Bauzinsen steigen bereits Richtung 4-Prozent-Marke

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Oliver Kohnen, Baufi24

Der Irankrieg verändert die geldpolitische Lage entscheidend. Zwar lässt die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins unverändert. Aber die Bauzinsen reagieren bereits. Zinskommentar von Oliver Kohnen, Geschäftsführer von Baufi24, zum heutigen EZB-Zinsentscheid.

Die Europäische Zentralbank hat bei ihrer heutigen Sitzung erwartungsgemäß nichts am Zinsniveau verändert. Der Einlagensatz bleibt bei 2,0 Prozent. Noch vor wenigen Wochen wäre diese Entscheidung kaum der Rede wert gewesen. Die Inflation in Deutschland und im Euroraum war zuletzt weiter zurückgegangen und lag im Februar bei nur noch 1,9 Prozent. Die Geldpolitik bewegte sich damit in einem Umfeld anhaltender Normalisierung.


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Dann kam der Kriegsschock. Mit der Eskalation rund um den Iran hat sich die Großwetterlage für die EZB schlagartig verändert. Aus einer Phase zunehmender Berechenbarkeit ist binnen weniger Tage wieder ein Krisenszenario geworden. Die Ölpreise sind seit Beginn der militärischen Auseinandersetzungen deutlich gestiegen und haben zeitweise wieder die Marke von 100 Dollar je Barrel überschritten. Damit kehrt genau jene Dynamik zurück, die Notenbanken besonders fürchten: steigende Preise bei gleichzeitig wachsender konjunktureller Unsicherheit.

Die EZB steht wieder vor einem Dilemma

Genau darin liegt das Problem für die Währungshüter. Ein solch geopolitischer Schock ist nicht nur wachstumsfeindlich – er wirkt zugleich auch inflationär. Höhere Energiepreise verteuern Produktion, Transport und Konsum. Sie wirken wie eine zusätzliche Steuer auf Unternehmen und Verbraucher. Für die Eurozone droht damit ein Szenario, das Notenbanken besonders ungern sehen: schwächeres Wachstum bei gleichzeitig neuem Preisdruck.

Für Christine Lagarde und den EZB-Rat ist das eine undankbare Lage. Einerseits kann die EZB auf einen geopolitischen Schock nicht sofort mit Zinserhöhungen reagieren. Andererseits sitzt die Erinnerung an die Inflationswelle von 2022 noch tief. Entsprechend sensibel reagieren die Märkte inzwischen auf neue Energiepreisschübe, wie zuletzt die nach oben revidierten Inflationserwartungen zeigen. Über einen Zehnjahreshorizont preisen Investoren inzwischen wieder rund 2,17 Prozent Inflation ein – der höchste Wert seit 2024 und damit oberhalb des offiziellen EZB-Ziels.

Bauzinsen steigen bereits Richtung 4-Prozent-Marke

An den Kapital- und Anleihemärkten hat sich zuletzt entsprechend eine neue Dynamik eingestellt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe hat sich nach Kurszuwächsen von 10 Prozent seit Kriegsbeginn wieder bis an die 3-Prozent-Marke herangearbeitet. Damit liegt sie so hoch wie zuletzt im Umfeld des Jahres 2011 – also auf einem Niveau, das der Markt seit fast 15 Jahren nicht mehr gesehen hat. Der Mechanismus dahinter ist klar: Steigende Ölpreise treiben die Inflationserwartungen nach oben – und damit auch Kapitalmarktrenditen und Bauzinsen.

Tatsächlich haben viele Banken ihre Baufinanzierungszinsen zuletzt angehoben. Für Kredite mit einer zehnjährigen Laufzeit müssen mitunter schon wieder Bauzinsen über der 4,0-Prozent-Marke bezahlt werden. Für Immobilienkäufer ist das erst mal keine gute Nachricht. Mehr denn je gilt daher: Wenn sich auf dem Immobilienmarkt Kaufgelegenheiten bieten, sollten sie genutzt werden. Denn günstiger dürfte es unter den neuen Vorzeichen in absehbarer Zeit kaum werden.


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