Atradius warnt vor neuer Belastungsprobe für Unternehmen und Konsum

Wirtschaftsschwäche....
Foto: Cash./KI-generiert
Schwierige Vorzeichen für eine Wirtschaft, die ohnehin nicht in Schwung kommen will.

Gestörte Lieferketten, steigende Energiepreise und eine eingetrübte Konsumlaune belasten die deutsche Wirtschaft im Jahr 2026. Nach Einschätzung von Atradius geraten Unternehmen vieler Branchen erneut unter Druck. Wie stark sich das auf Wachstum und Verbraucher auswirkt, zeigt sich bereits jetzt.

Die deutsche Wirtschaft startet nach Einschätzung des Kreditversicherers Atradius unter schwierigen Vorzeichen in das Jahr 2026. Als Belastungsfaktoren nennt das Unternehmen vor allem gestörte Lieferketten, geopolitische Krisen und steigende Preise für Energie, Rohstoffe und Technologie.

Besonders ins Gewicht fallen dabei die faktisch gesperrte Straße von Hormus infolge des Iran-Krieges sowie Chinas starke Stellung bei Seltenen Erden. „Der Iran-Krieg ist ein Bremsklotz für den Aufschwung, der durch sinkende Zinsen und staatliche Investitionspakete eingeleitet werden sollte. Die Resilienz der Unternehmen wird 2026 erneut auf die Probe gestellt“, sagt Dietmar Gerke, Senior Manager Special Risk Management bei Atradius.

Auch bei den Preisen zeigt sich die angespannte Lage. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes liegt die Inflationsrate im März bei 2,7 Prozent, vor allem wegen gestiegener Energiepreise. Atradius erwartet vorerst keine Entlastung.

Sollte – trotz Waffenruhe – der Konflikt wieder aufflammen, dürfte sich die Situation verschärfen: „Je nach Fortdauer des Krieges zwischen Israel, den USA und dem Iran kommt die eigentliche Teuerungswelle erst noch. Der Preisdruck wird noch spürbar steigen und die Aussichten auf ein spürbares Wirtschaftswachstum dagegen werden deutlich sinken“, sagt Gerke. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen in ihrer Frühjahrsprognose für 2026 nur noch mit einem Wachstum von 0,6 Prozent, für 2027 mit 0,9 Prozent. Im Herbst hatten sie für 2026 noch 1,3 Prozent erwartet.

Lieferketten und Kosten unter Druck

Die Krise im Nahen Osten trifft vor allem Handelswege und Schifffahrt. Verzögerungen im Roten Meer und höhere Frachtkosten erschweren nach Einschätzung von Atradius die Produktion vieler Industriebetriebe, die lange auf schlanke Lagerhaltung gesetzt haben. Hinzu kommen steigende Preise für Rohöl und Helium, zwei wichtige Vorprodukte für zahlreiche Branchen.

Unternehmen reagieren darauf mit breiter aufgestellten Lieferketten. Laut Atradius ist seit Jahren erkennbar, dass Betriebe ihre Handelswege diversifizieren, Lagerbestände erhöhen und sich vom Prinzip „Just-in-time“ hin zu „Just-in-Case“ bewegen. Unterstützt wird das auch politisch, etwa durch neue Handelsabkommen mit Indien, Australien und dem Mercosur.


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Besonders angespannt bleibt die Lage in energieintensiven Branchen. Chemie-, Stahl- und Metallunternehmen leiden unter hohen Energiekosten, die sich durch die Unsicherheit im Iran weiter verschärfen. Energiekonzerne müssen teurer einkaufen, gleichzeitig steigen die Kosten im Transportwesen. Im verarbeitenden Gewerbe, in der Automobilindustrie und im Maschinenbau kommen schwache Nachfrage, Handelsbarrieren und wachsender Wettbewerbsdruck hinzu.

Verbraucher spüren die Folgen

Die Belastungen entlang der Lieferketten erreichen inzwischen auch private Haushalte. Spürbar sind sie bereits bei Benzin und Diesel sowie bei Erdgas und Heizöl. Atradius rechnet zudem mit steigenden Lebensmittelpreisen, weil höhere Energie- und Düngemittelkosten die Landwirtschaft verteuern und zusätzliche Transport- sowie Versicherungskosten an die Endkunden weitergegeben werden. Betroffen sein könnten vor allem Backwaren und Produkte mit langen Kühlketten.

„Die Verbraucherstimmung hat sich durch den Konflikt bereits massiv verschlechtert. Viele Haushalte sparen mehr als zuvor und verschieben oder stoppen größere Anschaffungen“, sagt Gerke. „Das dürfte den privaten Konsum spürbar dämpfen und damit die Konjunkturerholung zusätzlich belasten.“

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