„Aktivmanagement-Expertise und ETF-Know-how“ – Cash. im Talk mit Chris Holzheu, Xtrackers/DWS

Active ETFs werden immer populärer – doch aktiv heißt nicht automatisch „weit weg vom Index“. Im Interview erklärt Chris Holzheu, Xtrackers Sales Specialist bei der DWS, wie die Xtrackers Equity Enhanced Active UCITS ETFs funktionieren, welches Renditepotenzial sie bieten und warum Managerselektion künftig wichtiger wird.

Transkript des Videos:

Was unterscheidet die Xtrackers Equity Enhanced Active UCITS ETFs von klassischen passiven ETFs – insbesondere in Bezug auf Strategie und Renditepotenzial?

Holzheu: Ja, das ist tatsächlich eine sehr häufig gestellte Frage. Viele setzen Passiv und ETF gedanklich gleich. Inzwischen gibt es aber auch Active ETFs – wie schon im Produktnamen. Das ist natürlich etwas anderes, und man muss das getrennt betrachten. Innerhalb der aktiven ETFs gibt es zudem, wegen ihrer Heterogenität, eine große Bandbreite möglicher Investmentstrategien.

Unsere Strategie liegt im Bereich eines geringen Tracking Errors, also benchmarknah. Wir haben uns dafür ein Tracking-Error-Budget von 0,75 bis 1,5 Prozent gesetzt. Damit bewegen wir uns zwischen passiven ETFs und dem, was man klassischerweise als aktiven ETF kennt – also einem Ansatz, bei dem ein Portfoliomanager mit Analystenteam sehr frei aktive Entscheidungen trifft, Jahresberichte durchgeht und klare Meinungen bildet.

Das ist der Hauptunterschied: Wir sind aktiv, aber nicht komplett frei. Wir bleiben risikokontrolliert nah an der Benchmark. Und wenn man das Risiko begrenzt, begrenzt man natürlich auch ein Stück weit das Renditepotenzial – wobei das immer in beide Richtungen gilt.

Der DWS-QI-Ansatz analysiert täglich über 5.000 Aktien anhand von rund 200 Faktoren. Wie genau funktioniert dieser quantitative Auswahlprozess, und welche Faktoren haben sich in der Praxis als besonders renditestark erwiesen?

Holzheu: Der Ansatz analysiert diese 5.000 Aktien tatsächlich täglich anhand der 200 Faktoren. Der ETF selbst wird allerdings nur monatlich rebalanciert. Warum analysieren wir täglich? Weil wir die Modellgüte stetig überprüfen wollen. Unsere Portfolio-Engineers schauen permanent, was das Modell auf täglicher Basis ausgibt: Reagiert es auf Markttrends, ohne dass wir sofort umschichten müssen? Wie funktioniert das konkret? Jede der 5.000 Aktien bekommt für jeden der 200 Faktoren eine Art Note: Wir bewerten, ob die Aktie bei diesem Faktor eher positiv oder weniger positiv abschneidet. Die 200 Faktoren sind in fünf Gruppen eingeteilt: Bewertung, Gewinnwachstum, Finanzkraft, Analysten-Sentiment und technische Indikatoren.

Das Modell arbeitet dann in zwei Stufen. Erstens: Es prüft, welche Faktorgruppe am Markt gerade besonders relevant ist und potenziell Überperformance liefern kann. Zweitens: Innerhalb dieser Gruppe schaut es auf die einzelnen Faktoren und bewertet, welche aktuell besonders wichtig sind. Daraus ergibt sich, welche Aktien über- oder untergewichtet werden. Das passiert aber alles innerhalb unseres Tracking-Error-Budgets: Das Modell darf nicht über 1,5 Prozent Tracking Error hinausgehen, aber auch nicht unter 0,75 Prozent fallen. So bleibt das Portfolio nah an der Benchmark. Es gibt zusätzliche Regeln, etwa zu maximalen Länder- oder Sektorübergewichtungen. Am Ende ist es ein Multifaktormodell, das verschiedene Faktoren kombiniert und innerhalb dieses Tracking-Error-Korridors umsetzt.

Wie gelingt der Spagat zwischen aktiver Steuerung und moderatem Tracking Error?

