Am 8. Mai 2026 hat der Bundesrat zugestimmt – damit ist die Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen. Mit dem Altersvorsorgedepot ab 2027 bekommt der Vorsorgemarkt ein neues, staatlich gefördertes Produkt. Es löst die Riester-Rente ab, wie die Bundesregierung mitteilt. Zugleich steigt die Förderung: Künftig stehen bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr bereit.
Bis dahin war es ein längerer Weg. Bereits am 17. Dezember 2025 brachte das Bundeskabinett das Altersvorsorgereformgesetz auf den Weg. Im Bundestag erfolgte die Verabschiedung am 27. März 2026 durch die Koalition aus CDU/CSU und SPD. Während die Linksfraktion gegen den Entwurf votierte, verzichteten AfD sowie Bündnis 90/Die Grünen auf eine Stimmabgabe.
Altersvorsorgedepot ab 2027: bis zu 540 Euro Grundzulage
Kern der Reform ist eine höhere und einfachere Förderung. Laut Bundesfinanzministerium erhalten Sparer 50 Cent Zulage für jeden eingezahlten Euro, und zwar bis zu einem Eigenbeitrag von 360 Euro im Jahr. Für den Anteil zwischen 360,01 und 1.800 Euro kommen weitere 25 Cent je Euro hinzu. In der Spitze ergibt das 540 Euro Grundzulage pro Jahr. Damit die Zulage überhaupt greift, müssen Sparer mindestens 120 Euro jährlich einzahlen, also zehn Euro im Monat.
Kinderzulage, Berufseinsteigerbonus und neue Zielgruppen
Für den Nachwuchs sieht das Gesetz eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr vor. Voraussetzung ist ein Eigenbeitrag von mindestens 300 Euro für das Kind, umgerechnet 25 Euro im Monat. Die Förderung gilt unabhängig vom Geburtsjahr des Kindes. Wer vor dem 25. Geburtstag erstmals ein Altersvorsorgedepot abschließt, erhält zusätzlich einmalig 200 Euro als Berufseinsteigerbonus. Zusätzlich profitieren künftig auch Selbstständige, die keiner gesetzlichen Rentenversicherungspflicht unterliegen, sowie Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke von der Förderberechtigung. Für sie ist die geförderte Vorsorge damit erstmals unmittelbar zugänglich. Der Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) geht noch weiter und fordert, auch junge Sparer über das Frühstartrentengesetz stärker in Altersvorsorgedepots einzubeziehen.
| Förderkomponente | Betrag | Bedingung |
|---|---|---|
| Grundzulage | jährlich maximal 540 Euro | je eingezahltem Euro gibt es 50 Cent bis zu einem Eigenbeitrag von 360 Euro, danach 25 Cent pro Euro bis zu einem Eigenbeitrag von 1.800 Euro |
| Mindesteinzahlung | jährlich 120 Euro | Voraussetzung für die Zulagenberechtigung |
| Kinderzulage | bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr | für das Kind ist ein Eigenbeitrag von mindestens 300 Euro erforderlich |
| Berufseinsteigerbonus | einmalig 200 Euro | gilt bei Vertragsabschluss vor Vollendung des 25. Lebensjahres |
Kostendeckel für das Standarddepot sinkt auf 1,0 Prozent
Beim Altersvorsorgedepot ab 2027 haben Sparer die Wahl. Neben dem garantiefreien Depot bleiben Garantieprodukte mit 80- oder 100-prozentiger Beitragsgarantie als Anlageoption zugelassen. Für das staatliche Standarddepot gilt zudem eine Kostengrenze. Im parlamentarischen Verfahren senkten die Abgeordneten den Deckel von ursprünglich geplanten 1,5 auf maximal 1,0 Prozent effektive Jahreskosten. Das geht aus den Unterlagen des Bundestags hervor.
Bei der Anhörung im Finanzausschuss am 16. März 2026 legte der Verbraucherzentrale Bundesverband dar, wie stark Kosten die Rente schmälern. Bei 1,5 Prozent Kosten blieben den Sparern demnach nur 53 Prozent der Kapitalmarkterträge. Über 40 Jahre summiere sich daraus ein Guthaben von etwa 79.807 Euro. Mit Kosten von lediglich 0,2 Prozent erreiche das Kapital dagegen rund 179.823 Euro. Eine Lücke von gut 100.000 Euro verdeutlicht, wie stark der Kostendeckel langfristig auf die Rendite wirkt.
