Die Altersvorsorge von Frauen in Deutschland bereitet deutlich mehr Sorgen als die der Männer. Fast jede zweite Frau äußert in einer aktuellen Umfrage große oder sehr große Bedenken, bei den Männern ist es nur gut jeder Dritte. Konkret machten 47 Prozent der Frauen und 35 Prozent der Männer entsprechende Angaben. Das Marktforschungsinstitut Innofact führte die repräsentative Befragung im Zeitraum vom 16. bis 31. Juli 2026 im Auftrag des Verbraucherportals Finanztip durch. Teilgenommen haben 3.049 Menschen zwischen 18 und 74 Jahren, davon 2.000 Frauen und 1.049 Männer. Am 7. Oktober 2026 machte die Deutsche Presse-Agentur die Zahlen öffentlich.
Wo das Geld zum Sparen fehlt
Hinter der Sorge steht handfeste Not. 26 Prozent der befragten Frauen können im Monat weniger als 50 Euro oder gar nichts für die Zukunft zurücklegen. Unter den Männern sagen das nur 17 Prozent. Auch bei der größten Hürde liegen die Geschlechter auseinander: Rund 45 Prozent der Frauen geben an, dass fehlendes Geld der Hauptgrund dafür sei, nicht mehr für das Alter vorzusorgen. Bei den Männern sind es 36 Prozent.
Teilzeit und steigende Lebenshaltungskosten als Treiber
Gefragt nach den Gründen für die eigene finanzielle Lage, führen Frauen am häufigsten gestiegene Lebenshaltungskosten als größte Sorge der Deutschen an (51 Prozent). Dahinter rangieren ein zu geringes Einkommen (36 Prozent) sowie Schulden beziehungsweise Kredite (22 Prozent). Ein Unterschied sticht besonders heraus: 15 Prozent der Frauen machen Teilzeitarbeit oder eine reduzierte Stundenzahl für ihre Lage verantwortlich, bei Männern sind es lediglich sieben Prozent. Dieses Muster deckt sich mit der Rentenstatistik, denn vor allem Frauen sind von Erwerbsunterbrechungen wegen Kindererziehung oder Pflege betroffen. Entsprechend schlagen sie sich direkt in geringeren Alterseinkünften nieder.
Altersvorsorge von Frauen: Unsicherheit beginnt am Berufseinstieg
Besonders groß fällt der Unterschied bei jungen Erwachsenen aus. In der Gruppe der 18- bis 29-jährigen Frauen empfindet sich nur ein Anteil von 37 Prozent als finanziell abgesichert, während es bei gleichaltrigen Männern 55 Prozent sind. Für Berater ergibt sich daraus ein früher Ansatzpunkt. Die Unsicherheit rund um die Altersvorsorge setzt demnach nicht erst in der Mitte des Erwerbslebens ein, sondern zeigt sich bereits zu Beginn der beruflichen Laufbahn.
| Kennzahl | Frauen | Männer |
|---|---|---|
| Sorgen sich stark oder sehr stark um die Altersvorsorge | 47 Prozent | 35 Prozent |
| Weniger als 50 Euro Sparpotenzial im Monat | 26 Prozent | 17 Prozent |
| Fehlendes Geld als größte Hürde | 45 Prozent | 36 Prozent |
| Teilzeit oder reduzierte Arbeitszeit als Grund | 15 Prozent | sieben Prozent |
| Finanziell sicher (18 bis 29 Jahre) | 37 Prozent | 55 Prozent |
Datenbasis: Finanztip/Innofact-Erhebung, Juli 2026.
Welche Unterstützung sich Frauen bei der Beratung erhoffen
Auf die Frage nach hilfreicher Unterstützung nennen 37 Prozent der Frauen vor allem mehr finanziellen Spielraum. 20 Prozent wünschen sich verständliche Erklärungen, 17 Prozent wünschen sich leicht verständliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen. So kommentiert Finanztip-Geschäftsführerin Mirjam Mohr die Ergebnisse: „Frauen brauchen keine anderen Finanzprodukte. Aber sie wünschen sich eine verständliche Orientierung, die Vertrauen in die eigene Vorsorge schafft – etwa Elternzeit, Teilzeit oder die eigene Altersvorsorge.“
Amtliche Zahlen bestätigen den Gender Pension Gap
Dass sich die subjektive Sorge auch objektiv messen lässt, zeigen Daten des Statistischen Bundesamts. Destatis veröffentlichte am 9. April 2026 eine Auswertung auf Basis der EU-SILC-Erhebung für 2025. Der Gender Pension Gap erreichte demnach hierzulande einen Wert von 24,2 Prozent, wenn Hinterbliebenenleistungen eingerechnet werden, und stieg auf 36,0 Prozent, sobald diese Leistungen unberücksichtigt bleiben. Frauen ab 65 Jahren kamen im Schnitt auf rund 1.820 Euro brutto an monatlichen Alterseinkünften, Männer auf etwa 2.400 Euro. Die in der Finanztip-Umfrage geäußerte Unsicherheit hat damit eine amtlich belegte Grundlage.