Holzheu: Genau das ist die Krux des Modells. Aktives Management bedeutet hier nicht der Portfoliomanager, der einzelne Titel auswählt, sondern die Portfolio-Engineers, die das Modell ständig weiterentwickeln. Aktives Management ist ja auch deshalb wichtig, weil es auf Marktverwerfungen reagieren kann. Im Modell geschieht das mit einer gewissen Verzögerung, weil wir monatlich rebalancieren. Gleichzeitig kann unser Portfoliomanagement-Team eingreifen – etwa bei Betrugsfällen oder wenn einzelne Aktien nicht mehr handelbar sind, beispielsweise wegen eines Kriegsausbruchs oder Ähnlichem. Diesen Vorteil aktiven Managements hat man also weiterhin. Und trotzdem bleiben wir benchmarknah. Wer kein großes Risikobudget will, kann sich dieses Tracking-Error-Budget anschauen und sagen: Das passt ins eigene Portfolio. Wir sprechen hier nicht von vier oder fünf Prozent wie bei klassischen aktiven Fonds, sondern maximal 1,5 Prozent.

Welche Rolle spielt Stil-Diversifikation und welchen Beitrag leistet sie zur Risikosteuerung?

Holzheu: Neben der Optimierung im Tracking Error – die schon eine klare Risikobegrenzung ist – ist Stil-Diversifikation ein weiterer wichtiger Baustein. Wir haben diese fünf Faktorgruppen und setzen nicht nur auf eine einzelne Gruppe. Würden wir nur eine Faktorgruppe spielen, wäre der Tracking Error deutlich höher und das Risikoprofil würde sich stark verändern. Dann könnte man auch gleich ein reines Ein-Faktor-Produkt kaufen.

Wir halten daher alle fünf Faktorgruppen im Portfolio, aber in unterschiedlichen Gewichten. Auch hier sind es nur kleine Anpassungen: Manche Aktien werden leicht übergewichtet, wenn sie auf einen Faktor besonders einzahlen, andere entsprechend leicht untergewichtet. So stellen wir sicher, dass wir nicht in eine extreme Downside laufen – natürlich mit begrenzter Upside, aber insgesamt kontrolliert.

Welche Anlegerprofile eignen sich besonders für diese Xtrackers Equity Enhanced Active ETFs?

Holzheu: Grundsätzlich eignet sich das Produkt für alle, die in ETFs investieren möchten. Das größte Interesse sehen wir aktuell aber bei diskretionären Portfolio-Managern, Dachfonds-Managern und klassischen Asset-Managern. Die Nachfrage steigt aus zwei Gründen. Erstens: Bei passiven Core-Exposures ist kostenseitig weitgehend der Boden erreicht – viel günstiger geht es kaum. Also stellt sich die Frage: Wie kann man noch etwas herausholen? Das geht gerade mit indexnahen Strategien gut. Man kauft sich also etwas Renditepotenzial dazu. Man zahlt ein paar Basispunkte mehr, hat dafür aber ein höheres Überrenditepotenzial als bei einem rein passiven ETF.

Zweitens: Viele professionelle Investoren kennen den QI-Ansatz bereits. Er ist über 20 Jahre alt, seine Performance ist vielen vertraut. Im ETF-Wrapper sehen sie nun neue Möglichkeiten, transparent, liquide und günstig zu investieren. Weil die Strategie trotz des langen Namens gut verständlich ist, wird sie sehr positiv aufgenommen.

Welche Entwicklungen erwarten Sie im Markt für Active ETFs – und wie will sich die DWS dort positionieren?

Holzheu: Active ETFs sind aktuell ein heißes Thema am Markt. Wir haben vor einigen Monaten drei aktive ETFs gelauncht, weil wir diesen Markt mitgestalten wollen.Vor ein paar Jahren gab es noch eine sehr überschaubare Produktauswahl und eine geringe Marktdurchdringung. Vielleicht war auch einfach nicht das dabei, was Investoren gesucht haben. Das ändert sich jetzt deutlich. Wir glauben deshalb, dass man im Active-ETF-Bereich stärker auf Managerselektion achten muss. Bei passiven ETFs war es weniger wichtig, wer der Emittent ist. Bei aktiven Fonds war es immer entscheidend – und bei aktiven ETFs wird es wieder genauso wichtig.

Als DWS sind wir im Kern ein aktives Haus und haben lange Erfahrung im aktiven Portfoliomanagement. Als Xtrackers innerhalb der DWS bringen wir zusätzlich ETF-Expertise und Index-Know-how mit. Deshalb haben wir gesagt: Wir kombinieren beides. Im ersten Schritt haben wir aktive ETFs aufgelegt, die benchmarknah sind. Aber weil Managerselektion relevant ist, wollen wir in den nächsten Jahren weitere Produkte bringen. Wir sind überzeugt, dass Investoren auf Häuser setzen sollten, die in beiden Welten – aktivem Management und ETF-Umsetzung – eine starke Expertise nachweisen können.

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