Warum die Riester-Rente ausläuft
Der Wechsel zum Altersvorsorgedepot ab 2027 reagiert auf einen Trend, der sich seit Jahren verfestigt. Der Bestand staatlich geförderter Riester-Verträge sank 2025 das achte Jahr in Folge. Zum 31. Dezember 2025 zählte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales rund 14,663 Millionen Verträge, ein Minus von 318.000. Davon liefen 9,745 Millionen als Versicherungs-, 2,996 Millionen als Fonds- und 1,437 Millionen als Wohn-Riester-Verträge, 486.000 als Banksparverträge.
Für bestehende Verträge ändert sich zunächst nichts. Sie laufen mit Bestandsschutz weiter. Laut Bestätigung des Bundesfinanzministeriums lassen sich neue Verträge nach dem bisherigen Riester-Modell ab 2027 nicht mehr abschließen. Wer einen Riester-Vertrag noch will, muss ihn folglich 2026 abschließen.
Versicherer fordern faire Wettbewerbsbedingungen
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft begrüßt die Reform grundsätzlich. Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen sagt: „Das ist die Chance auf eine neue Zusatzrente, die einfach verständlich ist, den Menschen Sicherheit gibt und am Kapitalmarkt wächst.“ Zugleich mahnt er eine dauerhafte Absicherung an: „Entscheidend ist, dass sie bis zum Lebensende trägt – sonst drohen Versorgungslücken und wachsende Belastungen für die sozialen Sicherungssysteme.“
Kritischer sieht der Verband ein mögliches eigenes Angebot des Staates im selben Markt. Asmussen verlangt gleiche Bedingungen für alle Anbieter: „Wenn der Staat selbst als Anbieter auftritt, sollte er unter denselben Rahmenbedingungen agieren wie private Akteure.“ Er warnt zudem: „Der Staat darf nicht gleichzeitig Spieler, Schiedsrichter und Platzwart sein.“
Auszahlung ab 65 und Schutz in der Grundsicherung
Das angesparte Kapital dürfen Sparer frühestens ab dem 65. Lebensjahr entnehmen. Zur Wahl stehen eine lebenslange Leibrente oder ein Auszahlungsplan, der mindestens bis zum 85. Geburtstag reicht. Zusätzlich lassen sich bis zu 30 Prozent des Kapitals auf einen Schlag entnehmen. Wichtig für Geringverdiener: Gefördertes Altersvorsorgevermögen genießt bei der Grundsicherung im Alter einen Teilschutz. Von der Zusatzrente werden 100 Euro plus 30 Prozent des darüber hinausgehenden Betrags nicht angerechnet, maximal jedoch bis zu 281,50 Euro.
Altersvorsorgedepot ab 2027: Was Berater und Vermittler erwartet
Für Finanzberater und Vermittler entsteht ein Geschäftsfeld, das zuletzt kaum noch Impulse lieferte. Die über Jahre sinkenden Riester-Zahlen und die höhere, einfacher gestaltete Förderung dürften ab 2027 neuen Beratungsbedarf wecken. Das gilt besonders für Berufseinsteiger, die sich über den neuen Bonus ansprechen lassen. Hinzu kommen Selbstständige, denen bislang eine vergleichbare geförderte Option fehlte. Bereits jetzt bereiten sich etablierte Marktteilnehmer auf den Start vor: So machen BCA, Oddo BHF und Xaver ihr Altersvorsorgedepot für 2027 startklar, während auch die Deutsche Bank ein breites Angebot für das neue Altersvorsorgedepot plant.
Gleichzeitig verschärft der niedrigere Kostendeckel von 1,0 Prozent den Wettbewerb. Produkte mit höheren laufenden Kosten lassen sich schwerer rechtfertigen, wenn das Rechenbeispiel der Verbraucherschützer die Debatte weiter prägt. Garantieprodukte mit 80- oder 100-prozentiger Beitragsgarantie treten damit gegen ein Angebot mit gesetzlich begrenzten Kosten an.












