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Die Bröning-Kolumne: Gold 5.000 & Silber 100 – vergeuden Sie diesen Bullenmarkt nicht!

Tim Bröning
Foto: Fonds Finanz
Tim Bröning

Gold und Silber haben in den vergangenen Jahren außergewöhnlich stark zugelegt. Mit den steigenden Preisen wächst jedoch auch der Anspruch an das Risikomanagement. Der Rohstoffinvestor Rick Rule mahnt zur Disziplin. Welche Überlegungen Anleger jetzt anstellen sollten, zeigt ein Blick auf Relationen, Gewinne und Alternativen.

„Vergeuden Sie diesen Bullenmarkt nicht!“ Dieser Satz stammt von Rick Rule, einem der bekanntesten und erfolgreichsten Rohstoffinvestoren der vergangenen Jahrzehnte. Ein Mann, der Zyklen respektiert, Übertreibungen erkennt und mit beidem sehr viel Geld verdient hat.

Der Satz klingt einfach, fast banal. Genau darin liegt seine Stärke. Denn die entscheidende Frage lautet nicht, ob Gold und Silber gestiegen sind. Das ist offensichtlich. Die eigentliche Frage ist, was Anleger nun daraus machen. Ein Bullenmarkt wird nicht automatisch zum Erfolg. Man kann ihn auch sehr diszipliniert vergeuden.

Seit Jahren schreibe ich an dieser Stelle, dass Gold, Silber und ausgewählte Edelmetallaktien keine modische Wette sind, sondern strategische Vermögensbausteine. Wer dem gefolgt ist, erlebt derzeit eine Phase, die man nicht jedes Jahrzehnt serviert bekommt. Gerade deshalb ist jetzt ein kühler Kopf gefragt. Euphorie war noch nie ein guter Ratgeber. Untätigkeit allerdings auch nicht. Rick Rule gibt dazu einige erfreulich bodenständige Hinweise.


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Erstens: Das Gold-Silber-Ratio ernst nehmen

Wer physisches Gold und Silber besitzt, sollte regelmäßig auf das Gold-Silber-Ratio schauen. Vor nicht allzu langer Zeit lag es bei über 100. Für eine Unze Gold bekam man mehr als 100 Unzen Silber. Historisch betrachtet war das kein Normalzustand, sondern ein Extrem.

Nach dem kräftigen Silberpreisanstieg der vergangenen Wochen liegt dieses Verhältnis nun unter 50. So tief war es seit 1985 nur in wenigen kurzen Episoden. Das ist kein Alarmsignal, aber ein klarer Denkanstoß.

Für Anleger, die ihren Gesamtbestand an physischen Edelmetallen nicht reduzieren möchten, kann es sinnvoll sein, einen Teil der Silberbestände in Gold zu tauschen. Nicht, weil Silber plötzlich unattraktiv wäre, sondern weil Märkte zyklisch sind und Relationen oft mehr sagen als Prognosen.

Zweitens: Gewinne mitnehmen ohne auszusteigen

Ein Bullenmarkt verleitet dazu, das Verkaufen grundsätzlich als Fehler zu betrachten. Dabei ist oft das Gegenteil richtig.

Wer Silber vor drei Jahren zu rund 20 US-Dollar gekauft hat und heute Kurse jenseits der 100 US-Dollar sieht, hat vieles richtig gemacht. In solchen Situationen kann es sinnvoll sein, zumindest das ursprünglich eingesetzte Kapital plus die Höhe der Abgeltungssteuer aus dem Markt zu nehmen. Der verbleibende Bestand ist dann „risk-free“ und läuft für die meisten Anleger anschließend deutlich entspannter weiter.

Alternativ kann man auch 70 oder 80 Prozent der Position verkaufen. Der Rest entspricht dann ungefähr der ursprünglichen Allokation, nur eben auf einem wesentlich höheren Kursniveau. Beides sind keine Ausstiegsstrategien, sondern Formen von Risikomanagement. Und das hat noch keinem Anleger geschadet.

Drittens: Wiederanlage dort, wo der Hebel wirkt

Was tun mit dem frei gewordenen Kapital? Wer davon überzeugt ist, dass der Gold- und Silberpreis strukturell hoch bleibt, und dafür gibt es einige überzeugende Gründe, sollte einen Blick auf Edelmetallaktien werfen.

Ein einfaches Rechenbeispiel zeigt, warum. Vor drei Jahren lag der Silberpreis bei etwa 20 US-Dollar. Die gesamten Förderkosten, die sogenannten AISC, betrugen rund 15 US-Dollar. Der operative Gewinn lag also bei etwa 5 US-Dollar pro Unze.

Bei einem Silberpreis von 100 US-Dollar steigt dieser Gewinn rechnerisch auf 85 US-Dollar. Selbst wenn man großzügige Kostensteigerungen von 30% unterstellt und AISC von 20 US-Dollar annimmt, bleiben immer noch 80 US-Dollar Gewinn übrig. Aus 5 US-Dollar werden 80. Das ist kein linearer Anstieg, sondern ein völlig anderes Geschäftsmodell, worauf eine Neubewertung erfolgen müsste.

Die entscheidende Frage lautet daher, ob sich Silberminenaktien in den vergangenen drei Jahren versechzehnfacht haben. Die Antwort ist ernüchternd. Der Global X Silver Miners ETF beispielsweise hat sich „nur“ etwa vervierfacht und damit noch nicht mal die Steigerung des Silberpreises selbst outperformt, der sich ungefähr verfünffacht hat. Sollten die Preise hoch bleiben, wirken viele Produzenten trotz der Rally historisch sehr günstig.

Viertens: Zufriedenheit nicht vergessen

Bei all den Zahlen und Überlegungen geht ein Punkt gerne verloren. Zufriedenheit ist auch eine Form von Rendite. Ein Edelmetall-Bullenmarkt wie dieser ist selten. Wer sowohl mit physischem Metall als auch mit Minenaktien außergewöhnliche Ergebnisse erzielt hat, darf das anerkennen. Und sollte es auch genießen.

Gewinne mitzunehmen, idealerweise mindestens in Höhe des eingesetzten Kapitals, ist kein Zeichen von Zweifel, sondern von Erfahrung. Das frei gewordene Geld kann neu investiert werden. Oder man tut etwas radikal Unökonomisches und gibt es einfach aus. Auch das ist erlaubt. Vielleicht sogar vernünftig.

Denn eines ist sicher. Die Kaufkraft unseres Fiat-Geldes wird morgen nicht höher sein als heute. Rick Rule hat recht. Dieser Bullenmarkt ist eine Gelegenheit. Aber nur für jene, die ihn aktiv nutzen. Nicht hektisch, nicht gierig, sondern mit klarem Kopf – und natürlich nach seiner eigenen persönlichen Einschätzung.

Vergeuden Sie diesen Bullenmarkt nicht!

Autor Tim Bröning ist Geschäftsführender Gesellschafter der Bröning Investment & Consulting GmbH  www.broening-investment.de, und u.a. Beirat bei Fonds Finanz.

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