DGB-Studie: Nur jede vierte Frau fühlt sich im Alter abgesichert
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt der „Sozialstaatsradar 2026“ des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). Für die Studie hat das Institut uzbonn im Zeitraum vom 7. bis 20. Januar 2026 etwa 3.000 Personen befragt. Demnach fühlt sich nur etwa jede vierte Frau, rund 25 Prozent, im Alter gut abgesichert. Unter den Männern liegt dieser Anteil bei 41 Prozent. Ihre Versorgungslage im Alter schätzt mehr als die Hälfte der Frauen als schlecht ein, während dieser Wert bei den Männern 40 Prozent beträgt. Laut DGB wären drei Viertel der Frauen sogar bereit, höhere Beiträge für ein stabileres Rentenniveau zu zahlen.
Einzuordnen bleibt dabei die Herkunft der Studie, denn der DGB vertritt in der Rentenpolitik erkennbar die Position eines solidarischen statt privatisierten Systems. Zudem beziehen sich die übergreifenden Zustimmungswerte lediglich auf die Gesamtstichprobe und liegen nicht nach Geschlecht aufgeschlüsselt vor. Das gilt etwa für die 77 Prozent, die eine gemeinsame Rentenversicherung aller Erwerbstätigen befürworten, und für die 74 Prozent, die eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters ablehnen.
Scham als unterschätzter Faktor in der Beratung
Dass hinter den Zahlen auch ein Beratungsproblem steckt, zeigt ein Interview, das Cash.online im Juni 2025 mit der bAV-Expertin und Maklerin Cordula Vis-Paulus führte. Die Maklerin hat das German Equal Pension Symposium ins Leben gerufen, eine jährliche Veranstaltung, die sich dem Themen Altersvorsorge von Frauen und deren Rentenlücke widmet. Ihr zentraler Befund: „Altersarmut bei Frauen ist oft mit Scham besetzt.“ Viele Frauen sprächen die eigene Versorgungslücke in der Beratung demnach selbst nicht offen an.
Aus ihrer Beratungspraxis nennt Vis-Paulus konkrete Zahlen. Im Durchschnitt beziehen Frauen etwa 803 Euro an gesetzlicher Rente, Männer dagegen rund 1.300 Euro. Bei der betrieblichen Altersvorsorge fällt die Lücke ihren Angaben zufolge noch größer aus: 77 Prozent der Männer verfügen über einen bAV-Vertrag, während dieser Anteil bei Frauen bei lediglich 22,6 Prozent liegt. Als zentrale Ursache benennt sie die Teilzeitarbeit: Mehr als die Hälfte der Frauen sei selbst dann noch in Teilzeit beschäftigt, wenn das jüngste Kind längst volljährig sei. Nach ihrer Einschätzung bedeutet jeder Tag in Teilzeit einen verlorenen Zinseszins-Tag für die spätere Rente.
Zur Einordnung: Die genannten 803 Euro beziehen sich nach ihren Angaben allein auf die gesetzliche Rente. Direkt vergleichbar mit den Destatis-Werten zu den gesamten Alterseinkünften sind sie daher nicht, denn diese schließen auch Betriebsrenten und private Vorsorge ein. Unabhängig voneinander weisen beide Datenreihen jedoch in dieselbe Richtung: eine spürbare finanzielle Lücke zulasten von Frauen. Für die genannten bAV-Quoten liegt zudem keine unabhängig verifizierbare Studie vor, denn die Zahlen stammen aus der öffentlichen Darstellung ihrer eigenen Beratungspraxis.
Axa-Report: Sparwunsch trifft auf fehlenden Spielraum
Ein ähnliches Bild zeichnet der Axa Vorsorge Report 2025. Danach möchten 54 Prozent der Frauen mehr für das Alter sparen, können sich das nach eigener Einschätzung aber nicht leisten. Hier könnte etwa das ab 2027 stärker geförderte Altersvorsorgedepot neue Anreize schaffen, um trotz begrenztem Budget dennoch regelmäßig fürs Alter vorzusorgen.















