Batterie- und Automobilproduktion Fertigungseffizienz, Durchsatz und flexible Produktionsumstellungen. In Life Sciences dominieren Validierung und regulatorische Compliance.

„Vor diesem Hintergrund verlagern sich Wachstum und Wertschöpfung zunehmend in Richtung vertikalisierter Lösungen, die Software, Daten und Hardware zu integrierten Gesamtsystemen verbinden“, so Schertler. „Wettbewerbsvorteile entstehen dabei immer stärker durch ein tiefes Verständnis der jeweiligen Branche – und nicht allein durch die Steuerung einzelner Maschinen.“

Mit der wachsenden Verfügbarkeit datengetriebener Intelligenz verschieben sich zudem die Geschäftsmodelle. Gefragt sind stärker Partner, die über die Inbetriebnahme hinaus eingebunden bleiben und Leistung in Anlauf, Betrieb und Optimierung verbessern. „Im Zuge der Entwicklung hin zu autonomen Systemen wird der Wettbewerbsvorteil für Anbieter zunehmend davon abhängen, Software, Daten und intelligente Feldgeräte zu integrierten Gesamtlösungen zu verbinden“, bilanziert Bain-Experte Bron. „Unternehmen, die Intelligenz über Systeme, Prozesse und Ökosysteme hinweg erfolgreich orchestrieren, werden in der nächsten Phase der industriellen Automatisierung die größten Wertschöpfungspotenziale realisieren.“

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