Das geplante Altersvorsorge-Depot stößt bei potenziellen Kunden auf zunehmendes Interesse. Von rund 44 Millionen Förderberechtigten kennen inzwischen 73 Prozent das neue Vorsorgeprodukt. Im April waren es noch 58 Prozent. Das zeigt die Marktuntersuchung „Altersvorsorge im Aufbruch“ von Sirius Campus, die vom Vorsorgespezialisten Aeiforia unterstützt wird.
Unter denjenigen, die das Altersvorsorge-Depot kennen, liegt die Abschlussbereitschaft aktuell bei 29 Prozent und damit unter den 34 Prozent aus dem April. Gleichzeitig steigt jedoch die Bereitschaft, sich konkret mit dem Angebot zu beschäftigen: Drei Viertel der Abschlussbereiten wollen sich innerhalb der kommenden sechs Monate beraten lassen. Im April waren es 55 Prozent.
Daraus leiten die Studienautoren für den Angebotsstart Anfang 2027 ein konservativ geschätztes Potenzial von 2,9 Millionen Verträgen ab. Bei einem durchschnittlichen Sparbeitrag von rund 142 Euro monatlich und unter Einbeziehung der Förderzulagen entspräche dies einem Jahresbeitragsvolumen von rund sechs Milliarden Euro.
Beratung entscheidet über die erste Abschlusswelle
„Viele Kunden sind noch unentschlossen und haben nur erste Überlegungen, wie viel Beitragsgarantie sie haben wollen und welche Anbieter für sie infrage kommen. Bei der Verteilung der Neuverträge wird hauptsächlich die aktive Kundenansprache und der Aufbau einer hohen Beratungsqualität ausschlaggebend sein“, erläutert Dr. Oliver Gaedeke, Gründer und Geschäftsführer von Sirius Campus.
Erste Anbieter haben bereits mit der Kundenansprache begonnen. 28 Prozent der Förderberechtigten wurden laut Studie von Bank- und Bausparkassenberatern, Versicherungsvermittlern oder über News-Feeds im Online-Banking auf das Altersvorsorge-Depot angesprochen. Viele Kunden wollen dabei zunächst ihrem bisherigen Anbieter für private Altersvorsorge, Finanzen oder Geldanlagen treu bleiben.
„Es gibt immer noch Finanzanbieter, die die Nachfragewelle sogar in ihrem eigenen Bestand unterschätzen. Nicht nur muss das Produkt möglichst bis Ende des Jahres stehen. Zusätzlich wollen auch Vermittelnde und Beratende für eine kundenorientierte Beratung geschult werden“, gibt Martin Gattung, Gründer und Geschäftsführer von Aeiforia, zu bedenken.
Kunden erwarten unterschiedliche Depotvarianten
Die Anforderungen der Förderberechtigten unterscheiden sich deutlich. Anleger mit Wertpapiererfahrung und dem Wunsch nach eigenständigen Entscheidungen interessieren sich verstärkt für günstige Online-Depots mit einer größeren ETF-Auswahl. Andere Kunden legen weiterhin Wert auf eine hohe Beitragssicherheit. Anbieter müssen deshalb unterschiedliche Bedürfnisse sowohl in der Beratung als auch beim Produktangebot berücksichtigen.
Nur elf Prozent der Förderberechtigten interessieren sich laut Studie für eine Variante ohne Garantie. Auch die Aussicht auf höhere Renditen ändert daran bislang wenig. Gleichzeitig zeigt sich bei erfahrenen Selbstentscheidern ein anderes Bild: Wer bereits heute ein Online-Depot verwaltet, tendiert am stärksten zu einem ETF-Depot ohne Garantie, erwartet dabei aber mehr Auswahlmöglichkeiten als die vorgesehenen zwei ETFs eines Standard-Depots.
Die Studie sieht deshalb nur begrenztes Potenzial für ein staatliches Standard-Altersvorsorge-Depot. „Die geringe Abschlussbereitschaft für ein staatliches Standard-Altersvorsorge-Depot wird mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass die staatlichen Investitionen in ein solches Angebot die möglichen Einnahmen mehrfach überzeichnen werden“, stellt Gaedeke heraus. „Die Expertise und Wettbewerbsintensität im Finanzdienstleistungsmarkt ist groß genug, dass auf ein staatliches Angebot auch verzichtet werden kann.“
Für die Untersuchung wurden Anfang September 2026 insgesamt 1.081 Förderberechtigte online und nach Angaben von Sirius Campus repräsentativ befragt. Eine erste Befragungswelle hatte im April 2026 stattgefunden.













