Wie stark sollten Vermittler die Überschussbeteiligung im Leistungsfall im Beratungsprozess gewichten, wenn die sonstigen Vertragsmerkmale (Leistungsumfang, Bedingungen, Preis) vergleichbar sind?
Bierl: Sie ist ein Mosaikstein von vielen. Nicht mehr, nicht weniger. Ich bringe sie gerne dann ins Spiel, wenn ein Kunde meint, alle Versicherer seien doch eigentlich gleich. Sind sie nicht. Und die Überschüsse im Leistungsfall sind ein gutes Beispiel dafür. Gleichzeitig gilt: Diese Zahl darf nie das alleinige Argument für oder gegen einen Versicherer sein. Die Überschüsse können auch auf null sinken. Deshalb ist eine garantierte Rentensteigerung im Vertrag fast schon Pflicht. Und die BU-Rente sollte von Anfang an möglichst hoch angesetzt sein. Idealerweise bei 60 Prozent des Bruttogehalts.
Welche Ursachen sehen Sie für die zum Teil deutlichen Unterschiede bei den Überschussquoten der einzelnen Gesellschaften – etwa unterschiedliche Kapitalanlagen, Schadenquoten oder tarifliche Besonderheiten?
Bierl: Im Wesentlichen aus drei Quellen: dem Kapitalmarktergebnis, dem Risikoergebnis und dem Kostenergebnis. Es ist also immer ein Mix. Wie genau jede Gesellschaft auf ihre Zahl kommt, das entzieht sich ehrlich gesagt meiner Kenntnis. Ich bin Versicherungsmakler aus der Praxis, kein Konzerncontroller. Was ich aber sagen kann: Wer seit Jahren gute Werte liefert, der wirtschaftet in der Regel solide. Das ist kein Zufall.
Wie stabil sind diese Überschussquoten über die Zeit und inwieweit kann ein Vermittler oder Kunde verlässliche Trends aus den bisherigen Jahren ableiten?
Bierl: Wir beobachten diese Kennzahl seit sechs Jahren intensiv. Und ja, es gibt eine erkennbare Tendenz: die der Stabilität. Es ist nicht so, dass sich die Werte jedes Jahr dramatisch verändern. Versicherer bleiben in der Regel jeweils im unteren oder oberen Bereich der Skala. Die großen Bewegungen, die wir zuletzt gesehen haben, hatten einen konkreten Auslöser: die Rechnungszinserhöhung Anfang 2025 von 0,25 auf 1,00 Prozent. Das hat die Beiträge günstiger gemacht, aber die Überschüsse im Leistungsfall sind um genau diese Differenz gesunken. Was der Kunde vorne gewinnt, fehlt ihm hinten. Das sollte man wissen.
Sehen Sie regulatorische oder marktwirtschaftliche Risiken, dass Überschussbeteiligungen im Leistungsfall künftig stärker sinken könnten (zum Beispiel durch Zinsumfeld oder Bilanzierungsanforderungen)?
Bierl: Ja, durchaus. Politisch dürfte eher wieder eine Niedrigzinsphase gewollt sein. Die IT-Kosten der Versicherer werden weiter steigen. Und nicht wenige Marktteilnehmer glauben, dass die BU zu günstig kalkuliert ist. Eine Einschätzung, die ich zum Teil teile. Das alles drückt auf die Überschüsse. Mein Rat: Niemals mit den Überschüssen planen. Die Kirsche auf der Sahnetorte ist schön – aber man bestellt die Torte nicht wegen der Kirsche. Wer Planungssicherheit will, nimmt eine garantierte Rentensteigerung. Die meisten Versicherer bieten bis zu drei Prozent an. Das ist verlässlich. Die Überschüsse sind es nicht.
Die Fragen stellte Kim Brodtmann, Cash.













